{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerwG:2009:300609B10B49.08.0","court":"Bundesverwaltungsgericht","senate":"10. Senat","decided":"2009-06-30","aktenzeichen":"10 B 49.08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERWALTUNGSGERICHT\n\nBESCHLUSS\n\nBVerwG 10 B 49.08\nVGH A 10 S 3032/07\n\nIn der Verwaltungsstreitsache\n\nhat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts\nam 30. Juni 2009\ndurch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Mallmann\nund die Richter am Bundesverwaltungsgericht Richter und Prof. Dr. Kraft\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung\nder Revision in dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs\nBaden-Württemberg vom 20. Mai 2008 wird verworfen.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.\n\nGründe:\n\n1 Die Beschwerde des Klägers ist unzulässig. Sie legt die geltend gemachten\nZulassungsgründe der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 132\nAbs. 2 Nr. 1 VwGO) und der Verletzung des rechtlichen Gehörs (§ 132 Abs. 2\nNr. 3 i.V.m. § 108 Abs. 2 VwGO) nicht in einer den Anforderungen des § 133\nAbs. 3 Satz 3 VwGO genügenden Weise dar.\n\n2 1. Die Zulassung der Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) setzt voraus, dass eine klärungsfähige und\nklärungsbedürftige Frage des revisiblen Rechts aufgeworfen wird. Eine solche\nlässt sich der Beschwerde nicht entnehmen. Die von ihr aufgeworfenen Fragen,\n\n„ob Ahmadis in Pakistan, bei - auch i.S.d. Art. 10 Abs. 1\nlit. b der Richtlinie 2004/83/EG öffentlicher - Ausübung ihrer Religion mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit von Verfolgungsmaßnahmen, die für sich oder in ihrem Zusammenwirken die insoweit nötigen Maßnahmen erfüllen, bedroht sind“\n\nund\n\n„ob sich durch das Inkrafttreten der Richtlinie 2004/83/EG\nder Maßstab für die Annahme einer flüchtlingsrechtlichen\nEingriffshandlung im Verhältnis zum Maßstab für eine\nasylrechtliche Eingriffshandlung im Sinne von Art. 16a GG\nderart geändert hat, dass nunmehr entweder die die Religionsausübung von Ahmadis in Pakistan betreffenden\n\nStrafgesetze bereits für sich allein genommen oder in Gesamtbetrachtung mit anderen belastenden Maßnahmen\ndie Schutzverpflichtung auslösen müssen“\n\nund\n\n„ob nur für Ahmadis mit besonders tiefer oder enger Bindung bzw. religiös geprägter Persönlichkeit oder sog. bekennende Ahmadis oder Ahmadis, die ihren Glauben nach\naußen tragen wollen oder gar nur solche, die auch\nentsprechend Funktionen mit Öffentlichkeitsbezug in der\nGemeinde ausüben, die internationale Schutzverpflichtung\ngem. Art. 9 und 10 der Richtlinie 2004/83/EG ausgelöst\nwird“,\n\n3 betreffen in erster Linie die den Tatsachengerichten vorbehaltene Klärung und\nWürdigung der tatsächlichen Verhältnisse in Pakistan. Dem verschließt sich\nletztlich auch die Beschwerde nicht, wenn sie ausführt, dass diese Rechts- und\nTatsachenfragen bislang höchstrichterlich nicht abschließend geklärt seien. Das\nRevisionsgericht darf aber von sich aus keine Tatsachen ermitteln; es hat - auf\nder Grundlage der vom Berufungsgericht getroffenen tatsächlichen Feststellungen - Fragen des revisiblen Rechts zu klären (vgl. § 137 Abs. 2 VwGO).\n\n4 2. Die Beschwerde macht als Gehörsverstoß geltend, das Berufungsgericht\nhabe den Kläger in der Berufungsverhandlung zu seinen Aktivitäten in Deutschland und zu den Vorgängen im Heimatland angehört; sein angeblicher Vortrag\nfinde sich in den Gründen der angefochtenen Entscheidung (UA S. 8 - 11), die\nFragen und Antworten seien jedoch nicht in der Sitzungsniederschrift festgehalten worden. Damit könne nicht nachvollzogen werden, ob das Vorbringen des\nKlägers in seinen Einzelheiten auch korrekt dokumentiert worden sei.\n\n5 Mit diesem Vorbringen wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht dargetan. Selbst wenn - was von der Beschwerde nicht substantiiert vorgetragen\nwird - die Angaben des Klägers im Tatbestand des Berufungsurteils nicht richtig\nwiedergegeben worden wären, läge darin kein Verfahrensmangel. Die Unrichtigkeit des Tatbestands kann gemäß § 119 VwGO nur mittels eines fristgebundenen Antrags auf Berichtigung geltend gemacht werden (vgl. Beschluss vom\n7. Juni 1989 - BVerwG 2 B 70.89 - Buchholz 310 § 119 VwGO Nr. 5 S. 2 und\nUrteil vom 16. Oktober 1984 - BVerwG 9 C 67.83 - Buchholz 310 § 117 VwGO\n\nNr. 25). Demzufolge ist nicht zu erkennen, dass die Vorgehensweise des Berufungsgerichts das Recht des Klägers, sich zu dem der Entscheidung zugrunde\nliegenden Sachverhalt zu äußern, in irgendeiner Weise verletzt haben könnte.\nSie ist auch ansonsten nicht zu beanstanden, denn ein Verstoß gegen § 105\nVwGO i.V.m. §§ 159, 160 Abs. 1 - 3 ZPO liegt nicht vor. Der Kläger ist in der\nmündlichen Verhandlung nicht als Partei vernommen worden (§ 96 Abs. 1, § 98\nVwGO i.V.m. §§ 447 ff. ZPO). Seine formlose Anhörung (§ 86 Abs. 3 VwGO)\ndiente vielmehr der Ergänzung seiner - aus Sicht des Berufungsgerichts - noch\nunvollständigen Angaben zu den Asylgründen. Dafür ist eine Wiedergabe in der\nNiederschrift über die mündliche Verhandlung nicht vorgeschrieben (Beschlüsse vom 8. April 1983 - BVerwG 9 B 1277.81 - Buchholz 310 § 105 VwGO Nr. 33\nund vom 18. November 2004 - BVerwG 10 B 17.04 juris <Rn. 7>).\n\n6 Der Senat sieht von einer weiteren Begründung der Entscheidung ab (§ 133\nAbs. 5 Satz 2 Halbs. 2 VwGO).\n\n7 Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO. Gerichtskosten werden gemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus\n§ 30 Satz 1 RVG.\n\nDr. Mallmann Richter Prof. Dr. Kraft","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2009-06-30/10-b-49-08","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 105","ref_norm":"105","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":2},{"jurabk":"RL 2004/83/EG","ref":"Art 10","ref_norm":"10","n":2},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 16a","ref_norm":"16a","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 86","ref_norm":"86","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 98","ref_norm":"98","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 108","ref_norm":"108","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 117","ref_norm":"117","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 137","ref_norm":"137","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 447","ref_norm":"447","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 30","ref_norm":"30","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"RL 2004/83/EG","ref":"Art 9","ref_norm":"9","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2009-06-30/10-b-49-08","retrieved":"2026-10-24 07:33:32.024941+00:00"},"card":{"id":"bverwg/2009-06-30/10-b-49-08","court":"BVerwG","court_id":"bverwg","court_as_stated":"Bundesverwaltungsgericht","panel":"10. 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