{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerwG:2008:081208B10B37.08.0","court":"Bundesverwaltungsgericht","senate":"10. Senat","decided":"2008-12-08","aktenzeichen":"10 B 37.08","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERWALTUNGSGERICHT\n\nBESCHLUSS\n\nBVerwG 10 B 37.08\nOVG 10 A 11002/07\n\nIn der Verwaltungsstreitsache\n\nhat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts\nam 8. Dezember 2008\ndurch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Mallmann,\nden Richter am Bundesverwaltungsgericht Richter und\ndie Richterin am Bundesverwaltungsgericht Fricke\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde der Beklagten gegen die Nichtzulassung\nder Revision in dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 21. Februar 2008 wird verworfen.\n\nDie Beklagte trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.\n\nGründe:\n\n1 Die auf § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO gestützte Beschwerde ist unzulässig. Der behauptete Verfahrensmangel wird nicht in einer Weise dargelegt, die den Anforderungen des § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO genügt.\n\n2 Die Beschwerde beanstandet, das Berufungsgericht habe sich nicht mit der von\nder Beklagten im Berufungsverfahren vorgetragenen Rechtsprechung anderer\nOberverwaltungsgerichte auseinandergesetzt, dass Yeziden im Südosten der\nTürkei keine Gruppenverfolgung zu befürchten hätten. Die Beklagte habe sich\nin ihren Schriftsätzen vom 14. November und 10. Dezember 2007 ausdrücklich\nauf zwei Entscheidungen anderer Oberverwaltungsgerichte bezogen und auf\nderen abweichende Einschätzung zur Gefährdung von Yeziden hingewiesen.\nDer Umstand, dass das Berufungsgericht auf dieses Vorbringen nicht eingegangen sei und sich auch sonst mit der abweichenden tatsächlichen und rechtlichen Würdigung der anderen Oberverwaltungsgerichte nicht befasst habe,\nlasse nur den Schluss zu, dass es dieses Vorbringen nicht in Erwägung gezogen habe. Das verletze den Anspruch der Beklagten auf Gewährung rechtlichen\nGehörs (Art. 103 Abs. 1 GG).\n\n3 Damit ist eine Gehörsverletzung nicht substanziiert dargetan. Nach der Rechtsprechung des Senats ist die gebotene Auseinandersetzung mit der abweichenden Würdigung verallgemeinerungsfähiger Tatsachen im Asylrechtstreit\ndurch andere Oberverwaltungsgerichte grundsätzlich Teil der Sachverhalts- und\nBeweiswürdigung, die dem materiellen Recht zuzuordnen ist; unterbleibt diese\nAuseinandersetzung, kann dies für sich genommen in aller Regel nicht als\nVerfahrensmangel im Sinne des § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO gerügt werden\n(stRspr; vgl. Beschluss vom 14. Mai 2007 - BVerwG 1 B 103.06 - Buchholz 310\n§ 108 Abs. 1 VwGO Nr. 51 m.w.N.): Die Beschwerde legt nicht dar, dass hier\nausnahmsweise etwas anderes gilt. Zwar hat sich die Beklagte nach dem Vorbringen der Beschwerde die Würdigung der anderen Oberverwaltungsgerichte\nals Parteivortrag zu eigen gemacht. Die Beschwerde macht jedoch nicht ersichtlich, dass es sich dabei für das Berufungsgericht um zentrales und entscheidungserhebliches Vorbringen gehandelt hat. Das Berufungsgericht hat in\nseiner Entscheidung deutlich gemacht, dass ihm gegenteilige Rechtsprechung\nzur Gruppenverfolgung der Yeziden im Südosten der Türkei bekannt gewesen\nist (BA S. 8). Die Beschwerde geht in diesem Zusammenhang nicht darauf ein,\nob die beiden Entscheidungen der anderen Oberverwaltungsgerichte inhaltlich\nüber diese Rechtsprechung hinausgegangen sind. Zum anderen hat das Berufungsgericht entscheidend nicht auf die Gefahr einer Gruppenverfolgung der\nYeziden, sondern auf die Gefahr einer individuellen Verfolgung der Klägerin in\ndem Heimatdorf ihrer Familie abgestellt (BA S. 10 ff.). Auch hierauf geht die\nBeschwerde nicht ein. Ob ein Verfahrensmangel vorliegt, ist nach ständiger\nRechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aus der materiellrechtlichen\nSicht des Berufungsgerichts zu beurteilen. Es fällt allerdings auf, dass sich das\nBerufungsgericht nicht mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts\nzur „kleinen Gruppe“ auseinandergesetzt hat (vgl. etwa Urteil vom 9. September\n1997 - BVerwG 9 C 43.96 - BVerwGE 105, 204 = Buchholz 402.25 § 1 AsylVfG\nNr. 196 und Beschlüsse vom 26. Februar 1999 - BVerwG 9 B 835.98 - a.a.O.\nNr. 203 und vom 5. Januar 2007 - BVerwG 1 B 59.06 - juris <zu Yeziden in der\nTürkei>; jeweils m.w.N.).\n\n4 Der Senat sieht von einer weiteren Begründung ab (§ 133 Abs. 5 Satz 2\nHalbs. 2 VwGO).\n\n5 Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 2 VwGO. Gerichtskosten werden\ngemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus § 30\nRVG.\n\nDr. Mallmann Richter Fricke","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2008-12-08/10-b-37-08","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":2},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 108","ref_norm":"108","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 30","ref_norm":"30","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2008-12-08/10-b-37-08","retrieved":"2026-10-24 07:33:29.910698+00:00"},"card":{"id":"bverwg/2008-12-08/10-b-37-08","court":"BVerwG","court_id":"bverwg","court_as_stated":"Bundesverwaltungsgericht","panel":"10. 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