{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerwG:2007:260907B10C37.07.0","court":"Bundesverwaltungsgericht","senate":"10. Senat","decided":"2007-09-26","aktenzeichen":"10 C 37.07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERWALTUNGSGERICHT\n\nBESCHLUSS\n\nBVerwG 10 C 37.07 (10 PKH 15.07)\nVGH 13a B 06.31018\n\nIn der Verwaltungsstreitsache\n\nhat der 10. Senat des Bundesverwaltungsgerichts\nam 26. September 2007\ndurch den Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Mallmann\nund die Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Dörig und Richter\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Gewährung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts wird\nabgelehnt.\n\nDas Verfahren wird eingestellt.\n\nDas Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs\nvom 12. Februar 2007 und das Urteil des Bayerischen\nVerwaltungsgerichts München vom 18. September 2006\nsind wirkungslos.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Verfahrens in allen\nRechtszügen.\n\nGründe:\n\n1 1. Dem Kläger kann die Prozesskostenhilfe, die er zusammen mit der am\n14. März 2007 eingelegten Revision beantragt hat, nicht bewilligt werden, weil\nseine Revision gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zu\ndem für die Beurteilung der Erfolgsaussichten maßgeblichen Zeitpunkt keine\nAussicht auf Erfolg hatte (§ 166 VwGO i.V.m. § 114 ZPO). Der Kläger hat mit\nseiner Revision allein gerügt, das Berufungsgericht habe verkannt, dass seine\nFlüchtlingsanerkennung nach § 73 Abs. 2a AsylVfG nur im Wege einer Ermessensentscheidung hätte widerrufen werden dürfen. Die damit aufgeworfene\nFrage der Auslegung und Anwendung von § 73 Abs. 2a AsylVfG auf vor dem\nInkrafttreten dieser Vorschrift am 1. Januar 2005 ausgesprochene Anerkennungen hat das Bundesverwaltungsgericht bereits durch Urteil vom 20. März 2007\n- BVerwG 1 C 21.06 - (zur Veröffentlichung in der Entscheidungssammlung\nBVerwGE vorgesehen, AuAS 2007, 164) im anderen Sinne, also zu Lasten des\nKlägers, entschieden. Ob für die Beurteilung der Erfolgsaussichten der Rechtsverfolgung im Prozesskostenhilfeverfahren der Zeitpunkt der Entscheidung des\n\nGerichts (BGH, Beschluss vom 27. Januar 1982 - IVb ZB 925/80 - MDR 1982,\n564; OVG Koblenz, Beschluss vom 27. Januar 1993 - 12 A 10776/91 -\nNVwZ-RR 1994, 123) oder der frühere Zeitpunkt der Entscheidungsreife des\nProzesskostenhilfeantrags (Kopp/Schenke, VwGO, 14. Auflage 2005, § 166\nRn. 14a m.w.N.) maßgeblich ist, kann hier offenbleiben (vgl. auch BVerfG,\nKammerbeschluss vom 14. Juni 2006 - 2 BvR 626/06 und 656/06 - NVwZ 2006,\n1156). Denn bereits zum früheren Zeitpunkt der Entscheidungsreife hatte die\nRevision des Klägers keine Erfolgsaussichten mehr. Die Entscheidungsreife tritt\nregelmäßig erst nach Vorlage der vollständigen Prozesskostenhilfeunterlagen\nsowie nach einer Anhörung der Gegenseite mit angemessener Frist zur Stellungnahme ein (vgl. Philippi, in: Zöller, ZPO, 26. Auflage, § 119 Rn. 44). Dieser\nZeitpunkt lag bei dem am 14. März 2007 beim Verwaltungsgerichtshof eingegangenen Prozesskostenhilfeantrag jedenfalls nach Verkündung des oben genannten Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 20. März 2007. Nach Verkündung des erwähnten Urteils hatte die Revision des Klägers hinsichtlich des\nWiderrufs seiner Flüchtlingsanerkennung aber keine Aussicht auf Erfolg. Soweit\nsich die Revision nicht nur gegen den Widerruf der Flüchtlingsanerkennung\nrichtete, sondern hilfsweise auch die Verpflichtung der Beklagten zur Feststellung von Abschiebungsverboten nach § 60 Abs. 2 bis 7 AufenthG zum Ziel hatte, war sie schon mangels einer darauf bezogenen Revisionsbegründung unzulässig (§ 139 Abs. 3, § 143 VwGO). Die im Schriftsatz des Bevollmächtigten des\nKlägers vom 13. März 2007 (Revisionseinlegung) enthaltene Bezugnahme auf\ndie dem Berufungsgericht vorgelegten Prozesskostenhilfeunterlagen reichten\nim Übrigen schon deshalb nicht aus, weil die nach dem damals vorgelegten\nBescheid vom 17. Januar 2007 bewilligten Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts bis 28. Februar 2007 befristet waren.\n\n2 2. Das Verfahren ist in der Hauptsache durch die übereinstimmenden Erledigungserklärungen der Beteiligten erledigt. Es ist daher in entsprechender Anwendung des § 92 Abs. 3 VwGO i.V.m. § 125 Abs. 1, § 141 VwGO einzustellen.\nDie Entscheidungen der Vorinstanzen sind wirkungslos (§ 173 VwGO i.V.m.\neiner entsprechenden Anwendung des § 269 Abs. 3 Satz 1 ZPO). Über die\nKosten des Verfahrens ist gemäß § 161 Abs. 2 VwGO unter Berücksichtigung\ndes bisherigen Sach- und Streitstandes nach billigem Ermessen zu entschei-\n\nden. Im Hinblick auf die oben dargestellten, fehlenden Erfolgsaussichten der\nRechtsverfolgung des Klägers entspricht es unter den Umständen des vorliegenden Falles billigem Ermessen, diesem die Verfahrenskosten in allen Instanzen aufzuerlegen.\n\n3 Gerichtskosten werden gemäß § 83b AsylVfG nicht erhoben. Der Gegenstandswert ergibt sich aus § 30 RVG. Hierzu weist der Senat darauf hin, dass\nder Gegenstandswert bei Klagen auf Zuerkennung und Aberkennung der\nFlüchtlingseigenschaft nach der neueren Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 3 000 € beträgt (vgl. Beschluss vom 21. Dezember 2006\n- BVerwG 1 C 29.03 - NVwZ 2007, 469).\n\nDr. Mallmann Prof. Dr. Dörig Richter","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2007-09-26/10-c-37-07","cited_norms":[{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 73","ref_norm":"73","n":2},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 83b","ref_norm":"83b","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 141","ref_norm":"141","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 143","ref_norm":"143","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 161","ref_norm":"161","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 166","ref_norm":"166","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 269","ref_norm":"269","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 30","ref_norm":"30","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 173","ref_norm":"173","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverwg/2007-09-26/10-c-37-07","retrieved":"2026-10-24 07:33:23.812267+00:00"},"card":{"id":"bverwg/2007-09-26/10-c-37-07","court":"BVerwG","court_id":"bverwg","court_as_stated":"Bundesverwaltungsgericht","panel":"10. 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