{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20091030_1bvr244209","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20091030.1bvr244209","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2009-10-30","aktenzeichen":"1 BvR 2442/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 2442/09 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn B...\n\ngegen a) den Beschluss des Landessozialgerichts Berlin-Brandenburg vom 12. Juni 2009 - L 10 AS 993/09 B ER -,\n\n      b) den Beschluss des Sozialgerichts Berlin vom 26. Mai 2009 - S 169 AS\n         9639/09 ER -\n\nund    Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 die Richterin Hohmann-Dennhardt\n                                 und die Richter Gaier,\n                                 Kirchhof\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 30. Oktober 2009 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird - unbeschadet des Antrags auf Wiedereinsetzung\nin den vorigen Stand - nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Sie hat unbeschadet des Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand keine hinreichende\nAussicht auf Erfolg.\n\n Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 103 Abs. 1 GG und Art. 3         2\nAbs. 1 GG rügt, ist die Verfassungsbeschwerde bereits mangels hinreichender Begründung unzulässig (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG).\n\n  Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 19 Abs. 4 GG rügt, ist die      3\nVerfassungsbeschwerde jedenfalls unbegründet. Es ist von Verfassungs wegen nicht\nzu beanstanden, wenn der Zugang zu Gericht davon abhängig gemacht wird, dass\nfür das Rechtsschutzbegehren ein Rechtsschutzbedürfnis besteht (vgl. BVerfGE 96,\n27 <39>; 104, 220 <232>). Wenn die Fachgerichte dabei auch berücksichtigen, ob\nsich der Rechtsschutzsuchende schon an die Verwaltung gewandt hat, und das\nRechtsschutzbedürfnis grundsätzlich verneinen, wenn dies unterblieben ist (vgl. dazu\nKeller, in: Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 9. Aufl. 2008, § 86b Rn. 26b; Kopp/\n\n\n                                         1/3\n\nSchenke, VwGO, 16. Aufl. 2009, § 123 Rn. 22 m.w.N.), stößt dies auf keine verfassungsrechtlichen Bedenken. Insofern gebietet Verfassungsrecht keine andere Handhabung des Zugangs zum fachgerichtlichen Rechtsschutz als für das Verfassungsbeschwerdeverfahren (vgl. insoweit BVerfGK 6, 276 <280>). Ob ausnahmsweise\neine Vorbefassung der zuständigen Behörde entbehrlich ist, haben zuvörderst die\nFachgerichte zu beurteilen. Deren Einschätzung ist vom Bundesverfassungsgericht\nnur darauf zu prüfen, ob dadurch der Zugang zu Gericht in unzumutbarer, aus Sachgründen nicht mehr zu rechtfertigender Weise erschwert wird (vgl. BVerfGE 77, 275\n<284>).\n\n  Die von den Fachgerichten angenommene Notwendigkeit, dass sich der Beschwerdeführer erneut an den Leistungsträger wendet, bevor er gerichtlichen Rechtsschutz\nin Anspruch nimmt, überspannt die sich aus Art. 19 Abs. 4 GG ergebenden Anforderungen auch nicht mit Blick auf den Umstand, dass die Behörde dem Beschwerdeführer in der Vergangenheit Leistungen nicht ohne weiteres gewährt hat. Dies gilt\nschon deshalb, weil es dem Beschwerdeführer möglich ist, den Fortzahlungsantrag\nso rechtzeitig zu stellen, dass er bei Untätigkeit der Behörde oder einer negativen\nEntscheidung in zulässiger Weise um gerichtlichen Rechtsschutz nachsuchen kann.\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                 6\n\n        Hohmann-Dennhardt               Gaier              Kirchhof\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n30. Oktober 2009 - 1 BvR 2442/09\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 30. Oktober 2009 - 1 BvR 2442/09 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20091030_1bvr244209.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20091030.1bvr244209\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/10/rk20091030_1bvr244209.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-10-30/1-bvr-2442-09","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/10/rk20091030_1bvr244209.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/10/rk20091030_1bvr244209.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Corpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (CE-BVerfG) von Seán Fobbe, https://doi.org/10.5281/zenodo.16932395, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0)."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-10-30/1-bvr-2442-09","upstream":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/10/rk20091030_1bvr244209.html","retrieved":"2026-07-10 10:59:02.626259+00:00"}}