{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20090923_1bvr168109","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090923.1bvr168109","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2009-09-23","aktenzeichen":"1 BvR 1681/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1681/09 -\n- 1 BVR 1742/09 –\n\n                                In den Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerden\n\n1.   des Mdj. K...\n     gesetzlich vertreten durch die Eltern K...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Nesselhauf,\n                   Alsterchaussee 40, 20149 Hamburg -\ngegen a) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 30. Juni 2009 - VI ZR 339/\n         08 -,\n\n      b) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 9. Juni 2009 - VI ZR 339/08\n         -,\n\n      c) das Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 4. November\n         2008 - 7 U 72/08 -,\n\n      d) das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 11. Juli 2008 - 324 O 1173/07\n         -\n\n- 1 BVR 1681/09 -,\n\n2.   der Mdj. K...\n     gesetzlich vertreten durch die Eltern K...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Nesselhauf,\n                   Alsterchaussee 40, 20149 Hamburg -\ngegen a) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 30. Juni 2009 - VI ZR 340/\n         08 -,\n\n      b) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 9. Juni 2009 - VI ZR 340/08\n         -,\n\n      c) das Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 4. November\n         2008 - 7 U 71/08 -,\n\n      d) das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 11. Juli 2008 - 324 O 1172/07\n         –\n\n- 1 BVR 1742/09 -\n\nhat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Präsidenten Papier\n\n\n                                          1/4\n\n                                  und die Richter Eichberger,\n                                  Masing\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 23. September 2009 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfahren werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden.\nDie Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerden sind nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die            1\nAnnahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Den Beschwerden kommt keine grundsätzliche Bedeutung zu, da die aufgeworfenen verfassungsrechtlichen Fragen in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts\nhinreichend geklärt sind (vgl. BVerfGE 34, 269 <285 f.>; 101, 361 <380 ff.>; BVerfGK\n3, 49 <52, 54>; 6, 144 <146 f.>; 9, 317 <321 f.>; BVerfG, Beschluss der 1. Kammer\ndes Ersten Senats vom 8. März 2000 - 1 BvR 1127/96 -, NJW 2000, S. 2187). Ihre\nAnnahme ist auch nicht zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten\nRechte der Beschwerdeführer angezeigt. Die Verfassungsbeschwerden bieten keine\nAussicht auf Erfolg.\n\n  Die Rechtsprechung der Zivilgerichte, wonach ein Anspruch auf Geldentschädigung       2\nwegen einer schweren Persönlichkeitsrechtsverletzung nur dann zuzubilligen ist,\nwenn die Beeinträchtigung nicht auf andere Weise befriedigend ausgeglichen werden kann, begegnet keinen verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. BVerfGE 34, 269\n<285 f.>; BVerfGK 3, 49 <52, 54>; 6, 144 <146 f.>; 9, 317 <321 f.>). Hiervon ausgehend legen die angegriffenen Entscheidungen nicht etwa die Einschätzung zugrunde, dass die in Frage stehenden Persönlichkeitsrechtsverletzungen geringfügig seien\noder sanktionslos hingenommen werden müssten. Sie tragen dem besonderen Gewicht der Persönlichkeitsverletzung im vorliegenden Fall vielmehr ausdrücklich Rechnung. Sie sehen dabei allerdings die Möglichkeit der Beschwerdeführer, die Zwangsvollstreckung aus den rechtskräftigen Unterlassungstiteln gegen die Beklagte zu\nbetreiben, unter den gegebenen Umständen als hinreichende anderweitige Ausgleichsmöglichkeit an. Dies ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Die dem\nzugrunde liegende Würdigung, dass die hier in Rede stehenden besonders hartnäckigen und ihrerseits persönlichkeitsrechtsverletzenden Zuwiderhandlungen gegen\ndie Unterlassungstitel in erster Linie wirksame Prävention verlangten, die durch Betreibung der Zwangsvollstreckung aus den Titeln bewirkt werden könne, lässt eine\nVerkennung der Ausstrahlungswirkung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts aus\nArt. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG und des hieraus folgenden verfassungsrechtlichen Schutzauftrags gerichtet an den Staat, den Einzelnen vor Persönlichkeitsgefährdungen durch Dritte zu schützen, nicht erkennen. Dasselbe gilt für die\nErwägung, dass die Verhängung empfindlicher Sanktionen im Zwangsvollstre-\n\n\n\n                                         2/4\n\nckungsverfahren, die § 890 Abs. 1 ZPO durchaus erlaube, im vorliegenden Zusammenhang auch geeignet sei, ein etwaiges weitergehendes Genugtuungsinteresse\nder Beschwerdeführer hinreichend zu befriedigen.\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                            4\n\n               Papier              Eichberger           Masing\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom\n23. September 2009 - 1 BvR 1681/09\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 23. September 2009 - 1 BvR 1681/09 - Rn. (1 - 4), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20090923_1bvr168109.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090923.1bvr168109\n\n\n\n\n                                     4/4\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/09/rk20090923_1bvr168109.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-09-23/1-bvr-1681-09","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 1","ref_norm":"1","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 890","ref_norm":"890","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/09/rk20090923_1bvr168109.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/09/rk20090923_1bvr168109.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Corpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (CE-BVerfG) von Seán Fobbe, https://doi.org/10.5281/zenodo.16932395, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0)."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-09-23/1-bvr-1681-09","upstream":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/09/rk20090923_1bvr168109.html","retrieved":"2026-07-10 10:58:52.759572+00:00"}}