{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090730.2bvr127409","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2009-07-30","aktenzeichen":"2 BvR 1274/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1274/09 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder X. Partei\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Jürgen Rieger,\n                    Auguste-Baur-Straße 22, 22587 Hamburg -\ngegen den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 8.\n      Mai 2009 - OVG 3 L 15.09 -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Vizepräsidenten Voßkuhle\n                                 und die Richter Mellinghoff,\n                                 Gerhardt\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 30. Juli 2009 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig. Sie genügt nicht dem in § 90 Abs. 2         1\nSatz 1 BVerfGG zum Ausdruck kommenden Grundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde.\n\n 1. Dieser Grundsatz gebietet, dass ein Beschwerdeführer über die Erschöpfung des      2\nRechtswegs im engeren Sinne hinaus alle nach Lage der Sache zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten ergreift, um die geltend gemachte Grundrechtsverletzung in dem unmittelbar mit ihr zusammenhängenden sachnächsten Verfahren\nzu verhindern oder zu beseitigen (vgl. BVerfGE 112, 50 <60>). Es ist geboten und einem Beschwerdeführer auch zumutbar, vor der Einlegung einer Verfassungsbeschwerde die Statthaftigkeit weiterer einfachrechtlicher Rechtsbehelfe sorgfältig zu\nprüfen und von ihnen Gebrauch zu machen, wenn sie nicht offensichtlich unzulässig\nsind (vgl. BVerfGE 68, 376 <381>).\n\n  2. Diesen Anforderungen ist die Beschwerdeführerin nicht gerecht geworden. Zwar      3\nist den fachgerichtlichen Entscheidungen nicht zu entnehmen, dass sie sich ausreichend mit der Frage beschäftigt hätten, ob der im Raum stehende Kostenerstattungsanspruch der Beigeladenen entgegen Art. 19 Abs. 4 GG den Zugang zu den\nGerichten für die Beschwerdeführerin unzumutbar erschweren (vgl. BVerfGE 85, 337\n<347>) und wie dem verfahrensrechtlich entgegenzuwirken sein könnte. Die Be-\n\n\n                                         1/4\n\nschwerdeführerin hat aber noch nicht alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten\nergriffen, um einer möglichen Verletzung ihrer Grundrechte auf fachgerichtlichem\nWege vorzubeugen.\n\n  a) Soweit sie rügt, die Beigeladene zu 13. sei gegen ihren Willen zu Unrecht beigeladen worden, hat sie gegen die gemäß § 162 Abs. 3 VwGO ergangene Kostengrundentscheidung des Verwaltungsgerichts vorzugehen. Ist ein Dritter zu Unrecht\nbeigeladen worden, entspricht es in der Regel der Billigkeit, seine außergerichtlichen\nKosten der Staatskasse aufzuerlegen (vgl. Kopp/Schenke, VwGO, 15. Aufl. 2007,\n§ 162 Rn. 23 m.w.N.). Die Kostengrundentscheidung ist zwar gemäß § 158 VwGO\nnicht isoliert, jedoch zusammen mit der Hauptsache anfechtbar. Das Berufungszulassungsverfahren ist nach dem Vorbringen der Beschwerdeführerin noch anhängig.\n\n  b) Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, das geringere wirtschaftliche Interesse der Beigeladenen zu 13. sei zu berücksichtigen, kann sie im nach ihren Ausführungen ebenfalls noch anhängigen Erinnerungsverfahren gegen den Kostenfestsetzungsbeschluss geltend machen, dass der Erstattungsanspruch nur nach dem\nwirtschaftlichen Interesse der Beigeladenen zu 13. zu bemessen ist. Unterliegt ein\nKläger in einem verwaltungsgerichtlichen Klageverfahren mit einer Mehrzahl von Beigeladenen, für deren außergerichtliche Kosten eine Erstattungspflicht des Klägers\ngemäß § 162 Abs. 3 VwGO in Betracht kommt, haben die Gerichte verschiedene\nMöglichkeiten, ein geringeres wirtschaftliches Interesse der Beigeladenen zur Begrenzung der Kostenlast des Klägers zu berücksichtigen. Unter anderem wird erwogen, unabhängig von einer selbständigen Gegenstandswertfestsetzung im Sinne von\n§ 33 Abs. 1 RVG den Erstattungsanspruch im Kostenfestsetzungsverfahren nach\ndem - notfalls pauschal zu schätzenden - Anteil der Beteiligung Beigeladener am\nStreitgegenstand zu bemessen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 4. Oktober 1971 - VIII\nC 6/69 -, MDR 1973, S. 161; OVG Hamburg, Beschluss vom 23. August 1994 - Bs II\n30/94 -, juris; Kopp/Schenke, VwGO, 15. Aufl. 2007, § 162 Rn. 25; Olbertz, in:\nSchoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, VwGO, § 162 Rn. 100 <Okt. 2008>).\n\n  c) Im noch nicht abgeschlossenen Kostenfestsetzungsverfahren kann die Beschwerdeführerin auch die von den Fachgerichten bislang ausdrücklich offen gelassene Frage klären lassen, ob der als Liquidator der Beigeladenen zu 13. tätige\nRechtsanwalt gemäß § 1 Abs. 2 RVG überhaupt Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz in Rechnung stellen kann. Ist dies nach Auffassung der Fachgerichte nicht möglich, droht nach dem Vorbringen der Beschwerdeführerin keine\nkonkrete Belastung mit außergerichtlichen Kosten Beigeladener, durch welche sie in\nihren Grundrechten oder grundrechtsgleichen Rechten verletzt sein könnte. Insbesondere ist im hier noch anhängigen Berufungszulassungsverfahren eine Auferlegung außergerichtlicher Kosten Beigeladener regelmäßig nicht zu erwarten (vgl.\nBayVGH, Beschluss vom 11. Oktober 2001 - 8 ZB 01.1789 -, NVwZ-RR 2002, S. 786;\nBeschluss vom 12. September 2005 - 1 ZB 05.42 -, NVwZ-RR 2006, S. 430 <432>).\n\n 3. Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgese-          7\n\n\n\n                                          2/4\n\nhen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                       8\n\n             Voßkuhle              Mellinghoff   Gerhardt\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n30. Juli 2009 - 2 BvR 1274/09\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Juli 2009 - 2 BvR 1274/09 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20090730_2bvr127409.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090730.2bvr127409\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-07-30/2-bvr-1274-09","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 162","ref_norm":"162","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 158","ref_norm":"158","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 33","ref_norm":"33","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-07-30/2-bvr-1274-09","retrieved":"2026-07-10 10:58:40.413133+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2009-07-30/2-bvr-1274-09","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2009-07-30","dockets":["2 BvR 1274/09"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090730.2bvr127409","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090730.2bvr127409"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 30.07.2009 – 2 BvR 1274/09","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-07-30/2-bvr-1274-09","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"VwGO/162","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"162","label":"§ 162 VwGO","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/19","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"19","label":"Art 19 GG","mentions":1},{"id":"VwGO/158","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"158","label":"§ 158 VwGO","mentions":1},{"id":"RVG/1","law":"RVG","abbreviation":"RVG","ref":"1","label":"§ 1 RVG","mentions":1},{"id":"RVG/33","law":"RVG","abbreviation":"RVG","ref":"33","label":"§ 33 RVG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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