{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090625.1bvr100307","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2009-06-25","aktenzeichen":"1 BvR 1003/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1003/07 -\n\n                                  In dem Verfahren\n                                        über\n                            die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn K...,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Schulte, Zurheide,\n                   Niederwall 53, 33602 Bielefeld -\ngegen a) den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Februar 2007 -\n         BVerwG 7 B 8.07 -,\n\n       b) das Urteil des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 9. November 2006 - 20 A 2136/05 -,\n\n       c) das Urteil des Verwaltungsgerichts Minden vom 9. Mai 2005 - 8 K 396/05\n          -,\n\n       d) die Duldungsverfügung des Kreises Gütersloh vom 17. Februar 2005 -\n          4.4.1.1.02-kö -\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                   den Präsidenten Papier\n                                   und die Richter Bryde,\n                                   Schluckebier\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 25. Juni 2009 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                       Gründe:\n\n                                           I.\n  Der Beschwerdeführer wandte sich im Ausgangsverfahren gegen eine Verfügung               1\nder zuständigen Wasserbehörde, die ihn gemäß § 128 Abs. 1 des Wassergesetzes\nfür das Land Nordrhein-Westfalen (LWG) verpflichtete, das Durchleiten von Wasser\ndurch eine bestehende unterirdische Leitung vom Wasserwerk Quenhorn zu den\nStadtwerken Gütersloh inklusive der dazugehörigen Strom- und Steuerkabel und die\nUnterhaltung der Leitung auf seinem Grundstück zu dulden. Seine Anfechtungsklage\nwies das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 9. Mai 2005 ab (veröffentlicht in juris), die\nvom Oberverwaltungsgericht gemäß § 124 Abs. 2 Nr. 2 VwGO zugelassene Berufung wurde mit Urteil vom 9. November 2006 (veröffentlicht in juris) zurückgewiesen.\n§ 128 LWG sei auch auf Leitungen, die der Versorgung mit Trinkwasser dienten, an-\n\n\n                                           1/4\n\nwendbar. Der Begriff „Durchleiten“ schließe die für das Durchleiten im eigentlichen\nSinne funktional notwendigen technischen und baulichen Einrichtungen ein, hier also\nauch das Strom- und das Steuerkabel. Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung\nder Revision wurde mit Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Februar\n2007 (veröffentlicht in NVwZ 2007, S. 707) zurückgewiesen.\n\n Mit seiner Verfassungsbeschwerde rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seiner Rechte aus Art. 14 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3 und Art. 2 Abs. 1 GG. Hinsichtlich der\ndurch den Schutzstreifen in Anspruch genommenen Fläche liege ein Eigentumsentzug vor, der nur im Wege einer Enteignung hätte erfolgen dürfen. Zudem seien die\nVoraussetzungen des § 128 LWG nicht erfüllt. Trinkwasserleitungen unterfielen dieser Vorschrift nicht. Dies gelte erst recht für das Strom- und das Steuerkabel. Es liege\ndaher ein Eingriff ohne Rechtsgrundlage und damit eine Verletzung von Art. 14 Abs.\n1 GG vor.\n\n                                           II.\n Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>)\nnicht vorliegen.\n\n  Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche               4\nBedeutung zu (vgl. § 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG). Die Annahme der Verfassungsbeschwerde ist auch nicht zur Durchsetzung der als verletzt bezeichneten\nGrundrechte des Beschwerdeführers angezeigt (vgl. § 93a Abs. 2 Buchstabe b\nBVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg. Eine Verletzung des Beschwerdeführers in seinem Grundrecht aus Art. 14 Abs. 1 GG ist nicht\nfestzustellen.\n\n 1. Die Verfassungsbeschwerde gibt keinen Anlass zu einer verfassungsrechtlichen           5\nÜberprüfung des § 128 LWG. Denn der Beschwerdeführer hat die den Ausgangsentscheidungen zugrunde liegende Auffassung, § 128 LWG stelle eine verfassungsgemäße Inhalts- und Schrankenbestimmung gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG dar, nicht\nsubstantiiert (vgl. § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG) in Zweifel gezogen.\n\n  2. Die Auslegung und die Anwendung des § 128 LWG durch die Verwaltungsgerichte sind ausgehend hiervon verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.\n\n  Die Auslegung des einfachen Rechts und seine Anwendung auf den Einzelfall sind           7\ngrundsätzlich allein Sache der dafür zuständigen Gerichte und einer Nachprüfung\ndurch das Bundesverfassungsgericht entzogen (vgl. BVerfGE 18, 85 <92 f.>; 42, 64\n<74>). Die Schwelle eines Verfassungsverstoßes, den das Bundesverfassungsgericht zu korrigieren hat, ist erst erreicht, wenn die Entscheidungen der Gerichte Auslegungsfehler erkennen lassen, die auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung\nvon der Bedeutung des Eigentumsgrundrechts, insbesondere vom Umfang seines\nSchutzbereichs, beruhen und auch in ihrer materiellen Bedeutung für den konkreten\nFall von einigem Gewicht sind (vgl. BVerfGE 18, 85 <92 f.>; 79, 292 <303>; stRspr).\n\n\n                                           2/4\n\nDerartige Auslegungsfehler sind hier nicht festzustellen. Dies gilt insbesondere mit\nBlick auf die Rechtsauffassung des Verwaltungsgerichts und des Oberverwaltungsgerichts, § 128 Abs. 1 LWG erfasse neben der Wasserleitung auch das Strom- und\ndas Steuerkabel. Dass die gesetzlich auferlegte Eigentumsbeschränkung hierdurch\nunverhältnismäßig verstärkt oder die in der gesetzlichen Regelung zum Ausdruck\nkommende Interessenbewertung des Gesetzgebers verfehlt würde, ist nicht ersichtlich.\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG                   8\nabgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                  9\n\n                Papier                  Bryde            Schluckebier\n\n\n\n\n                                         3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n25. Juni 2009 - 1 BvR 1003/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 25. Juni 2009 - 1 BvR 1003/07 - Rn. (1 - 9), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20090625_1bvr100307.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090625.1bvr100307\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-06-25/1-bvr-1003-07","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":4},{"jurabk":"GG","ref":"Art 14","ref_norm":"14","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-06-25/1-bvr-1003-07","retrieved":"2026-07-10 10:58:31.783650+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2009-06-25/1-bvr-1003-07","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2009-06-25","dockets":["1 BvR 1003/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090625.1bvr100307","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090625.1bvr100307"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 25.06.2009 – 1 BvR 1003/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-06-25/1-bvr-1003-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":4},{"id":"GG/14","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"14","label":"Art 14 GG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/2","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"2","label":"Art 2 GG","mentions":1},{"id":"VwGO/124","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"124","label":"§ 124 VwGO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-07-10T10:58:31.783650+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}