{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20090317_1bvr043209","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090317.1bvr043209","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2009-03-17","aktenzeichen":"1 BvR 432/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 432/09 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\n\n1.     der Frau W...,\n\n2.     des Herrn S...,\n\n3.     der Frau S...,\n\n       der Mdj. S...,\n4.\n       gesetzlich vertreten durch ihre Eltern,\n\n       der Mdj. S...,\n5.\n       gesetzlich vertreten durch ihre Eltern,\n\n       der Mdj. S...,\n6.\n       gesetzlich vertreten durch ihre Eltern,\n\n       des Mdj. S...,\n7.\n       gesetzlich vertreten durch seine Eltern,\n\n8.     der Frau D...,\n\n9.     des Herrn D...,\n\n10.    des Herrn V...,\n\n11.    der Frau L...,\n\n       der Mdj. V...,\n12.\n       gesetzlich vertreten durch ihre Eltern,\n\n       des Mdj. V...,\n13.\n       gesetzlich vertreten durch seine Eltern,\n\n14.    des Herrn H...,\n\n15.    der Frau S...,\n\n16.    des Herrn W...,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Philipp-Gerlach, Teßmer,\n                   Niddastraße 74, 60329 Frankfurt -\n1. unmittelbar gegen\n\na) den Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 12. Februar 2009\n   - 11 B 501/08.T.R -,\n\n\n\n                                          1/5\n\nb) den Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 27. Januar 2009 -\n   11 C 500/08.T -,\n\nc) den Beschluss des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 15. Januar 2009 -\n   11 B 501/08.T -,\n\n2. mittelbar gegen\n   § 93a Verwaltungsgerichtsordnung in der Fassung des Art. 1 Nr. 17 des Sechsten Gesetzes zur Änderung der Verwaltungsgerichtsordnung und anderer Gesetze (6. VwGOÄndG) vom 1. November 1996 (BGBl I S. 1626)\n\nund    Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Präsidenten Papier\n                                  und die Richter Bryde,\n                                  Schluckebier\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 17. März 2009 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDamit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.\n\n                                      Gründe:\n  Die Verfassungsbeschwerde, die Entscheidungen in verwaltungsgerichtlichen Verfahren, die den Planfeststellungsbeschluss des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung vom 18. Dezember 2007 bezüglich des Ausbaus des Flughafens Frankfurt am Main zum Gegenstand haben, sowie mittelbar\n§ 93a VwGO betrifft, ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen hierfür nach § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>).\nSie ist unzulässig.\n\n  Die Unzulässigkeit der gegen den Eilbeschluss vom 15. Januar 2009, den Anhörungsrügebeschluss vom 12. Februar 2009 sowie gegen den Aussetzungsbeschluss\nnach § 93a Abs. 1 VwGO vom 27. Januar 2009 gerichteten Verfassungsbeschwerde\nfolgt daraus, dass sie insoweit keine den Vorgaben aus § 23 Abs. 1 Satz 2 und § 92\nBVerfGG genügende Begründung einer Grundrechtsverletzung enthält.\n\n Soweit sich die Verfassungsbeschwerde im Übrigen mittelbar gegen § 93a VwGO            3\nwendet und geltend macht, die Vorschrift verletze Art. 19 Abs. 4 und Art. 103 Abs. 1\nGG, weil sie das rechtliche Gehör der Beschwerdeführer beeinträchtige, da ihr\nHauptsacheverfahren nicht als Musterverfahren ausgewählt worden sei, steht ihr der\nGrundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde entgegen.\n\n\n\n                                         2/5\n\n  Dieser verpflichtet einen Beschwerdeführer dazu, vor der Anrufung des Bundesverfassungsgerichts grundsätzlich zunächst die Fachgerichte mit seinem Anliegen zu\nbefassen (vgl. BVerfGE 69, 122 <125>; 79, 1 <19 f.>). Von einer Beschreitung des\nRechtswegs kann insbesondere dann nicht abgesehen werden, wenn eine vorherige\nKlärung der tatsächlichen und einfachrechtlichen Fragen durch die allgemein zuständigen Gerichte notwendig ist. Die mit der Anrufung der Fachgerichte verbundene umfassende gerichtliche Vorprüfung soll bewirken, dass dem Bundesverfassungsgericht\nein regelmäßig in mehreren Instanzen geprüftes Tatsachenmaterial unterbreitet und\nihm die Fallanschauung und Rechtsauffassung der Fachgerichte vermittelt wird, insbesondere wenn das Gesetz einen Auslegungs- und Entscheidungsspielraum offen\nhält (vgl. BVerfGE 69, 122 <125>). Damit soll erreicht werden, dass das Bundesverfassungsgericht nicht auf ungesicherter Tatsachen- und Rechtsgrundlage weitreichende Entscheidungen trifft (vgl. BVerfGE 79, 1 <20>).\n\n Dementsprechend sind die Beschwerdeführer vorliegend zunächst auf den Abschluss ihrer Nachverfahren gemäß § 93a Abs. 2 VwGO zu verweisen. Denn erst in\nderen Verlauf wird sich zeigen, ob ihr Anspruch auf rechtliches Gehör aus Art. 103\nAbs. 1 GG verletzt werden wird.\n\n  Die Bestimmungen über die Durchführung des Nachverfahrens, wie insbesondere         6\nüber die Erforderlichkeit einer mündlichen Verhandlung und die Beweiserhebung,\nlassen den Verwaltungsgerichten einen Spielraum, um der genannten Verfahrensgarantie gerecht zu werden (vgl. Rudisile, in: Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, Vw-GO, § 93a Rn. 24 ff. <Januar 2000>; Kopp/Schenke, VwGO, 15. Aufl. 2007, § 93a\nRn. 8 ff.). Von einer rechtlichen Bindung des Gerichts im Nachverfahren an die Ergebnisse des Musterverfahrens - welche die Beschwerdeführer befürchten - geht weder die Gesetzesbegründung noch das Bundesverwaltungsgericht aus (vgl. BT-Drucks 11/7030, S. 28 f.; BVerwG, Beschluss vom 7. Mai 2008 - BVerwG 4 A\n1009.07 u.a. -, juris; Teilbeschluss vom 1. November 2007 - BVerwG 4 A 1009.07\nu.a. -, juris; Beschluss vom 18. April 2007 - BVerwG 4 A 1003.07 u.a. -, juris; Beschluss vom 19. Dezember 2006 - BVerwG 4 A 1053.06 u.a. -, juris; ebenso: Rudisile, in: Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietzner, VwGO, § 93a Rn. 23 <Januar 2000>;\nKopp/Schenke, VwGO, 15. Aufl. 2007, § 93a Rn. 10; a.A. Schmid, in: Sodan/Ziekow,\nVwGO, 2. Aufl. 2006, § 93a Rn. 12). Sollte der Verwaltungsgerichtshof im Nachverfahren Art. 103 Abs. 1 GG verletzen, steht den Beschwerdeführern nach § 93a Abs. 2\nSatz 5 in Verbindung mit § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO der Rechtsweg zum Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 31. März 2008 - BVerwG 9 B\n55.07 -, juris).\n\n  Abgesehen davon ergibt sich auch aus den bisherigen Äußerungen des Verwaltungsgerichtshofs nichts, woraus schon jetzt zu schließen wäre, dass im Nachverfahren der Anspruch der Beschwerdeführer auf Gewährung rechtlichen Gehörs aus\nArt. 103 Abs. 1 GG verletzt werde. Vielmehr hat der Verwaltungsgerichtshof im hier\nangegriffenen Aussetzungsbeschluss vom 27. Januar 2009 die Beschwerdeführer\ndarauf hingewiesen, dass er prüfen werde, ob vor einer Entscheidung über ihre Klage\n\n\n                                        3/5\n\neine mündliche Verhandlung durchzuführen sei (vgl. S. 6 der Entscheidung).\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG         8\nabgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                        9\n\n               Papier                   Bryde           Schluckebier\n\n\n\n\n                                         4/5\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n17. März 2009 - 1 BvR 432/09\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n                17. März 2009 - 1 BvR 432/09 - Rn. (1 - 9), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20090317_1bvr043209.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2009:rk20090317.1bvr043209\n\n\n\n\n                                        5/5\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/03/rk20090317_1bvr043209.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-03-17/1-bvr-432-09","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":4},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/03/rk20090317_1bvr043209.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/03/rk20090317_1bvr043209.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Corpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (CE-BVerfG) von Seán Fobbe, https://doi.org/10.5281/zenodo.16932395, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0)."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-03-17/1-bvr-432-09","upstream":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2009/03/rk20090317_1bvr043209.html","retrieved":"2026-07-10 10:58:10.806726+00:00"}}