{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:qk20090731.2bvq004509","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2009-07-31","aktenzeichen":"2 BvQ 45/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVQ 45/09 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                 über den Antrag\n\nim Wege der einstweiligen Anordnung dem Bundeswahlausschuss aufzugeben, die\nAntragstellerin gemäß § 18 Abs. 4 BWahlG für die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009 als Partei anzuerkennen\n\nAntragstellerin: X. Partei\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Joachim Storch,\n                    Residenzstraße 123, 13409 Berlin -\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Vizepräsidenten Voßkuhle\n                                 und die Richter Di Fabio,\n                                 Mellinghoff\n\ngemäß § 32 Abs. 1 in Verbindung mit § 93d Abs. 2 BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 31. Juli 2009 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDer Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.\n\n                                     Gründe:\n Der Antrag ist unzulässig.                                                           1\n\n 1. Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr\nschwerer Nachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl\ndringend geboten ist. Eine einstweilige Anordnung darf nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts allerdings dann nicht ergehen, wenn sich\ndas in der Hauptsache verfolgte Begehren von vornherein als unzulässig oder offensichtlich unbegründet erweist (vgl. BVerfGE 103, 41 <42>; 111, 147 <152 f.>;\nstRspr).\n\n  2. Danach kann eine einstweilige Anordnung nicht ergehen. Die Antragstellerin       3\nwendet sich gegen den Beschluss des Bundeswahlausschusses vom 17. Juli 2009,\nsie nicht gemäß § 18 Abs. 4 Nr. 2 BWahlG für die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag am 27. September 2009 als Partei anzuerkennen.\n\n  a) Eine noch zu erhebende Verfassungsbeschwerde wäre von vornherein unzulässig. In Wahlrechtsangelegenheiten gilt der durch § 49 BWahlG in verfassungskonformer Weise (vgl. BVerfGE 14, 154 <155>; 16, 128 <129 f.>; 29, 18 <19>) konkretisierte Grundsatz, dass Entscheidungen und Maßnahmen, die sich unmittelbar auf das\nWahlverfahren beziehen, nur mit den in den Wahlvorschriften vorgesehenen Rechts-\n\n\n                                        1/3\n\nbehelfen und im Wahlprüfungsverfahren angefochten werden können (vgl. BVerfGE\n74, 96 <101>; 83, 156 <158>). Zu diesen Entscheidungen gehören auch solche des\nBundeswahlausschusses über die Anerkennung als Partei im Rahmen des Verfahrens nach § 18 Abs. 2 bis 4 BWahlG, weil damit - für die anderen Wahlorgane bindend - über das Recht der betreffenden Vereinigung zur Einreichung von Landeslisten entschieden wird (§§ 17 bis 29 BWahlG) (vgl. BVerfGE 74, 96 <101>; 83, 156 ff.;\nBVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 28. November 1990 - 2 BvQ 18/90 -, juris; Schreiber, BWahlG, 8. Aufl. 2009, § 49 Rn. 7).\n\n  b) In einem Organstreitverfahren wäre der Antrag - die Parteifähigkeit der Antragstellerin im Organstreit unterstellt - ebenfalls von vornherein unzulässig. Dabei bedarf\nes keiner Entscheidung, ob der in Wahlrechtsangelegenheiten anerkannte Satz, dass\nEntscheidungen und Maßnahmen, die sich unmittelbar auf das Wahlverfahren beziehen, nur mit den in den Wahlvorschriften vorgesehenen Rechtsbehelfen und im\nWahlprüfungsverfahren angefochten werden können, auch für Organklagen gilt (offen gelassen in BVerfGE 83, 156 <157>). Die Unzulässigkeit folgt daraus, dass der\nBundeswahlleiter und der von ihm berufene Bundeswahlausschuss nach §§ 8 ff.\nBWahlG und nach der Bundeswahlordnung als in ihrer Tätigkeit unabhängige Organe gebildet sind (vgl. BVerfGE 83, 156 <157>; Schreiber, BWahlG, 8. Aufl. 2009, § 8\nRn. 6). Sie sind weder Teile eines obersten Bundesorgans noch andere Beteiligte im\nSinne von Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG, die durch das Grundgesetz oder in der Geschäftsordnung eines obersten Bundesorgans mit eigenen Rechten ausgestattet sind.\n\n c) Ist nach dem Willen des Verfassungsgebers und nach der Konzeption des                  6\nRechtsschutzes im Wahlverfahren der Rechtsschutz erst nach der Durchführung einer Wahl zu erlangen, so steht dies auch einer in das einstweilige Anordnungsverfahren vorverlegten Wahlprüfungsbeschwerde, die sich gegen Entscheidungen und\nMaßnahmen im Wahlverfahren richtet, entgegen (vgl. BVerfG, Beschluss der\n2. Kammer des Zweiten Senats vom 13. September 2005 - 2 BvQ 31/05 -, NJW\n2005, S. 2982).\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                      7\n\n               Voßkuhle                Di Fabio              Mellinghoff\n\n\n\n\n                                           2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n31. Juli 2009 - 2 BvQ 45/09\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 31. Juli 2009 - 2 BvQ 45/09 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                qk20090731_2bvq004509.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2009:qk20090731.2bvq004509\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-07-31/2-bvq-45-09","cited_norms":[{"jurabk":"BWahlG","ref":"§ 18","ref_norm":"18","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"BWahlG","ref":"§ 8","ref_norm":"8","n":1},{"jurabk":"BWahlG","ref":"§ 17","ref_norm":"17","n":1},{"jurabk":"BWahlG","ref":"§ 49","ref_norm":"49","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 93","ref_norm":"93","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-07-31/2-bvq-45-09","retrieved":"2026-07-10 10:58:40.989107+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2009-07-31/2-bvq-45-09","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2009-07-31","dockets":["2 BvQ 45/09"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:qk20090731.2bvq004509","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2009:qk20090731.2bvq004509"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 31.07.2009 – 2 BvQ 45/09","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2009-07-31/2-bvq-45-09","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BWahlG/18","law":"BWahlG","abbreviation":"BWahlG","ref":"18","label":"§ 18 BWahlG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/32","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"32","label":"§ 32 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"BWahlG/8","law":"BWahlG","abbreviation":"BWahlG","ref":"8","label":"§ 8 BWahlG","mentions":1},{"id":"BWahlG/17","law":"BWahlG","abbreviation":"BWahlG","ref":"17","label":"§ 17 BWahlG","mentions":1},{"id":"BWahlG/49","law":"BWahlG","abbreviation":"BWahlG","ref":"49","label":"§ 49 BWahlG","mentions":1},{"id":"GG/93","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"93","label":"Art 93 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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