{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20080523_2bvr108107","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080523.2bvr108107","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2008-05-23","aktenzeichen":"2 BvR 1081/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1081/07 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn H…\n\n- Bevollmächtigte:\nRechtsanwalt Wolfgang Reuter und Rechtsanwalt Torsten Winkler in\nSozietät Zdrzalek, Reuter und Kollegen,\nKonstantinstraße 387, 41238 Mönchengladbach -\nI. unmittelbar gegen\n\na) das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Januar 2007 - BVerwG 2 C\n   28/05 -,\n\nb) das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz vom 10. Juni 2005 - 2\n   A 10187/05.OVG -,\n\nc) das Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz vom 25. November 2004 - 6 K\n   1708/04.KO -,\n\nd) den Widerspruchsbescheid des Polizeipräsidiums Koblenz vom 5. April 2004,\n\ne) die Verfügung des Polizeipräsidiums Koblenz vom 28. November 2003 - PV\n   3-03114-1-010/1945 -,\n\nII. mittelbar gegen\n§ 208 Landesbeamtengesetz Rheinland-Pfalz in der Fassung des Art. 1 Nr. 1 des\nLandesgesetzes zur Sicherung der Leistungsfähigkeit der Kommunalen Gebietskörperschaften und über Maßnahmen zur Entlastung des Landeshaushaltes vom 10.\nApril 2003\n\nhat die 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                die Richter Broß,\n                                Di Fabio\n                                und Landau\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 23. Mai 2008 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Heraufsetzung des Pensionsalters      1\n\n\n                                        1/9\n\nfür Polizeibeamte in Rheinland-Pfalz.\n\n                                          I.\n  1. In Rheinland-Pfalz traten Polizeibeamte früher gemäß § 208 Landesbeamtengesetz Rheinland-Pfalz (im Folgenden: LBG) a.F. mit Vollendung des 60. Lebensjahres\nin den Ruhestand. Diese Altersgrenze wurde durch das Landesgesetz zur Sicherung\nder Leistungsfähigkeit der kommunalen Gebietskörperschaften und über Maßnahmen zur Entlastung des Landeshaushalts vom 10. April 2003 (GVBl S. 55) abgeändert. § 208 LBG n. F., der am 1. Januar 2004 in Kraft trat, sieht eine Altersgrenze von\n60 Jahren nur noch für Polizeibeamte vor, die mindestens 25 Jahre lang in bestimmten Sonderfunktionen eingesetzt waren. Für alle anderen Polizeibeamten wurde die\nAltersgrenze je nach Laufbahngruppe und Geburtsjahrgang heraufgesetzt. § 208\nLBG n.F. lautet auszugsweise wie folgt:\n\n                                        § 208                                              3\n\n                              Besondere Altersgrenzen                                      4\n\n(1) 1 Für Polizeibeamte bildet das vollendete 60. Lebensjahr die Altersgrenze, wenn        5\nsie mindestens 25 Jahre in Funktionen des Wechselschichtdienstes, im Mobilen\nEinsatzkommando, im Spezialeinsatzkommando oder in der Polizeihubschrauberstaffel eingesetzt waren. […] 4 Im Übrigen bildet abweichend von § 54 Abs. 1 Satz 1\nfür Polizeibeamte in Ämtern des mittleren Polizeidienstes das vollendete 62. Lebensjahr und für Polizeibeamte in Ämtern des gehobenen Polizeidienstes das vollendete 63. Lebensjahr die Altersgrenze.\n\n[…]                                                                                        6\n\n(3) Abweichend von Absatz 1 Satz 4 bildet die Altersgrenze:                                7\n\n1. für Polizeibeamte in Ämtern des mittleren und des gehobenen Polizeidienstes,            8\ndie im Jahr 1944 geboren sind, das vollendete 61. Lebensjahr und\n\n2. für Polizeibeamte in Ämtern des gehobenen Polizeidienstes, die im Jahr 1945 geboren sind, das vollendete 62. Lebensjahr.\n\n[…]                                                                                       10\n\n(4) Abweichend von § 54 Abs. 1 Satz 1 bildet die Altersgrenze für Polizeibeamte in        11\nÄmtern des höheren Polizeidienstes, die im Jahr\n\n1. 1944 geboren sind, das vollendete 61. Lebensjahr,                                      12\n\n2. 1945 geboren sind, das vollendete 62. Lebensjahr,                                      13\n\n3. 1946 geboren sind, das vollendete 63. Lebensjahr,                                      14\n\n4. 1947 geboren sind, das vollendete 64. Lebensjahr.                                      15\n\n[…]                                                                                       16\n\n\n\n                                          2/9\n\n Die allgemeine Altersgrenze für Beamte bildet gemäß § 54 Abs. 1 Satz 1 LBG das       17\nvollendete 65. Lebensjahr.\n\n  2. Der Beschwerdeführer ist im Jahr 1945 geboren. Er war zuletzt Kriminalhauptkommissar im gehobenen Polizeidienst des Landes Rheinland-Pfalz. Das Polizeipräsidium Koblenz setzte mit Bescheid vom 28. November 2003 die Altersgrenze für den\nEintritt in den Ruhestand für den Beschwerdeführer auf das 62. Lebensjahr fest.\nNach erfolglosem Widerspruchsverfahren erhob der Beschwerdeführer Klage mit\ndem Antrag, unter Aufhebung des Bescheids vom 28. November 2003 in Gestalt des\nWiderspruchsbescheids vom 5. April 2004 das Polizeipräsidium zu verpflichten, die\nAltersgrenze für ihn auf das vollendete 60. Lebensjahr festzusetzen. Das Verwaltungsgericht wies die Klage mit Urteil vom 25. November 2004 ab. Die Berufung wurde durch das Oberverwaltungsgericht mit Urteil vom 10. Juni 2005 zurückgewiesen.\nDas Bundesverwaltungsgericht wies die Revision mit Urteil vom 25. Januar 2007 zurück. Zur Begründung führte das Bundesverwaltungsgericht u.a. aus, § 208 LBG stehe im Einklang mit § 25 Abs. 1 Satz 3 BRRG, der eine gesetzliche Bestimmung besonderer Altersgrenzen für einzelne Beamtengruppen erlaube. § 208 LBG stimme\nauch mit dem Grundgesetz überein. Die Vorschrift verstoße weder gegen die Fürsorgepflicht des Dienstherrn noch sei sie unverhältnismäßig. Auch der allgemeine\nGleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 GG sei nicht verletzt. Die Erwägungen des Gesetzgebers dazu, in welchen Funktionen die Polizeibeamten besonderen Belastungen\nausgesetzt seien, die unterschiedliche Altersgrenzen rechtfertigten, seien sachlich\ngerechtfertigt. Auch die Differenzierung nach Laufbahngruppen sei gerechtfertigt,\nwenn bei typisierender Betrachtung die Dienstaufgaben im mittleren Dienst physisch\nund psychisch anstrengender seien als im gehobenen Dienst. Dem Grundsatz des\nVertrauensschutzes werde durch die Übergangsregelungen in § 208 Abs. 3 und 4\nLBG hinreichend Rechnung getragen.\n\n Der Beschwerdeführer ist im März 2007 mit Vollendung des 62. Lebensjahres in         19\nden Ruhestand getreten.\n\n                                        II.\n Mit der fristgerecht erhobenen Verfassungsbeschwerde rügt der Beschwerdeführer       20\neine Verletzung von Art. 3 Abs. 1 GG.\n\n  Ein zulässiges Differenzierungsziel des Gesetzes sei nicht erkennbar, da es der     21\nEntlastung des Landeshaushalts dienen solle. Fiskalische Gründe allein könnten\naber im Bereich des Beamtenrechts die Differenzierung nach Beamtengruppen nicht\nlegitimieren. Untersuchungen oder gesicherte Erfahrungen des Gesetzgebers dazu,\ndass eine Haushaltskonsolidierung durch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit erreicht werden könne, gebe es nicht. Der Gesetzgeber habe nicht anhand von Untersuchungen oder gesicherten Erfahrungswerten dargelegt, warum die bis Ende 2003\ngeltende generalisierende Vermutung, dass die Leistungsfähigkeit von Polizeibeamten ab dem vollendeten 60. Lebensjahr nicht mehr gegeben sei, nicht mehr richtig\nsei.\n\n\n                                        3/9\n\n Die personenbezogene Ungleichbehandlung der Polizeibeamten nach Tätigkeitsbereich, Laufbahngruppe und Geburtsjahrgang sei keine zulässige Typisierung und\nnicht gerechtfertigt. Bei der Festlegung der Altersgrenze sei das Grundrecht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit aus Art. 2 Abs. 2 GG betroffen, das im Rahmen der durch Art. 33 Abs. 5 GG gewährleisteten Fürsorgepflicht seitens des Gesetzgebers zu beachten sei. Es sei daher im Rahmen des Art. 3 Abs. 1 GG ein\nstrenger Prüfungsmaßstab anzulegen. Die niedrigere Altersgrenze für Beamte mit\nden in Abs. 1 genannten Sonderfunktionen beruhe auf einer bloßen Vermutung des\nGesetzgebers zu einer angeblichen besonderen Belastungssituation. Der Beschwerdeführer sei dagegen 29 Jahre lang in der Rufbereitschaft tätig gewesen und komme\ndennoch nicht in den Genuss der niedrigeren Altersgrenze. Eine weitere nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung liege darin, dass Polizeibeamte, die in den in § 208\nAbs. 1 LBG genannten Sonderfunktionen tätig gewesen seien, bei der Altersgrenze\nbegünstigt würden, auch wenn sie in dieser Sonderfunktion nur Innendienst geleistet\nhätten und damit den vom Gesetzgeber angegebenen besonderen Belastungen nicht\nausgesetzt gewesen seien.\n\n Das Rechtsschutzbedürfnis für die Verfassungsbeschwerde bestehe auch nach              23\ndem zwischenzeitlich erfolgten Eintritt des Beschwerdeführers in den Ruhestand fort.\nDer Beschwerdeführer hätte, falls § 208 LBG n.F. verfassungswidrig und nichtig wäre, bereits mit Vollendung des 60. Lebensjahres in den Ruhestand versetzt werden\nmüssen und erhalte daher rückwirkend einen Anspruch auf Ruhegehalt ab März\n2005. Die Besoldung, die der Beschwerdeführer stattdessen für seinen aktiven\nDienst bis zum März 2007 erhalten habe, sei nicht auf das rückwirkend zu zahlende\nRuhegehalt anzurechnen, da es für eine solche Anrechnung oder eine Rückforderung der Dienstbezüge keine Rechtsgrundlage gebe.\n\n                                         III.\n  Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil die            24\nAnnahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Der Verfassungsbeschwerde kommt weder grundsätzliche Bedeutung zu noch ist ihre Annahme\nzur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte angezeigt (vgl.\nBVerfGE 90, 22 <24 ff.>; 96, 245 <248>). Sie hat keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.\n\n 1. Die Festsetzung der unterschiedlichen Altersgrenzen in § 208 LBG verstößt nicht     25\ngegen die Fürsorgepflicht des Dienstherrn als hergebrachten Grundsatz des Berufsbeamtentums im Sinne des Art. 33 Abs. 5 GG. Art. 33 Abs. 5 GG fordert weder eine\nauf ein bestimmtes Lebensalter gerichtete noch eine für alle Beamten einheitliche\nFestsetzung der Altersgrenze (vgl. BVerfGE 71, 255 <270>). Der Gesetzgeber kann\nvielmehr für einzelne Beamtengruppen besondere Altersgrenzen festsetzen. Die\nPflicht des Beamten zur grundsätzlich lebenslangen Dienstleistung findet ihre\nSchranke in der Dienstfähigkeit des Beamten. Bei Erreichen einer bestimmten gesetzlichen Altersgrenze wird der Eintritt der Dienstunfähigkeit unwiderleglich vermu-\n\n\n                                          4/9\n\ntet (vgl. BVerfGE 9, 338 <345>; 71, 255 <268>). Dagegen ist unterhalb dieser Altersgrenze die Dienstfähigkeit nach der Einschätzung des Gesetzgebers im Regelfall gegeben. Der Gesetzgeber hat hier einen weiten Gestaltungsspielraum und kann\nauf der Grundlage von Erfahrungswerten generalisierende Regelungen dazu treffen,\nbis zu welchem Zeitpunkt er die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit der jeweiligen Beamtengruppe noch als gegeben ansieht (vgl. BVerfGK 4, 219 <222>). Es\nbestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Heraufsetzung der Altersgrenze für\nPolizeibeamte, welche die allgemeine Altersgrenze für Beamte nicht übersteigt, sondern für alle Polizeibeamte bis auf die Beamten im höheren Dienst weiterhin darunter\nliegt, auf einer Fehleinschätzung beruht, die mit der Fürsorgepflicht nicht vereinbar\nwäre. Der Fürsorgepflicht des Dienstherrn wird im Übrigen dadurch Rechnung getragen, dass der Beamte bei einem früheren Eintritt der Dienstunfähigkeit im Einzelfall\nin den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden kann.\n\n 2. Der Beschwerdeführer ist auch nicht in seinem Recht auf Gleichbehandlung aus         26\nArt. 3 Abs. 1 GG verletzt.\n\n  a) Art. 3 Abs. 1 GG gebietet, Gleiches gleich, Ungleiches seiner Eigenart entsprechend verschieden zu behandeln (vgl. BVerfGE 42, 64 <72>). Art. 3 Abs. 1 GG ist\nverletzt, wenn die (un)gleiche Behandlung der geregelten Sachverhalte mit Gesetzlichkeiten, die in der Natur der Sache selbst liegen, und mit einer am Gerechtigkeitsgedanken orientierten Betrachtungsweise nicht mehr vereinbar ist, also bezogen auf\nden jeweils in Rede stehenden Sachbereich und seine Eigenart ein vernünftiger, einleuchtender Grund für die gesetzliche Regelung fehlt (vgl. BVerfGE 55, 114 <128>;\n75, 108 <157>; 76, 256 <329>). Ein solcher Fall läge vor, wenn zwischen den Gruppen, die ungleich behandelt werden, keine Unterschiede von solcher Art und solchem\nGewicht bestehen, dass sie die Schlechterstellung rechtfertigen können (vgl.\nBVerfGE 55, 72 <88>; 71, 39 <58>; 71, 146 <154 f.>).\n\n  Aufgrund der verhältnismäßig weiten Gestaltungsfreiheit, die Art. 3 Abs. 1 GG dem      28\nGesetzgeber bei Regelungen des Versorgungsrechts - einschließlich der Altersgrenzen für den Eintritt in den Ruhestand - belässt, kann das Bundesverfassungsgericht\nnicht überprüfen, ob der Gesetzgeber die gerechteste, zweckmäßigste und vernünftigste Regelung getroffen hat. Der Gesetzgeber ist insbesondere frei, darüber zu befinden, was als im Wesentlichen gleich und was als so verschieden anzusehen ist,\ndass die Verschiedenheit eine Ungleichbehandlung rechtfertigt. Er ist befugt, aus der\nVielzahl der Lebenssachverhalte die Tatbestandsmerkmale auszuwählen, die für die\nGleich- oder Ungleichbehandlung maßgebend sein sollen (vgl. BVerfGE 71, 39\n<52 f.>; 76, 256 <329>; 110, 353 <364 f.>). Jede gesetzliche Regelung der Altersgrenzen muss generalisieren und enthält daher auch unvermeidbare Härten. Daraus\nsich ergebende Unebenheiten, Friktionen und Mängel müssen in Kauf genommen\nwerden, solange sich für die Gesamtregelung ein plausibler und sachlich vertretbarer\nGrund anführen lässt (vgl. BVerfGE 76, 256 <295>; 103, 310 <320>; 110, 353\n<364 f.>).\n\n\n\n                                          5/9\n\n  b) An diesen Maßstäben gemessen hat der rheinland-pfälzische Gesetzgeber bei           29\nder Festsetzung der gestaffelten Altersgrenzen für Polizeibeamte den ihm eingeräumten Gestaltungsspielraum nicht überschritten. Das Landesgesetz zur Sicherung\nder Leistungsfähigkeit der kommunalen Gebietskörperschaften und über Maßnahmen zur Entlastung des Landeshaushalts war zwar generell durch eine angestrebte\nEntlastung des Landeshaushaltes motiviert (vgl. LTDrucks 14/1800, S. 1). Die unterschiedliche Ausgestaltung der Altersgrenzen beruht jedoch auf dem sachgerechten,\nden Regelungen zur Altersgrenze systemimmanenten Kriterium der jeweiligen Belastung des Beamten durch seinen Dienst. Der Gesetzgeber hat damit an die Stelle der\nerheblich generalisierenden Vorschrift des § 208 LBG a. F., der die Altersgrenze für\nPolizeibeamte auf einheitlich 60 Jahre festsetzte, eine stärker differenzierende Regelung gesetzt. Der Gesetzgeber verweist für diese stärkere Differenzierung darauf, die\nbisherige einheitliche Altersgrenze habe nicht danach unterschieden, ob der Polizeibeamte tatsächlich den besonderen Belastungen, die seinerzeit für die Festlegung einer besonderen Altersgrenze ursächlich gewesen seien, ausgesetzt gewesen sei\n(vgl. LTDrucks 14/1800, S. 9). Eine Neubewertung der Altersgrenze, ab der die\nDienstunfähigkeit der Polizeibeamten gesetzlich vermutet werde, ließe sich aufgrund\nder eingetretenen Änderungen in den Organisationsstrukturen und in den Aufgabenbereichen sowie im Hinblick auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch\nden enormen technischen Wandel gerade im Polizeibereich nicht mehr aufrechterhalten (a.a.O.). Es gebe im Polizeidienst eine Vielzahl von Funktionen und Aufgabenbereichen, mit deren Wahrnehmung keine gegenüber anderen Berufsgruppen höheren Anforderungen an die physische und psychische Leistungsfähigkeit verbunden\nseien (a.a.O.).\n\n Der Gesetzgeber hat sich damit maßgeblich von Erwägungen zu den Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Beamten und den besonderen Belastungen seines\nDienstes leiten lassen, die seit jeher bei der Bestimmung der Altersgrenze eine Rolle\ngespielt haben. Sie sind sachgerecht und geben zu verfassungsrechtlichen Bedenken keinen Anlass. Wenn die Neuregelung auch das Ziel einer Haushaltskonsolidierung verfolgt, verbietet dies nicht eine systemgerechte Neubestimmung der Altersgrenzen, welche die allgemeine Altersgrenze nicht übersteigen, sondern für die\nMehrzahl der Polizeibeamten weiter dahinter zurückbleiben. Zu den finanziellen Erwägungen des Gesetzgebers kommen hier systemimmanente Gründe hinzu, die eine Ausdifferenzierung der Altersgrenzen sachlich rechtfertigen (vgl. BVerfGE 114,\n258 <291>).\n\n  c) Die niedrigere Altersgrenze für Beamte, die mindestens 25 Jahre lang besondere, in § 208 Abs. 1 Satz 1 LBG aufgeführte Funktionen wahrgenommen haben, stellt\neine zulässige Differenzierung dar. Die Regelung trägt der besonderen Belastung\nvon Polizeibeamten in Sonderfunktionen wie dem Wechselschichtdienst Rechnung\n(LTDrucks 14/1800, S. 11). Bei den Beamten, die über einen längeren Zeitraum besonderen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind, wird daher ein\nfrüherer Verlust der Leistungsfähigkeit vermutet. Die niedrigere Altersgrenze findet\n\n\n\n                                          6/9\n\ndabei in systemgerechter Weise auf die Sonderfunktionen Anwendung, die besondere körperliche und geistige Anforderungen stellen und deswegen auch in anderen\nRegelungen des Beamtenrechts als besonders belastend herausgehoben sind. So\nwird für die besonderen Erschwernisse, die mit dem Einsatz im Wechselschichtdienst, in einem Mobilen Einsatzkommando, in einem Sondereinsatzkommando oder\nals fliegendes Personal verbunden sind, eine Zulage gezahlt (vgl. § 20 Abs. 1, § 22\nAbs. 2 Nr. 1, § 22a Abs. 1 Erschwerniszulagenverordnung - EZulV).\n\n  Dagegen ist die Rufbereitschaft, die der Beschwerdeführer lange Zeit ausgeübt hat,   32\nnach der zulässigen Einschätzung des Gesetzgebers nicht mit denselben Belastungen wie etwa der Wechselschichtdienst verbunden. Im Wechselschichtdienst werden\ndie Beamten nach einem Dienstplan eingesetzt, der einen regelmäßigen Wechsel\nder täglichen Arbeitszeit in Arbeitsschichten vorsieht, in denen ununterbrochen bei\nTag und Nacht, werktags, sonntags und feiertags gearbeitet wird (§ 20 Abs. 1 Satz 1\nEZulV). Die besondere Belastung der Beamten entsteht durch die ständige Umstellung ihres Arbeits- und Lebensrhythmus (vgl. BVerwG, Urteil vom 21. August 1997 - 2\nC 37.96 -, ZBR 1998, S. 100 <101>). Rufbereitschaft dagegen bedeutet, dass sich\nder Beamte zu Hause oder an einem anderen frei wählbaren Ort bereithalten muss,\num bei Bedarf zu Dienstleistungen sofort abgerufen werden zu können; sie bedeutet\ndaher in erster Linie nur eine gewisse Einschränkung der Bewegungsfreiheit während der Freizeit (vgl. BVerwGE 59, 45 <47>). Die Rufbereitschaft gilt daher auch\nnicht als zulagenfähiger „Dienst zu ungünstigen Zeiten“ gemäß § 3 Abs. 4 EZulV. Zudem erhalten Beamte für eine Mehrbelastung durch die Rufbereitschaft bereits einen\nFreizeitausgleich nach § 7 Abs. 2 Arbeitszeitverordnung Rheinland-Pfalz.\n\n  Es ist nicht zu beanstanden, dass für einzelne Beamte auch dann die niedrigere Altersgrenze gilt, wenn sie innerhalb dieser Sonderfunktionsbereiche nur Innendienst\ngeleistet haben. Die Anwendung der Altersgrenze auf Beamte, die nicht der besonderen Belastungssituation in diesen Sonderfunktionen ausgesetzt waren, ist das Ergebnis einer zulässigen Generalisierung des Gesetzgebers. Die Regelung soll in einer verwaltungstechnisch handhabbaren Weise jedenfalls alle Beamten erfassen, für\ndie eine besondere Belastungssituation bestand.\n\n  d) Die Staffelung der Altersgrenze nach Geburtsjahrgängen in § 208 Abs. 3 und        34\nAbs. 4 LBG stellt eine verfassungsrechtlich zulässige Differenzierung dar. Der Gesetzgeber hat damit eine Übergangsregelung geschaffen, die den Interessen der Beamten am Fortbestand der bisherigen Rechtslage umso größeres Gewicht einräumt,\nje näher sie bei Inkrafttreten der Neuregelung bereits dem Ruhestandsalter waren\n(vgl. LTDrucks 14/1800, S. 11). Für die zu diesem Zeitpunkt bereits älteren Beamten\nwird die Altersgrenze gegenüber dem bisher maßgeblichen vollendeten 60. Lebensjahr schrittweise heraufgesetzt. Eine solche differenzierende Übergangsregelung ist\nals Ungleichbehandlung unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes nicht nur\nzulässig, sondern kann im Rahmen einer Abwägung zwischen dem Vertrauen des\nBeamten auf den Fortbestand der bisherigen Regelung und der Bedeutung des Anliegens des Gesetzgebers für das Wohl der Allgemeinheit sogar geboten sein (vgl.\n\n\n                                         7/9\n\nBVerfGE 71, 255 <273>). Durch die Übergangsregelung in § 208 Abs. 3 und Abs. 4\nLBG hat der Gesetzgeber diesen Anforderungen des verfassungsrechtlich verbürgten Vertrauensschutzes Rechnung getragen.\n\n e) Die Ungleichbehandlung von Polizeibeamten in Ämtern des gehobenen Polizeidienstes gegenüber Polizeibeamten in Ämtern des mittleren Polizeidienstes gemäß\n§ 208 Abs. 1 Satz 4 LBG beschwert den Beschwerdeführer nicht. Aufgrund seines\nGeburtsjahrgangs findet auf ihn die Übergangsregelung des § 208 Abs. 3 Nr. 1 LBG\nAnwendung, so dass er wie die Polizeibeamten des mittleren Dienstes mit Vollendung des 62. Lebensjahres in den Ruhestand trat.\n\n 3. Von einer weiteren Begründung der Nichtannahmeentscheidung wird gemäß          36\n§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                              37\n\n                Broß                Di Fabio             Landau\n\n\n\n\n                                        8/9\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom\n23. Mai 2008 - 2 BvR 1081/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom\n                23. Mai 2008 - 2 BvR 1081/07 - Rn. (1 - 37), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20080523_2bvr108107.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080523.2bvr108107\n\n\n\n\n                                        9/9\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2008/05/rk20080523_2bvr108107.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-05-23/2-bvr-1081-07","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":7},{"jurabk":"GG","ref":"Art 33","ref_norm":"33","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"EZulV 1976","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"BRRG","ref":"§ 25","ref_norm":"25","n":1},{"jurabk":"EZulV 1976","ref":"§ 20","ref_norm":"20","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2008/05/rk20080523_2bvr108107.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2008/05/rk20080523_2bvr108107.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. 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