{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080304.1bvr261707","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2008-03-04","aktenzeichen":"1 BvR 2617/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 2617/07 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn B…,\n\ngegen das Gesetz zur Verbesserung des Schutzes vor Fluglärm in der Umgebung\n      von Flugplätzen vom 1. Juni 2007 (BGBl I S. 986)\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Präsidenten Papier\n                                  und die Richter Bryde,\n                                  Schluckebier\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 4. März 2008 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n  Die Verfassungsbeschwerde, die das Gesetz zur Verbesserung des Schutzes vor            1\nFluglärm in der Umgebung von Flugplätzen vom 1. Juni 2007 (BGBl I S. 986) - insbesondere die durch dessen Art. 1 bewirkte Änderung des Gesetzes zum Schutz gegen\nFluglärm vom 30. März 1971 (BGBl I S. 282), zuletzt geändert durch Art. 46 der Verordnung vom 29. Oktober 2001 (BGBl I S. 2785) - zum Gegenstand hat, ist nicht zur\nEntscheidung anzunehmen. Denn die Voraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG\nliegen hierfür nicht vor (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>). Die Verfassungsbeschwerde ist\nunzulässig.\n\n 1. Soweit sich die Verfassungsbeschwerde gegen § 2 des Gesetzes zum Schutz              2\ngegen Fluglärm (im Folgenden: Fluglärmschutzgesetz) richtet und die Verletzung von\nArt. 2 Abs. 2 Satz 1 GG gerügt wird, genügt die Verfassungsbeschwerde nicht dem\nSubstantiierungserfordernis aus § 23 Abs. 1 Satz 2 und § 92 BVerfGG.\n\n  Der Beschwerdeführer hat nicht hinreichend dargetan, dass nach dem Inkrafttreten       3\ndes Gesetzes zur Verbesserung des Schutzes vor Fluglärm in der Umgebung von\nFlugplätzen - insbesondere mit Blick auf die in § 2 Abs. 2 Fluglärmschutzgesetz auf\nder Grundlage von Gutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen\nfestgelegten Lärmgrenzwerte sowie mit Blick auf das Fehlen von im Fluglärmschutzgesetz geregelten, aber auf der Grundlage anderer Vorschriften gleichwohl möglicher\nEinschränkungen des Flugverkehrs zur Nachtzeit - ein Zustand besteht, der völlig unzureichend ist, um der staatlichen Schutzpflicht hinsichtlich der Rechtsgüter Leben\n\n\n                                          1/3\n\nund körperlicher Gesundheit Genüge zu tun (vgl. BVerfGE 56, 54 <73 ff.>; 77, 170\n<214 f.>; 79, 174 <202>).\n\n 2. Soweit die Verfassungsbeschwerde die Verletzung von Art. 3 Abs. 1 GG rügt,          4\nweil in § 9 Abs. 5 Fluglärmschutzgesetz eine Entschädigung für Beeinträchtigungen\ndes Außenwohnbereichs nur für neue oder wesentlich baulich erweiterte und nicht\nauch für bereits bestehende Flugplätze vorgesehen ist, ist eine mögliche Grundrechtsverletzung ebenfalls nicht hinreichend dargetan (vgl. § 23 Abs. 1 Satz 2 und\n§ 92 BVerfGG).\n\n  3. Soweit der Beschwerdeführer schließlich rügt, Art. 14 und Art. 3 Abs. 1 GG seien   5\nverletzt, weil über seinem Grundstück ohne jegliche Entschädigung ein An- und Abflugbereich (so genannte „Flugroute“) festgelegt worden sei und auch das vorliegend\nangegriffene Gesetz keine Entschädigung hierfür vorsehe, genügt die Verfassungsbeschwerde nicht dem aus § 90 Abs. 2 BVerfGG abgeleiteten Grundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde (vgl. BVerfGE 104, 65 <70>).\n\n  Es ergibt sich aus dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht, dass er sich gegen die Festlegung der „Flugroute“ gerichtlich zur Wehr gesetzt hat. Die vorherige\nDurchführung eines Verfahrens des Primärrechtsschutzes wäre erforderlich gewesen, um dem Grundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde zu genügen.\nDenn damit hätte der Beschwerdeführer die von ihm beanstandete Beeinträchtigung\ndurch die „Flugroute“ im Falle ihrer Rechts- oder Verfassungswidrigkeit beseitigen\nkönnen (vgl. zum materiellrechtlichen Vorrang des Primärrechtsschutzes: BVerfGE\n58, 300). Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts können betroffene Flughafenanwohner gegen die Festlegung von An- und Abflugstrecken von und\nzu Flugplätzen durch Rechtsverordnung des Luftfahrt-Bundesamtes gemäß § 27a\nAbs. 2 LuftVO, das bei der Aufstellung der „Flugroute“ von der Deutschen Flugsicherung GmbH unterstützt wird, Rechtsschutz im Wege der Feststellungsklage erlangen.\nIn einem solchen Verfahren hätte sich der Beschwerdeführer zunächst gegen die\ndurch die Flugroutenfestlegung verursachte Lärmbelastung wenden können (vgl.\nBVerwGE 111, 276; 121, 152). Daneben hätte er dort - was hier offen bleiben muss -\ngeltend machen können, dass die Festlegung von „Flugrouten“ ohne eine Entschädigung des Eigentümers des darunter liegenden Grundstücks verfassungswidrig sei.\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                   8\n\n                Papier                  Bryde             Schluckebier\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n4. März 2008 - 1 BvR 2617/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 4. März 2008\n                - 1 BvR 2617/07 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20080304_1bvr261707.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080304.1bvr261707\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-03-04/1-bvr-2617-07","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-03-04/1-bvr-2617-07","retrieved":"2026-07-10 10:56:59.456459+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2008-03-04/1-bvr-2617-07","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2008-03-04","dockets":["1 BvR 2617/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080304.1bvr261707","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080304.1bvr261707"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 04.03.2008 – 1 BvR 2617/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-03-04/1-bvr-2617-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/2","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"2","label":"Art 2 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-07-10T10:56:59.456459+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}