{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080227.2bvr204407","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2008-02-27","aktenzeichen":"2 BvR 2044/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 2044/07 -\n\n\n\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn F ...,\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Stefan Wirth,\n                    in Sozietät Elbs, Manthey, Kilian, Wirth,\n                    Peterssteinweg 10, 04107 Leipzig -\ngegen den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 23. August 2007 - 1 StR 466/\n      05 -\n\nund    Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                  die Richter Di Fabio\n                                  und Landau\n\ngemäß § 93a in Verbindung mit § 93c BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 27. Februar 2008 einstimmig beschlossen:\n\nDie Vollstreckung der Freiheitsstrafe aus dem Urteil des Landgerichts München I\nvom 6. April 2005 – 1 Ks 124 Js 11851/04 – wird bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers – längstens für die Dauer von sechs\nMonaten (§ 32 Abs. 6 Satz 1 BVerfGG) - ausgesetzt.\n\n                                      Gründe:\n Die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung liegen vor.          1\n\n  1. Der Antrag ist zulässig. Der Beschwerdeführer hat dargelegt, dass er im fachgerichtlichen Verfahren erfolglos um Vollstreckungsaufschub nachgesucht hat.\n\n 2. Der Antrag ist auch begründet.                                                     3\n\n a) Nach § 32 Abs. 1 BverfGG kann das Bundesverfassungsgericht einen Zustand           4\ndurch eine einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer\nNachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend\n\n\n                                          1/3\n\ngeboten ist. Dabei haben die Gründe, die für die Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsaktes vorgetragen werden, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben,\nes sei denn, die Verfassungsbeschwerde wäre unzulässig oder offensichtlich unbegründet. Bei offenem Ausgang muss das Bundesverfassungsgericht die Folgen, die\neinträten, wenn die einstweilige Anordnung nicht erginge, die Verfassungsbeschwerde aber Erfolg hätte, gegenüber den Nachteilen abwägen, die entstünden, wenn die\neinstweilige Anordnung erlassen würde, die Verfassungsbeschwerde aber erfolglos\nbliebe (vgl. BVerfGE 88, 169 <172>; 91, 328 <332>; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats – 2 BvR 836/04 –, juris, Abs.-Nr. 8; BVerfG, Beschluss der\n3. Kammer des Zweiten Senats vom 26. April 2005 – 2 BvR 449/05 – juris, Abs.-Nr.\n5; stRspr). Die für den Erlass einer einstweiligen Anordnung sprechenden Gründe\nmüssen deutlich überwiegen (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten\nSenats vom 16. April 2007 – 2 BvR 725/07 –, juris, Abs.-Nr. 2).\n\n  b) aa) Die Verfassungsbeschwerde ist in zulässiger Weise erhoben und auch nicht        5\noffensichtlich unbegründet. Nach dem Vorbringen des Beschwerdeführers ist eine\nVerletzung seiner Grundrechte durch den angefochtenen Beschluss des Bundesgerichtshofs jedenfalls nicht von vornherein auszuschließen.\n\n bb) Die danach zu treffende Folgenabwägung ergibt, dass die Voraussetzungen für         6\nden Erlass einer einstweiligen Anordnung vorliegen, weil die Gründe für deren Erlass\ndeutlich überwiegen.\n\n  Erginge die einstweilige Anordnung nicht, erwiese sich die Verfassungsbeschwerde       7\nspäter aber als begründet, könnte die Freiheitsstrafe in der Zwischenzeit vollstreckt\nwerden. Dies wäre ein erheblicher, irreparabler Eingriff in das besonders gewichtige\n(vgl. BVerfGE 65, 317 <322>) Recht auf die Freiheit der Person (vgl. BVerfGE 22,\n178 <180>; 104, 220 <234>).\n\n Erginge dagegen die einstweilige Anordnung, erwiese sich die Verfassungsbeschwerde später jedoch als unbegründet, wögen die damit verbundenen Nachteile\ndeutlich weniger schwer. Zwar könnte dann der zur Vollstreckung ausstehende Rest\nder rechtskräftig erkannten Freiheitsstrafe vorübergehend nicht vollstreckt werden.\nEs ist aber nicht ersichtlich, dass durch das Zurücktreten des öffentlichen Interesses\nan einer nachdrücklichen und beschleunigten Vollstreckung rechtskräftig verhängter\nFreiheitsstrafen (vgl. § 2 Abs. 1 und 2 StrVollstrO) ein erheblicher Nachteil für das\nWohl der Allgemeinheit zu besorgen wäre.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    9\n\n              Hassemer                Di Fabio                Landau\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n27. Februar 2008 - 2 BvR 2044/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 27. Februar 2008 - 2 BvR 2044/07 - Rn. (1 - 9), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20080227_2bvr204407.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080227.2bvr204407\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-27/2-bvr-2044-07","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93c","ref_norm":"93c","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-27/2-bvr-2044-07","retrieved":"2026-07-10 10:56:57.539700+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2008-02-27/2-bvr-2044-07","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2008-02-27","dockets":["2 BvR 2044/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080227.2bvr204407","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080227.2bvr204407"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 27.02.2008 – 2 BvR 2044/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-27/2-bvr-2044-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe aus dem Urteil des Landgerichts München I\nvom 6. 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