{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr091203","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2008-02-25","aktenzeichen":"2 BvR 912/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 912/03 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\n\n1.        der Frau Dr. G...,\n\n2.        des Herrn Dr. S...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Meyer-Köring, v. Danwitz, Privat,\n                   Oxfordstraße 21, 53111 Bonn -\nI. unmittelbar gegen a) das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 11. Dezember 2002 -\n                        XI R 17/00 -,\n\n                    b) das Urteil des Finanzgerichts Köln vom 16. Dezember 1999\n                       - 2 K 8306/98 -,\n\n                    c) die Einspruchsentscheidung des Finanzamts Bonn-Innenstadt vom 15. Oktober 1998 - 205/5805/0128 Rbl. Nr.\n                       4266 und 4278/98 RBSt 4 -,\n\n                    d) den Steuerbescheid des Finanzamts Bonn-Innenstadt vom\n                       25. August 1998 - St. Nr. 205/5805/0128 -,\n\n                    e) den Steuerbescheid des Finanzamts Bonn-Innenstadt vom\n                       7. November 2000 - St. Nr. 205/5805/0128 -,\n\nII. mittelbar gegen\n§ 10 Abs. 3 EStG in der für die Veranlagungszeiträume 1990 und 1997 geltenden\nFassung\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                den Richter Broß,\n                                die Richterin Osterloh\n                                und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 25. Februar 2008 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n 1. a) Die Beschwerdeführer sind zusammenveranlagte Ehegatten. Sie haben zwei       1\nnach § 32 EStG berücksichtigungsfähige Kinder. In den Streitjahren 1990 und 1997\nerzielte der Beschwerdeführer als Rechtsanwalt Einkünfte aus selbständiger Arbeit\n\n\n                                        1/4\n\nnach § 18 EStG, die Beschwerdeführerin als Beamtin Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit nach § 19 EStG. Bei der Einkommensteuer machten die Ehegatten\nVorsorgeaufwendungen geltend, und zwar unter anderem Beiträge des Ehemanns\nzum Anwaltsversorgungswerk, Beiträge zu privaten Kranken- und Pflegeversicherungen sowie Unfall-, Lebens- und Haftpflichtversicherungsbeiträge. Das Finanzamt begrenzte den Abzug der Vorsorgeaufwendungen der Höhe nach unter Anwendung\nvon § 10 Abs. 3 EStG. Dabei wurde der den Ehegatten gemeinsam zustehende Vorwegabzug nach § 10 Abs. 3 Nr. 2 EStG in beiden Streitjahren wegen der hohen Einkünfte der Ehefrau aus nichtselbständiger Arbeit übergreifend gekürzt. Die hiergegen\ngerichtete Klage wurde vom Finanzgericht Köln durch Urteil vom 16. Dezember 1999\n- 2 K 8306/98 - abgewiesen. Die Revision vor dem Bundesfinanzhof war erfolglos\n(BFH, Urteil vom 11. Dezember 2002 - XI R 17/00 -, BStBl II 2003, S. 650 = BFHE\n201, 437).\n\n b) Mit ihrer Verfassungsbeschwerde rügen die Beschwerdeführer mehrere Grundrechtsverstöße. Zum einen sei der Beschwerdeführer als selbständiger Rechtsanwalt\nwegen der betragsmäßigen Relation von maximal steuerfreien Arbeitgeberleistungen\nnach § 3 Nr. 62 EStG und Höhe des Vorwegabzugs nach § 10 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1\nEStG in seinem Grundrecht aus Art. 3 Abs. 1 GG verletzt. Außerdem verstoße die\nübergreifende Kürzung des Vorwegabzugs gegen Art. 3 Abs. 1, Art. 6 GG.\n\n  c) Zu der Verfassungsbeschwerde hat das Bundesministerium der Finanzen Stellung genommen.\n\n 2. Die Verfassungsbeschwerde hat keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.              4\n\n a) Soweit es insbesondere um Beiträge zum Anwaltsversorgungswerk sowie zu             5\nUnfall-, Lebens- und Haftpflichtversicherungen geht, fehlt der Verfassungsbeschwerde vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Rentenbesteuerung (BVerfGE 105, 73) und der Neuregelung der Besteuerung der Altersbezüge durch das Gesetz zur Neuordnung der einkommensteuerrechtlichen Behandlung\nvon Altersvorsorgeaufwendungen und Altersbezügen (Alterseinkünftegesetz - AltEinkG) vom 5. Juli 2004 (BGBl I S. 1427) die hinreichende Aussicht auf Erfolg. Insoweit\nwird auf den Beschluss des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 13.\nFebruar 2008 - 2 BvR 1220/04 und 2 BvR 410/05 - verwiesen.\n\n  b) Soweit es um die einkommensteuerrechtliche Berücksichtigung von Beiträgen zu      6\nKranken- und Pflegeversicherungen geht, sind die verfassungsrechtlichen Fragen\ndurch den Beschluss des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 13.\nFebruar 2008 - 2 BvL 1/06 - geklärt. Nach diesem Beschluss, auf dessen Begründung verwiesen wird, liegt die hier im Verfassungsbeschwerdeverfahren allein geltend gemachte Verletzung des Art. 3 Abs. 1 GG wegen einer Ungleichbehandlung im\nVergleich mit den nichtselbständig tätigen Steuerpflichtigen nicht vor.\n\n c) Auch soweit die Beschwerdeführer sich gegen die übergreifende Kürzung des          7\nVorwegabzugs wenden, fehlt ihrer Verfassungsbeschwerde die hinreichende Er-\n\n\n\n                                         2/4\n\nfolgsaussicht.\n\n  aa) Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts haben Ehegatten           8\ngegenüber Ledigen eine gesetzliche Benachteiligung hinzunehmen, wenn die allgemeine Tendenz des Gesetzes auf Gleichbehandlung ausgeht und die Ehegatten teilweise begünstigt, teilweise benachteiligt werden, die gesetzliche Regelung im Ganzen sich aber vorteilhaft oder zumindest „eheneutral“ auswirkt und wenn die\ngesetzlichen Vorteile denen zugute kommen, die zu den von der Benachteiligung Betroffenen gehören. Auf dieser Grundlage hat die 3. Kammer des Zweiten Senats des\nBundesverfassungsgerichts für frühere Veranlagungszeiträume entschieden, dass\ndie übergreifende Kürzung des Vorwegabzugs nicht gegen Art. 3 Abs. 1, Art. 6 GG\nverstößt (Beschluss vom 16. Januar 1991 - 2 BvR 1400/90 -, HFR 1991, S. 672; vgl.\nauch BVerfGE 32, 260 <269>; 75, 361 <366 f.>).\n\n bb) Auch die Kürzungsregelung nach § 10 Abs. 3 Nr. 2 Satz 2 EStG in der Fassung      9\ndes Missbrauchsbekämpfungs- und Steuerbereinigungsgesetzes vom 21. Dezember\n1993 (BGBl I S. 2310) war eheneutral im genannten Sinne. Die hierzu vom Bundesfinanzhof in der angegriffenen Entscheidung gemachten Ausführungen begegnen keinen verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. auch BFH/NV 1998, S. 1466; BFH/NV\n2001, S. 773; BFH/NV 2003, S. 1573).\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                11\n\n                 Broß               Osterloh             Mellinghoff\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n25. Februar 2008 - 2 BvR 912/03\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 25. Februar 2008 - 2 BvR 912/03 - Rn. (1 - 11), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20080225_2bvr091203.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr091203\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-25/2-bvr-912-03","cited_norms":[{"jurabk":"EStG","ref":"§ 10","ref_norm":"10","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 6","ref_norm":"6","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 18","ref_norm":"18","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 19","ref_norm":"19","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-25/2-bvr-912-03","retrieved":"2026-07-10 10:56:55.419805+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2008-02-25/2-bvr-912-03","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2008-02-25","dockets":["2 BvR 912/03"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr091203","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr091203"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 25.02.2008 – 2 BvR 912/03","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-25/2-bvr-912-03","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"EStG/10","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"10","label":"§ 10 EStG","mentions":3},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":2},{"id":"GG/6","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"6","label":"Art 6 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"EStG/18","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"18","label":"§ 18 EStG","mentions":1},{"id":"EStG/19","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"19","label":"§ 19 EStG","mentions":1},{"id":"EStG/32","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"32","label":"§ 32 EStG","mentions":1},{"id":"EStG/3","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"3","label":"§ 3 EStG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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