{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr058701","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2008-02-25","aktenzeichen":"2 BvR 587/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 587/01 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder Frau Dr. K...,\ndes Herrn Dr. K...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Wolfram Kesseler,\n                     Dültgenstaler Straße 38, 42719 Solingen -\nI. unmittelbar gegen\n\na) den Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 21. Dezember 2000 - XI B 75/99 -,\n\nb) den Beschluss des Finanzgerichts Düsseldorf vom 17. Juni 1999 - 9 K 5414/96\n   E -,\n\nc) das Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf vom 21. April 1999 - 9 K 5414/96 E -,\n\nd) die Einspruchsentscheidung des Finanzamts Solingen-West vom 15. Mai 1997 -\n   129/5059/0410 RbSt III/4 -Nr. 598/95-97 -,\n\ne) den Bescheid des Finanzamts Solingen-West vom 20. März 1997 - 129/5059/\n   0410 -,\n\nf) die Einspruchsentscheidung des Finanzamts Solingen-West vom 15. August\n   1996 - 129/122/0743 RbSt III/4 -Nr. 361/95-97 -,\n\ng) den Bescheid des Finanzamts Solingen-West vom 13. Oktober 1995 - 129/\n   0122/0743 -,\n\nII. mittelbar gegen\n§ 10 Abs. 3 Nr. 2 EStG in der für die Veranlagungszeiträume 1993 und 1994 geltenden Fassung\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Richter Broß,\n                                 die Richterin Osterloh\n                                 und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 25. Februar 2008 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n\n\n\n                                         1/4\n\n                                     Gründe:\n 1. a) Die Beschwerdeführer sind zusammenveranlagte Ehegatten. In den Streitjahren 1993 und 1994 erzielten beide Ehegatten Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit\nnach § 19 EStG. Allerdings wurden nur zugunsten der Ehefrau steuerfreie Zukunftssicherungsleistungen nach § 3 Nr. 62 EStG erbracht. Trotzdem kürzte das Finanzamt\nden den Ehegatten nach § 10 Abs. 3 Nr. 2 Satz 1 EStG zustehenden Vorwegabzug in\nHöhe von 12.000 DM vollständig. Die hiergegen gerichtete Klage wurde vom Finanzgericht Düsseldorf durch Urteil vom 21. April 1999 - 9 K 5414/96 - abgewiesen. Die\nzum Bundesfinanzhof erhobene Nichtzulassungsbeschwerde war erfolglos (BFH,\nBeschluss vom 21. Dezember 2000 - XI B 75/99 - BFH/NV 2001, S. 773).\n\n  b) In ihrer Verfassungsbeschwerde tragen die Beschwerdeführer im Wesentlichen            2\nvor, die sogenannte übergreifende Kürzung des Vorwegabzugs benachteilige Ehegatten gegenüber Ledigen unter Verstoß gegen Art. 3 Abs. 1, Art. 6 GG. Wenn der\nKürzungstatbestand nur in der Person eines Ehegatten erfüllt sei, könne von Verfassungs wegen nur der auf diesen entfallende Anteil des Vorwegabzugs in Höhe von\n6.000 DM gekürzt werden. Die anders lautende Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts beziehe sich nur auf Fassungen der Kürzungsregelung vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Bekämpfung des Missbrauchs und zur Bereinigung des Steuerrechts (Missbrauchsbekämpfungs- und Steuerbereinigungsgesetz - StMBG) vom\n21. Dezember 1993 (BGBl I S. 2310).\n\n  c) Zu der Verfassungsbeschwerde hat das Bundesministerium der Finanzen Stellung genommen. Es hält die übergreifende Kürzung für verfassungsgemäß und verweist dabei auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.\n\n 2. Die Verfassungsbeschwerde hat keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.                  4\n\n  a) Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts haben Ehegatten gegenüber Ledigen eine gesetzliche Benachteiligung hinzunehmen, wenn die allgemeine Tendenz des Gesetzes auf Gleichbehandlung ausgeht und die Ehegatten teilweise begünstigt, teilweise benachteiligt werden, die gesetzliche Regelung im Ganzen\nsich aber vorteilhaft oder zumindest „eheneutral“ auswirkt und wenn die gesetzlichen\nVorteile denen zugute kommen, die zu den von der Benachteiligung Betroffenen gehören. Auf dieser Grundlage hat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgericht für frühere Veranlagungszeiträume entschieden, dass die übergreifende Kürzung des Vorwegabzugs nicht gegen Art. 3 Abs. 1, Art. 6 GG verstößt\n(BVerfG, Beschluss vom 16. Januar 1991 - 2 BvR 1400/90 -, HFR 1991, S. 672; vgl.\nauch BVerfGE 32, 260 <269>; 75, 361 <366 f.>).\n\n  b) Auch die Kürzungsregelung nach § 10 Abs. 3 Nr. 2 Satz 2 EStG in der Fassung           6\ndes Missbrauchsbekämpfungs- und Steuerbereinigungsgesetzes vom 21. Dezember\n1993 (BGBl I S. 2310) war eheneutral im genannten Sinne. Die hierzu vom Bundesfinanzhof in der angegriffenen Entscheidung gemachten Ausführungen begegnen keinen verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. auch BFH/NV 1998, S. 1466; BFH BStBl\nII 2003, S. 650 = BFHE 201, 437; BFH/NV 2003, S. 1573).\n\n\n                                         2/4\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                          8\n\n                Broß                Osterloh         Mellinghoff\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n25. Februar 2008 - 2 BvR 587/01\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 25. Februar 2008 - 2 BvR 587/01 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20080225_2bvr058701.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr058701\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-25/2-bvr-587-01","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 6","ref_norm":"6","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 19","ref_norm":"19","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 10","ref_norm":"10","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-25/2-bvr-587-01","retrieved":"2026-07-10 10:56:55.022739+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2008-02-25/2-bvr-587-01","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2008-02-25","dockets":["2 BvR 587/01"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr058701","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080225.2bvr058701"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 25.02.2008 – 2 BvR 587/01","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-25/2-bvr-587-01","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                         1/4","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/6","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"6","label":"Art 6 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"EStG/19","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"19","label":"§ 19 EStG","mentions":1},{"id":"EStG/10","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"10","label":"§ 10 EStG","mentions":1},{"id":"EStG/3","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"3","label":"§ 3 EStG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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