{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080211.1bvr270207","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2008-02-11","aktenzeichen":"1 BvR 2702/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 2702/07 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn S…,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Cornelius, Bartenbach, Haesemann & Partner,\n                   Bismarckstraße 11-13, 50672 Köln -\ngegen a) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 24. Juli 2007 - X ZB 17/05 -,\n\n      b) den Beschluss des Bundespatentgerichts vom 12. Mai 2005 - 8 W (pat)\n         332/02 -\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Präsidenten Papier\n                                  und die Richter Bryde,\n                                  Schluckebier\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 11. Februar 2008 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n  Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil die            1\nVoraussetzungen hierfür nicht vorliegen. Grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung im Sinn des § 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG ist nicht gegeben. Die Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde ist\nteilweise bereits unzulässig und hat im Übrigen in der Sache keine Aussicht auf Erfolg.\n\n 1. Soweit der Beschwerdeführer die Verletzung seiner Eigentumsfreiheit aus Art. 14     2\nAbs. 1 GG rügt, genügt die Verfassungsbeschwerde nicht den Anforderungen an eine substantiierte Begründung (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG).\n\n  Die Verfassungsbeschwerde beschränkt sich insoweit auf den Vortrag, die Entscheidung des Bundespatentgerichts schneide dem Beschwerdeführer die Möglichkeit des Nachanmeldeverfahrens gemäß § 7 Abs. 2 PatG ab. Dies reicht jedoch nicht\naus, um die Verletzung des materiellen Gehalts von Art. 14 Abs. 1 GG auch nur als\nmöglich erscheinen zu lassen. Zusätzlich hätte es vielmehr der Darlegung bedurft,\ndass die genommene Möglichkeit der Nachanmeldung auch inhaltlich zum Erfolg geführt hätte, dass also das streitgegenständliche Patent tatsächlich auf einer Entnah-\n\n\n                                         1/3\n\nme beim Beschwerdeführer beruhte und in der vom Beschwerdeführer projektierten\nForm schutzfähig gewesen wäre. Zu dieser Frage der inhaltlichen Berechtigung des\nbeabsichtigten, durch die Entscheidung des Bundespatentgerichts aber unmöglich\ngemachten Nachanmeldeverfahrens verhält sich die Verfassungsbeschwerdeschrift\njedoch nicht.\n\n 2. Soweit der Beschwerdeführer die Verletzung seines grundrechtsgleichen Rechts          4\nauf den gesetzlichen Richter aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG rügt, ist die Verfassungsbeschwerde in der Sache ohne Aussicht auf Erfolg.\n\n  Allerdings kann auch die Entscheidung eines Gerichts, die Rechtsbeschwerde nicht        5\nzuzulassen, gegen die Gewährleistung des grundrechtsgleichen Rechts auf den gesetzlichen Richter aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG verstoßen. Voraussetzung hierfür\nwäre nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts allerdings das Vorliegen von Willkür; die bloß einfachrechtlich fehlerhafte Handhabung der Zulassungsvorschriften genügte nicht (vgl. BVerfGE 67, 90 <95>; 87, 282 <284 f.>; BVerfGK 2,\n202 <204>). Eine fehlerhafte Auslegung eines Gesetzes allein macht eine Gerichtsentscheidung nicht willkürlich. Willkürlich ist ein Richterspruch vielmehr nur, wenn er\nunter keinem denkbaren Aspekt rechtlich vertretbar ist und sich daher der Schluss\naufdrängt, dass er auf sachfremden Erwägungen beruht (vgl. BVerfGE 4, 1 <7>; 80,\n48 <51>; stRspr). Vorliegend hat das Bundespatentgericht seine Entscheidung, die\nRechtsbeschwerde nicht zuzulassen, nicht begründet. Dies ist für sich genommen\nnicht zu beanstanden, weil diese Entscheidung fachgerichtlich nicht überprüfbar ist\nund damit keinem verfassungsrechtlichen Begründungszwang unterliegt (vgl.\nBVerfGE 50, 287 <289 f.>; stRspr). Die Nichtzulassung der Rechtsbeschwerde ist\nauch inhaltlich nicht völlig sachfremd. Das Bundespatentgericht hielt die vom Beschwerdeführer aufgeworfene Frage der widerrechtlichen Entnahme für nicht mehr\nentscheidungserheblich, weil Schutzunfähiges ohnehin nicht entnommen werden\nkönne. Diese Auffassung steht im Einklang mit einer auch in der Literatur durchaus\nreferierten, teilweise sogar als herrschend wiedergegebenen Auffassung (vgl. Busse/\nSchwendy, PatG, 6. Aufl. 2003, § 21 Rn. 76; Schulte, PatG, 6. Aufl. 2001, § 21 Rn.\n46). Sie entspricht zudem der bisherigen Rechtsprechung des Bundespatentgerichts\nselbst (vgl. BPatG, Beschluss vom 28. November 2000 - 8 W (pat) 135/97 - juris).\nNach all dem ist nicht davon auszugehen, dass sich das Bundespatentgericht von\nsachfremden Erwägungen hat leiten lassen. Etwas anderes ergibt sich auch nicht\naus den vom Bundesgerichtshof in seiner gleichfalls angegriffenen Entscheidung formulierten einfachrechtlichen Bedenken gegen die Nichtzulassung der Rechtsbeschwerde; zukünftig werden diese allerdings zu berücksichtigen sein.\n\n 3. Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     7\n\n                Papier                  Bryde               Schluckebier\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n11. Februar 2008 - 1 BvR 2702/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 11. Februar 2008 - 1 BvR 2702/07 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20080211_1bvr270207.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080211.1bvr270207\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-11/1-bvr-2702-07","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 14","ref_norm":"14","n":1},{"jurabk":"PatG","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-11/1-bvr-2702-07","retrieved":"2026-07-10 10:56:47.877504+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2008-02-11/1-bvr-2702-07","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2008-02-11","dockets":["1 BvR 2702/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080211.1bvr270207","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2008:rk20080211.1bvr270207"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 11.02.2008 – 1 BvR 2702/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2008-02-11/1-bvr-2702-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":3},{"id":"GG/101","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"101","label":"Art 101 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/14","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"14","label":"Art 14 GG","mentions":1},{"id":"PatG/7","law":"PatG","abbreviation":"PatG","ref":"7","label":"§ 7 PatG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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