{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070614.1bvr107507","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2007-06-14","aktenzeichen":"1 BvR 1075/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1075/07 -\n\n                               In dem Verfahren\n                                     über\n                         die Verfassungsbeschwerde\nder Frau B...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Pape, Persike & Partner GbR,\n                   Schützenstraße 18, 10117 Berlin -\n1. unmittelbar gegen\n   den Bescheid des Landesverwaltungsamts Sachsen-Anhalt vom 22. März 2007\n   - 38 13 301206 001 5 4 -,\n\n2. mittelbar gegen\n   § 27 Abs. 1 des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) vom 5. Dezember 2006 (BGBl I S. 2748)\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                den Präsidenten Papier\n                                und die Richter Steiner,\n                                Gaier\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 14. Juni 2007 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil sie         1\nunzulässig ist. Damit liegen die Annahmevoraussetzungen gemäß § 93 a Abs. 2\nBVerfGG nicht vor.\n\n Die Beschwerdeführerin hat den Rechtsweg nicht ordnungsgemäß erschöpft. Der        2\nGrundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde (§ 90 Abs. 2 Satz 1\nBVerfGG) gebietet, dass die Beschwerdeführerin im Ausgangsverfahren alle prozessualen Möglichkeiten ausschöpft, um eine Korrektur der geltend gemachten Verfassungsverletzung zu erwirken (vgl. BVerfGE 84, 203 <208>; stRspr). Angesichts dessen hätte es ihr oblegen, Widerspruch und Klage gegen den mit der\nVerfassungsbeschwerde angegriffenen Bescheid zu erheben und den fachgerichtlichen Instanzenzug zu durchlaufen.\n\n 1. Ein Absehen vom Erfordernis der Erschöpfung des Rechtswegs kommt auch           3\nnicht etwa deswegen in Betracht, weil die Verfassungsbeschwerde von allgemeiner\n\n\n                                       1/3\n\nBedeutung wäre oder der Beschwerdeführerin ein schwerer und unabwendbarer\nNachteil entstünde, falls sie zunächst auf den Rechtsweg verwiesen würde (vgl. § 90\nAbs. 2 Satz 2 BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde ist nicht von allgemeiner Bedeutung, weil die verfassungsrechtliche Beurteilung von gesetzlichen Stichtagsregelungen durch die bisherige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ausreichend geklärt ist (vgl. BVerfGE 75, 78 <106>; 87, 1 <43>; 101, 239 <270>). Der\nBeschwerdeführerin entsteht auch kein schwerer und unabwendbarer Nachteil durch\ndie Beschreitung des Rechtsweges. Bei den von der Beschwerdeführerin geschilderten Erschwernissen handelt es sich um Nachteile allgemeiner Natur, die durch die\nVerfolgung eines Anspruchs im Prozess entstehen. Derartige Nachteile rechtfertigen\nkeine vorzeitige Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht (vgl. BVerfGE 1,\n69 f.; 8, 222 <226>).\n\n  2. Die Beschreitung des Rechtswegs ist auch nicht deswegen unzumutbar, weil         4\n§ 27 Abs. 1 des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) vom 5. Dezember 2006 (BGBl I S. 2748) Behörden und Fachgerichten keinen Auslegungsspielraum\ngibt, auch Eltern vor dem 1. Januar 2007 geborener Kinder Elterngeld zu gewähren.\nDem Erfordernis der Erschöpfung des Rechtsweges (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG)\nliegt der Gedanke der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde zu Grunde. Die damit bezweckte vorrangige Anrufung der Fachgerichte soll eine umfassende Vorprüfung des Beschwerdevorbringens, auch unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten, gewährleisten und dem Bundesverfassungsgericht die Fallanschauung der\nGerichte, insbesondere der obersten Bundesgerichte, vermitteln. Dieser Gesichtspunkt kommt auch dann zur Geltung, wenn ein solcher Spielraum fehlt (vgl. BVerfGE\n58, 81 <104 f.>; 72, 39 <43 f.>; 74, 69 <75>).\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                 5\n\n                  Papier             Steiner                Gaier\n\n\n\n\n                                        2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n14. Juni 2007 - 1 BvR 1075/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 14. Juni 2007 - 1 BvR 1075/07 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20070614_1bvr107507.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070614.1bvr107507\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-06-14/1-bvr-1075-07","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-06-14/1-bvr-1075-07","retrieved":"2026-07-10 10:56:11.080512+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2007-06-14/1-bvr-1075-07","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2007-06-14","dockets":["1 BvR 1075/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070614.1bvr107507","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070614.1bvr107507"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 14.06.2007 – 1 BvR 1075/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-06-14/1-bvr-1075-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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