{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070530.1bvr075607","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2007-05-30","aktenzeichen":"1 BvR 756/07","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 756/07 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn H...,\nder Frau H...,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Knarr & Knopp, Milde, Netuschil, Zimmer,\n                   Bismarckstraße 18-20, 64293 Darmstadt -\ngegen den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 30. Januar 2007 - XI ZR 98/06\n      -\n\nund    Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch die\nRichter\n                                 Bryde,\n                                 Eichberger,\n                                 Schluckebier\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 30. Mai 2007 einstimmig beschlossen:\n\nDer Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird abgelehnt\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht gemäß § 93 a BVerfGG zur Entscheidung           1\nangenommen werden, weil der Beschwerdeführer die Frist zur Einlegung der Verfassungsbeschwerde versäumt hat. Wiedereinsetzung in die versäumte Frist nach § 93\nAbs. 2 BVerfGG ist nicht zu gewähren, weil der Beschwerdeführer weder ausreichend dargelegt noch glaubhaft gemacht hat, dass er ohne Verschulden verhindert\nwar, die Frist einzuhalten.\n\n  Zur Begründung des Wiedereinsetzungsgesuchs trägt der Bevollmächtigte des Beschwerdeführers lediglich vor, er habe am Tag des Fristablaufs die Beschwerdeschrift unterschrieben und seiner zuverlässigen Büroangestellten mit dem Hinweis\nüberlassen, der Schriftsatz müsse noch am gleichen Tag per Telefax übersandt werden. Zusätzlich habe die allgemeine Anweisung bestanden, fristwahrende Schriftsätze stets mitsamt den Anlagen per Telefax zu übersenden. Da der Schriftsatz mit Anlagen 150 Seiten umfasst habe, habe seine zuverlässige Bürokraft den Schriftsatz in\n\n\n                                        1/3\n\nmehreren Schritten übersenden wollen. In einem ersten Schritt habe sie sodann nur\ndie Beschwerdeschrift abgesandt, sei danach aber mehrmals abgelenkt worden und\nhabe schließlich das Büro verlassen, ohne die noch fehlenden Anlagen zu übersenden.\n\n  Dieser Vortrag ist nicht geeignet, die beantragte Wiedereinsetzung in den vorigen         3\nStand zu rechtfertigen. Zwar darf ein Rechtsanwalt einfache Tätigkeiten, die keine juristischen Schulungen verlangen, seinem geschulten und zuverlässigen Büropersonal zur selbständigen Erledigung übertragen (BVerfG, 2. Kammer des Ersten Senats,\nBeschluss vom 14. Dezember 2001 - 1 BvR 1009/01 -, zitiert nach Juris, Ziff. 19), wobei es sich beim Absenden eines Telefaxes um eine solche einfache Tätigkeit handelt (BVerfG, 3. Kammer des Zweiten Senats, Beschluss vom 6. Februar 2002 - 2\nBvR 1249/01 -, zitiert nach Juris, Ziff. 16). Allerdings muss im Fall der Übertragung\ndurch eine wirksame Ausgangskontrolle sichergestellt werden, dass Fehler beim Versenden der fristwahrenden Schriftstücke möglichst vermieden werden (BVerfG,\n1. Kammer des Zweiten Senats, Beschluss vom 21. Februar 2001 - 2 BvR 1469/00 -,\nzitiert nach Juris, Ziff. 5; BGH, Beschluss vom 30. Januar 2007 - XI ZB 5/06 -; zitiert\nnach Juris, Ziff. 6). Für die Übermittlung fristwahrender Schriftsätze per Telefax erfordert eine wirksame Ausgangskontrolle, dafür Sorge zu tragen, dass Fristen aus dem\nFristenkalender erst gelöscht werden, wenn durch Überprüfung des Sendeprotokolls\nfeststeht, dass der Schriftsatz vollständig gesendet worden ist (vgl. BFH, Beschluss\n20. Dezember 2006 - I B 70/06 -; zitiert nach Juris Ziff. 8; BGH, Urteil vom 29. April\n1994 - V ZR 62/93 -, zitiert nach Juris). Zu der Einrichtung einer wirksamen Ausgangskontrolle hat der Bevollmächtigte nichts vorgetragen. Damit lässt das Vorbringen die naheliegende Möglichkeit offen, dass die unvollständige Übersendung auf einer mangelhaften Ausgangskontrolle und damit auf einem dem Beschwerdeführer\nzuzurechnenden Verschulden seines Bevollmächtigten beruht (§ 93 Abs. 2 Satz 6\nBVerfGG; vgl. Heusch/Sennekamp, in: Umbach/Clemens/Dollinger, BVerfGG, 2.\nAufl., § 93 Rdn. 77).\n\n Von einer weiteren Begründung wird nach § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar (§ 93 d Abs. 1 Satz 2 BVerfGG).                        5\n\n                 Bryde                Eichberger             Schluckebier\n\n\n\n\n                                           2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n30. Mai 2007 - 1 BvR 756/07\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 30. Mai 2007\n                - 1 BvR 756/07 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20070530_1bvr075607.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070530.1bvr075607\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-05-30/1-bvr-756-07","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93","ref_norm":"93","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":2}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-05-30/1-bvr-756-07","retrieved":"2026-07-10 10:56:06.983478+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2007-05-30/1-bvr-756-07","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2007-05-30","dockets":["1 BvR 756/07"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070530.1bvr075607","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:rk20070530.1bvr075607"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 30.05.2007 – 1 BvR 756/07","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-05-30/1-bvr-756-07","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird abgelehnt\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93","label":"§ 93 BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":2}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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