{"status":"available","doknr":"BVERFG-ms20070308_2bvm000603","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:ms20070308.2bvm000603","court":"BVerfG","senate":"Zweiter Senat","decided":"2007-03-08","aktenzeichen":"2 BvM 6/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVM 6/03 -\n- 2 BVM 7/03 -\n- 2 BVM 8/03 -\n\n\n\n\n                               Im Namen des Volkes\n\n                                 In den Verfahren\n\n                 zur verfassungsrechtlichen Prüfung der Frage,\nob ein von einem Schuldnerstaat ausgerufener Staatsnotstand zur Verweigerung\nbestehender und fälliger Zahlungsverpflichtungen berechtigt und ob ein solcher Satz\ndes Völkerrechts auch im Falle der klageweisen Geltendmachung von Forderungen\naus Staatsanleihen durch private Gläubiger vor deutschen Zivilgerichten nach Artikel 25 des Grundgesetzes bindend ist,\n\nI. a) - Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am\n      Main vom 24. Juni 2003 (8 U 52/03) -,\n\n b) - Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am\n    Main vom 10. Juli 2003 (8 U 59/03) -,\n\nKläger der\nAusgangsverfahren: Herr S...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Jürgen Pesch,\n                    Lindenstraße 37, 60325 Frankfurt am Main -,\nBeklagte der       Republik Argentinien, vertreten durch den Präsidenten Néstor\nAusgangsverfahren: Kirchner,\n                   Balcarce 50, 1064 Buenos Aires, Argentinien\n\n- Bevollmächtigte:\nRechtsanwälte Wolfgang Strba und R. Patrick Geiger, Coutandin & Strba GbR,\nEschenheimer Anlage 28, 60318 Frankfurt am Main -,\n- 2 BVM 6-7/03 -,\n\nII. Aussetzungs- und Vorlagebeschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main\n    vom 10. Juli 2003 (8 U 60/03) -,\n\nKläger des\nAusgangsverfahrens: Herr und Frau S...\n\n\n                                         1/4\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Dr. Josef Schlarmann\n                   und Koll., Harburger Schlossstraße 30, 21079 Hamburg -,\nBeklagte des        Republik Argentinien, vertreten durch den Präsidenten Nés-Ausgangsverfahrens: tor Kirchner,\n                    Balcarce 50, 1064 Buenos Aires, Argentinien\n\n- Bevollmächtigte:\nRechtsanwälte Wolfgang Strba und R. Patrick Geiger, Coutandin & Strba GbR,\nEschenheimer Anlage 28, 60318 Frankfurt am Main -,\n- 2 BVM 8/03 -,\n\nhat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat - unter Mitwirkung der Richterinnen und Richter\n                                  Vizepräsident Hassemer,\n                                  Broß,\n                                  Osterloh,\n                                  Di Fabio,\n                                  Mellinghoff,\n                                  Lübbe-Wolff,\n                                  Gerhardt,\n                                  Landau\n\nam 8. März 2007 beschlossen:\n\nDie Verfahren haben sich mit der Aufhebung der Vorlagebeschlüsse erledigt.\n\n                                      Gründe:\n\n                                         I.\n  Mit jeweils gleichlautenden Beschlüssen vom 24. Juni 2003 - 2 BvM 6/03 - und vom      1\n10. Juli 2003 - 2 BvM 7/03, 2 BvM 8/03 - legte das Oberlandesgericht dem Bundesverfassungsgericht nach Art. 100 Abs. 2 GG die Frage vor, ob ein vom Schuldnerstaat ausgerufener Staatsnotstand zur Verweigerung bestehender und fälliger Zahlungsverpflichtungen berechtigt und ob ein solcher Rechtssatz des Völkerrechts auch\nim Falle der klageweisen Geltendmachung von Forderungen aus Staatsanleihen\ndurch private Gläubiger vor deutschen Zivilgerichten nach Art. 25 GG bindend ist.\n\n  In den drei vorgelegten Verfahren hob das Oberlandesgericht seinen jeweiligen         2\nAussetzungs- und Vorlagebeschluss mit Beschlüssen vom 29. Mai 2006 auf. Zur Begründung führt das Gericht aus, die Entscheidungserheblichkeit der Normverifikation\nsei entfallen. Der Senat sei zu der Auffassung gelangt, dass die Republik Argentinien\nihre Zahlungsverweigerung wegen der Veränderung der tatsächlichen Umstände und\nungeachtet ihres Notstandsgesetzes nicht mehr mit der Berufung auf einen Staatsnotstand rechtfertigen könne. Auf die völkerrechtliche und innerstaatliche Wirkung\ndes Notstands komme es daher nicht mehr an.\n\n\n\n                                         2/4\n\n                                         II.\n Die Vorlageverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht haben sich erledigt. Das        3\nOberlandesgericht hat die Vorlagebeschlüsse aufgehoben.\n\n  Bei der völkerrechtlichen Normverifikation handelt es sich um ein objektives Zwischenverfahren, das mit dem fachgerichtlichen Hauptsacheverfahren in wechselseitiger Beziehung steht. Nach Art. 100 Abs. 2 GG in Verbindung mit Art. 25 GG sind die\nFachgerichte verpflichtet, eine Frage dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorzulegen, wenn Zweifel daran bestehen, ob eine allgemeine Regel des Völkerrechts Bestandteil des Bundesrechts ist und ob sie unmittelbar Rechte und Pflichten für den Einzelnen erzeugt. Ungeschriebene Zulässigkeitsvoraussetzung einer\nVorlage gemäß Art. 100 Abs. 2 GG ist die Entscheidungserheblichkeit des Bestehens oder der Tragweite einer allgemeinen Regel des Völkerrechts (vgl. BVerfGE 4,\n319 <321>; 15, 25 <30>; 16, 27 <32 f.>; 46, 342 <358>).\n\n  Aus der Funktion der völkerrechtlichen Normverifikation als Zwischenverfahren ergibt sich, dass die Verfahrensherrschaft des Bundesverfassungsgerichts insofern beschränkt ist, als das Vorlageverfahren von dem Verlauf des Ausgangsverfahrens abhängig bleibt (vgl. Schorkopf, in: Umbach/Clemens/Dollinger <Hrsg.>,\nBundesverfassungsgerichtsgesetz - Mitarbeiterkommentar, 2. Aufl. 2005, §§ 83, 84,\nRn. 28). Entfällt aufgrund einer Veränderung der tatsächlichen Umstände nachträglich die Entscheidungserheblichkeit der vorgelegten Frage, kann das vorlegende Gericht den Vorlagebeschluss aufheben.\n\n              Hassemer                 Broß                 Osterloh\n\n               Di Fabio             Mellinghoff           Lübbe-Wolff\n\n              Gerhardt                                      Landau\n\n\n\n\n                                         3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 8. März 2007 -\n2 BvM 6/03\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 8. März 2007 - 2 BvM 6/03\n                - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/ms20070308_2bvm000603.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2007:ms20070308.2bvm000603\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-03-08/2-bvm-6-03","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 25","ref_norm":"25","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 100","ref_norm":"100","n":3}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-03-08/2-bvm-6-03","retrieved":"2026-07-10 10:55:51.014068+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2007-03-08/2-bvm-6-03","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Zweiter Senat","date":"2007-03-08","dockets":["2 BvM 6/03"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:ms20070308.2bvm000603","ids":{"doknr":"BVERFG-ms20070308_2bvm000603","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2007:ms20070308.2bvm000603"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 08.03.2007 – 2 BvM 6/03","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2007-03-08/2-bvm-6-03","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfahren haben sich mit der Aufhebung der Vorlagebeschlüsse erledigt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/25","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"25","label":"Art 25 GG","mentions":3},{"id":"GG/100","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"100","label":"Art 100 GG","mentions":3}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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