{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20061213.2bvr148706","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2006-12-13","aktenzeichen":"2 BvR 1487/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1487/06 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn P...,\n\ngegen den Beschluss des Staatsgerichtshofs des Landes Hessen vom 14. Juni\n      2006 – P.St 1910 -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Richter Broß,\n                                  die Richterin Osterloh\n                                  und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 13. Dezember 2006 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, da kein Annahmegrund nach § 93a Abs. 2 BVerfGG vorliegt. Die Verfassungsbeschwerde hat,\nsoweit sie nicht schon unzulässig ist, in der Sache keinen Erfolg.\n\n  1. Soweit der Beschwerdeführer sich mittelbar gegen die gesetzliche Ausgestaltung      2\ndes Wahlrechts in Hessen wendet, ist die Verfassungsbeschwerde nach § 93 Abs. 3\nBVerfGG verfristet. Das zum Zeitpunkt der Erhebung der Verfassungsbeschwerde\nmaßgebliche Gesetz über die Wahlen zum Landtag des Landes Hessen (Landtagswahlgesetz – LWG) in der Fassung vom 19. Februar 1990 (GVBl I S. 58) wurde zuletzt durch das Gesetz vom 1. Oktober 2002 geändert (GVBl I S. 602).\n\n  2. Soweit der Beschwerdeführer vorträgt, den vom Landtag gewählten nicht richterlichen Mitgliedern fehle die notwendige Distanz und Unabhängigkeit gegenüber dem\nGegenstand eines Wahlprüfungsverfahrens, geht diese Rüge fehl. Die Annahme des\nBeschwerdeführers, diese Mitglieder würden zu Beginn jeder neuen Wahlperiode\nneu gewählt werden und seien daher nicht an einer Verkürzung der Legislaturperiode\ninteressiert, da diese zugleich eine Verkürzung ihrer Amtszeit zur Folge hätte, beruht\nauf einem Missverständnis von Art. 130 Abs. 2 der Verfassung des Landes Hessen.\nDie nicht richterlichen Mitglieder werden vielmehr - wie auch der Wortlaut von\nArt. 130 Abs. 2 der Verfassung des Landes Hessen offenbart (\"auf Zeit\" bezieht sich\nausschließlich auf die Richter) - gerade nicht auf Zeit und insbesondere nicht etwa\nnur für die Dauer einer Legislaturperiode, sondern bis zu ihrer Bestätigung oder Ablö-\n\n\n                                          1/3\n\nsung durch Neuwahl gewählt. Ihr Amt überdauert also die Legislaturperiode der\nWahlkörperschaft (vgl. Günther, Verfassungsgerichtsbarkeit in Hessen, 2004, § 2\nRn. 26).\n\n  3. Im Übrigen bleibt der Verfassungsbeschwerde der Erfolg versagt, weil dem Beschwerdeführer kein mit der Verfassungsbeschwerde rügefähiges Recht zur Seite\nsteht (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG). Die Grundsätze der allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahl sind bei Wahlen zu den\nVolksvertretungen in den Ländern von der Bundesverfassung nicht subjektivrechtlich\ngewährleistet. Im Anwendungsbereich von Art. 28 Abs. 1 Satz 2, Art. 38 Abs. 1\nSatz 1 GG scheidet zudem ein Rückgriff auf den allgemeinen Gleichheitssatz des\nArt. 3 Abs. 1 GG aus, da die Länder den subjektiven Schutz des Wahlrechts bei politischen Wahlen in ihrem Verfassungsraum abschließend gewährleisten (vgl. BVerfGE\n99, 1 <7 ff.>). Dementsprechend steht auch den Bürgern - und dies trifft auch auf den\nBeschwerdeführer zu - zur Verteidigung ihres subjektiven Wahlrechts ein Rechtsweg\nzur Verfügung. Das Wahlprüfungsverfahren auf Landesebene ist - den Vorgaben des\nHomogenitätsprinzips in Art. 28 Abs. 1 GG entsprechend - zweistufig ausgestaltet\nund sieht in zweiter Instanz nach dem Einspruchsverfahren beim Landtag eine gerichtliche Kontrolle durch den Staatsgerichtshof vor (vgl. BVerfGE 99, 1 <17 f.>). Dieser verfassungsgerichtliche subjektive Rechtsschutz auf Landesebene entspricht der\nBedeutung des subjektiven Wahlrechts. Ein Mehr ist auch unter dem Gesichtspunkt\nvon Art. 19 Abs. 4 GG nicht geboten, da die Bestimmung keinen subjektiven verfassungsgerichtlichen Rechtsschutz verbürgt (vgl. BVerfGE 1, 332 <344>; 99, 1 <19>).\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     5\n\n                 Broß                  Osterloh              Mellinghoff\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n13. Dezember 2006 - 2 BvR 1487/06\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 13. Dezember 2006 - 2 BvR 1487/06 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20061213_2bvr148706.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20061213.2bvr148706\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-12-13/2-bvr-1487-06","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93","ref_norm":"93","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 28","ref_norm":"28","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 38","ref_norm":"38","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 93","ref_norm":"93","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-12-13/2-bvr-1487-06","retrieved":"2026-07-10 10:55:38.681332+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2006-12-13/2-bvr-1487-06","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2006-12-13","dockets":["2 BvR 1487/06"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20061213.2bvr148706","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20061213.2bvr148706"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 13.12.2006 – 2 BvR 1487/06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-12-13/2-bvr-1487-06","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93","label":"§ 93 BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":1},{"id":"GG/19","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"19","label":"Art 19 GG","mentions":1},{"id":"GG/28","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"28","label":"Art 28 GG","mentions":1},{"id":"GG/38","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"38","label":"Art 38 GG","mentions":1},{"id":"GG/93","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"93","label":"Art 93 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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