{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20061204_1bvr101401","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20061204.1bvr101401","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2006-12-04","aktenzeichen":"1 BvR 1014/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1014/01 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn E...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Theodor Gerlach,\n                    in Sozietät Anwalts- und Notarkanzlei Gerlach,\n                    Bahnhofstraße 12, 27404 Zeven -\ngegen a) den Beschluss des Oberlandesgerichts Celle vom 3. Mai 2001 - 32 Ss 7/\n         01 -,\n\n      b) das Urteil des Amtsgerichts Lüneburg vom 4. September 2000 - 13\n         Ds 502 Js 13049/00 (98/00) -\n\nhat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Präsidenten Papier,\n                                 die Richterin Hohmann-Dennhardt\n                                 und den Richter Hoffmann-Riem\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 4. Dezember 2006 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde betrifft eine strafgerichtliche Verurteilung wegen des      1\nim Anschluss an eine Versammlung getätigten Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.\n\n  Die Annahmevoraussetzungen (§ 93 a Abs. 2 BVerfGG) sind nicht gegeben. Der           2\nBeschwerdeführer kann sich nicht auf Art. 8 GG berufen. Denn dieser gewährleistet\nlediglich das Recht, sich \"friedlich und ohne Waffen\" zu versammeln. Im vorliegenden\nFall hat die Demonstration im Ganzen einen gewalttätigen Verlauf genommen (zu\ndiesem Kriterium vgl. BVerfGE 73, 206 <248>; 87, 399 <406>; 104, 92 <106>). Die\nTeilnehmer beschränkten sich nicht auf die Kundgabe ihres Anliegens, sondern griffen die Polizeibeamten körperlich an, um sie zu verdrängen.\n\n Nach den amtsgerichtlichen Feststellungen antworteten die etwa 60 bis 70 Demonstrationsteilnehmer auf die zwecks Abstimmung des weiteren Weges der unangemeldeten Versammlung ausgesprochene Aufforderung, stehenzubleiben und den\nVersammlungsleiter zu benennen, mit dem gemeinsam skandierten Ruf: \"Wir bleiben\nnicht stehen!\". Sie stürmten auf die daraufhin von etwa sieben bis neun Beamten ge-\n\n\n                                         1/3\n\nbildete Polizeikette los und \"überrannten\" sie, wobei es auch zu Tätlichkeiten kam.\nDieses gemeinschaftliche Handeln des Demonstrationszugs, der die Kette der weit\nin der Unterzahl befindlichen Polizeibeamten gewaltsam durchbrach, führte zu einer\nkollektiven Unfriedlichkeit der Demonstration. Damit fiel sie nicht mehr in den Schutzbereich des Art. 8 Abs. 1 GG.\n\n  Der daraufhin unternommene Versuch der Polizei, einen der Teilnehmer in Gewahrsam zu nehmen, griff daher nicht in das Grundrecht aus Art. 8 GG ein. Gleiches gilt\nfür die an die Rechtmäßigkeit dieser Diensthandlung anknüpfende (§ 113 Abs. 3 und\n§ 125 Abs. 2 StGB) strafgerichtliche Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer\nGeldstrafe wegen Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     6\n\n                                      Hohmann-Papier                                    Hoffmann-Riem\n                                      Dennhardt\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 4. Dezember 2006 - 1 BvR 1014/01\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 4. Dezember 2006 - 1 BvR 1014/01 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20061204_1bvr101401.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20061204.1bvr101401\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2006/12/rk20061204_1bvr101401.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-12-04/1-bvr-1014-01","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 8","ref_norm":"8","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 125","ref_norm":"125","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2006/12/rk20061204_1bvr101401.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2006/12/rk20061204_1bvr101401.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Bereitgestellt über den Corpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (CE-BVerfG) von Seán Fobbe, https://doi.org/10.5281/zenodo.16932395, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0)."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-12-04/1-bvr-1014-01","upstream":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2006/12/rk20061204_1bvr101401.html","retrieved":"2026-07-10 10:55:35.551653+00:00"}}