{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060815.2bvr144106","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2006-08-15","aktenzeichen":"2 BvR 1441/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1441/06 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn E...,\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Christoph Prasse,\n                    Friedrich-Ebert-Straße 120, 48153 Münster -\ngegen a) den Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm vom 18. Mai 2006 - 4 Ss\n         194/06 -\n\n       b) das Urteil des Amtsgerichts Münster vom 16. November 2005 - 20 Cs\n          260 Js 64/05 AK 116/05 -\n\nhat die 1. Kammer des zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                  die Richter Di Fabio\n                                  und Landau\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 15. August 2006 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil ein             1\nAnnahmegrund gemäß § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegt. Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>); sie ist unbegründet.\n\n  1. Es war aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht geboten, von einer Verurteilung des Beschwerdeführers zu Strafe abzusehen. Dass der Gesetzgeber den Erwerb von Cannabisprodukten in § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BtMG unter Strafe gestellt\nhat, ist mit dem Grundgesetz vereinbar (vgl. BVerfGE 90, 145 <187>; zuletzt auch\nBeschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom\n30. Juni 2005 - 2 BvR 1772/02 -, juris = BVerfG-K 5, 365 ff.). Grundsätzlich strafbewehrt ist damit auch der Erwerb geringer oder geringster Mengen von Haschisch zum\nEigenverbrauch. Allerdings können beim Ankauf geringfügiger Mengen von Betäubungsmitteln Gründe der Verhältnismäßigkeit dafür sprechen, von der Verfolgung der\nTat nach § 31 a BtMG oder von der Verhängung von Strafe nach § 29 Abs. 5 BtMG\nabzusehen (vgl. BVerfGE 90, 145 <189>).\n\n\n\n\n                                         1/3\n\n 2. Für eine Verfahrenseinstellung gemäß § 31 a BtMG war hier schon deshalb kein         3\nRaum, weil diese von der Zustimmung der Staatsanwaltschaft abhängig ist und eine\nsolche Zustimmung - soweit ersichtlich - in keinem Verfahrensstadium erteilt wurde.\n\n 3. Für das Amtsgericht bestand auch nicht das verfassungsrechtliche Gebot, nach         4\n§ 29 Abs. 5 BtMG von einer Bestrafung des Beschwerdeführers abzusehen.\n\n a) § 29 Abs. 5 BtMG ist eine materiellrechtliche Strafzumessungsnorm, die - ungeachtet eines etwaigen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung - unter anderem\nbeim Erwerb geringer Mengen von Betäubungsmitteln ein Absehen von Strafe ermöglicht, wenn ein Strafbedürfnis nicht gegeben ist (vgl. Körner, BtMG, 5. Aufl. 2001,\nRn. 1640 zu § 29 BtMG).\n\n  b) Ein solches Strafbedürfnis haben die Fachgerichte hier daraus hergeleitet, dass     6\nder Beschwerdeführer strafrechtlich zeitnah und einschlägig vorbestraft ist. Gegen\ndiese Entscheidung der Gerichte ist von Verfassungs wegen nichts zu erinnern. Wie\nim allgemeinen Strafrecht geben auch im Betäubungsmittelstrafrecht Vorbelastungen\ndes Angeklagten - insbesondere dann, wenn sie einschlägig sind - den Gerichten im\nRegelfall Veranlassung, auch bei Taten mit geringem Schuldgehalt auf Strafe zu erkennen (vgl. Körner, a.a.O., Rn. 1675). Willkür bei der Rechtsanwendung ist nicht zu\nerkennen, zumal die vom Beschwerdeführer herangezogenen Verwaltungsvorschriften zu Fragen des Eigenverbrauchs und des Gelegenheitskonsums die nach Art. 97\nAbs. 1 GG unabhängigen Gerichten nicht zu binden vermögen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    7\n\n              Hassemer                Di Fabio                Landau\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n15. August 2006 - 2 BvR 1441/06\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 15. August 2006 - 2 BvR 1441/06 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20060815_2bvr144106.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060815.2bvr144106\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-08-15/2-bvr-1441-06","cited_norms":[{"jurabk":"BtMG 1981","ref":"§ 29","ref_norm":"29","n":5},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BtMG 1981","ref":"§ 31a","ref_norm":"31a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 97","ref_norm":"97","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-08-15/2-bvr-1441-06","retrieved":"2026-07-10 10:55:20.708258+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2006-08-15/2-bvr-1441-06","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2006-08-15","dockets":["2 BvR 1441/06"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060815.2bvr144106","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060815.2bvr144106"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 15.08.2006 – 2 BvR 1441/06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-08-15/2-bvr-1441-06","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BtMG 1981/29","law":"BtMG 1981","abbreviation":"BtMG 1981","ref":"29","label":"§ 29 BtMG 1981","mentions":5},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BtMG 1981/31a","law":"BtMG 1981","abbreviation":"BtMG 1981","ref":"31a","label":"§ 31a BtMG 1981","mentions":2},{"id":"GG/97","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"97","label":"Art 97 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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