{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060327.1bvr018106","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2006-03-27","aktenzeichen":"1 BvR 181/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 181/06 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder Frau G. ,\n\ngegen die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs vom 16. Dezember 2005 – Vf. 129-VI-04 -\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Präsidenten Papier\n                                 und die Richter Steiner,\n                                 Gaier\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 27. März 2006 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde betrifft einen erbrechtlichen Sachverhalt.                 1\n\n                                        I.\n Landgericht und Oberlandesgericht versagten der Beschwerdeführerin einen             2\nPflichtteilsanspruch wegen gemäß § 2315 BGB anzurechnender Zuwendungen\n(Grundstücke und eine Brauerei-Unterbeteiligung). Dabei hielten sie in notariellen\nÜberlassungsverträgen enthaltene Anrechnungsbestimmungen für wirksam, nach\ndenen die Werte der Zuwendungen nach den Wertverhältnissen beim Erbfall beziehungsweise für den Fall einer vor diesem Zeitpunkt stattfindenden Veräußerung nach\nden erzielten Veräußerungserlösen zu bemessen waren. Die Landesverfassungsbeschwerde der Beschwerdeführerin wies der Bayerische Verfassungsgerichtshof ab.\nAusschließlich hiergegen richtet sich die Verfassungsbeschwerde, mit der die Beschwerdeführerin die Verletzung des aus Art. 3 Abs. 1 GG folgenden Willkürverbotes\nrügt.\n\n                                        II.\n  Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>). Grundsätzliche\nverfassungsrechtliche Bedeutung im Sinn des § 93 a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG\nist nicht gegeben. Die Annahme der Verfassungsbeschwerde ist auch nicht zur\nDurchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte der Beschwerdeführe-\n\n\n                                        1/3\n\nrin angezeigt (§ 93 a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG), denn die Verfassungsbeschwerde hat keine Erfolgsaussicht.\n\n  Die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, mit der insbesondere         4\nVerletzungen des Willkürverbots aus Art. 118 Abs. 1 der Bayerischen Verfassung\ndurch die ordentlichen Gerichte verneint wurden, ist nicht willkürlich im Sinne des\nArt. 3 Abs. 1 GG. Das folgt schon daraus, dass die fachgerichtlichen Entscheidungen\nihrerseits keinen Verstoß gegen das Willkürverbot erkennen lassen.\n\n  Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist es verfassungsrechtlich nicht       5\nzu beanstanden, dass Landgericht und Oberlandesgericht den vom Gesetzeswortlaut des § 2315 Abs. 2 Satz 2 BGB abweichenden Bewertungsstichtag gebilligt haben. Denn sie sind dabei einer von weiten Teilen der Literatur vertretenen Meinung\ngefolgt. Danach kann der Erblasser grundsätzlich von § 2315 Abs. 2 Satz 2 BGB abweichen, wobei dann, wenn die Bestimmung zu einem höheren anzurechnenden\nWert führt, die Form des Erb- bzw. Pflichtteilsverzichts gewahrt sein muss (vgl. Staudinger/Haas, BGB [1998], § 2315 Rn. 54, 41 ff.; Soergel/Dieckmann, BGB, 13. Aufl.,\n2002, § 2315 Rn. 11; Damrau/ Riedel/Lenz, Praxiskommentar Erbrecht, 2004,\n§ 2315 Rn. 10; MünchKommBGB/Lange, 4. Aufl., 2004, § 2315 Rn. 14; nach anderer\nAnsicht soll eine solche Wertfestsetzung sogar formfrei möglich sein, vgl. Ebenroth/\nBacher/Lorz, JZ 1991, S. 277 <281 f.>). Diese Formerfordernisse hat das Oberlandesgericht als erfüllt angesehen, ohne dass dagegen von Verfassungs wegen etwas\nzu erinnern wäre. Demnach war es jedenfalls sehr gut vertretbar und keinesfalls willkürlich, die Anrechnungsbestimmungen unabhängig davon, ob sie zu höheren Anrechnungswerten als § 2315 Abs. 2 Satz 2 BGB führten, für wirksam zu halten.\n\n  Ebenso wenig trifft die Feststellung der ordentlichen Gerichte auf verfassungsrechtliche Bedenken, dass durch die konkrete Anrechungsbestimmung der Pflichtteil der\nBeschwerdeführerin nicht reduziert worden sei. Schließlich erfüllt es nicht den Tatbestand objektiver Willkür, dass das Oberlandesgericht die Voraussetzungen des § 522\nAbs. 2 ZPO für gegeben erachtet hat.\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    8\n\n                Papier                 Steiner                 Gaier\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n27. März 2006 - 1 BvR 181/06\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n                27. März 2006 - 1 BvR 181/06 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20060327_1bvr018106.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060327.1bvr018106\n\n\n\n\n                                        3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-03-27/1-bvr-181-06","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 2315","ref_norm":"2315","n":4},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-03-27/1-bvr-181-06","retrieved":"2026-07-10 10:54:47.338541+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2006-03-27/1-bvr-181-06","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2006-03-27","dockets":["1 BvR 181/06"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060327.1bvr018106","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060327.1bvr018106"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 27.03.2006 – 1 BvR 181/06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-03-27/1-bvr-181-06","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BGB/2315","law":"BGB","abbreviation":"BGB","ref":"2315","label":"§ 2315 BGB","mentions":4},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":3},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"ZPO/522","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"522","label":"§ 522 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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