{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060214.2bvr010906","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2006-02-14","aktenzeichen":"2 BvR 109/06","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 109/06 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn A ...\n\n- Bevollmächtigte:1. Rechtsanwalt Georg Zengerle,\n                     Königsstraße 33, 89407 Dillingen,\n                   2. Rechtanwalt Dr. Ulrich Sommer,\n                      Zülpicher Straße 83, 50937 Köln -\n\ngegen das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 13. Dezember 2005 - 1 StR 410/05\n      -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                  die Richter Di Fabio\n                                  und Landau\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 14. Februar 2006 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, da ein Annahmegrund gemäß § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegt. Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig. Sie ist nicht ausreichend begründet im Sinne der §§ 23 Abs. 1, 92\nBVerfGG.\n\n  Hat das Bundesverfassungsgericht zu einer vom Beschwerdeführer aufgeworfenen         2\nverfassungsrechtlichen Problematik bereits Stellung genommen, gehört die substantiierte Auseinandersetzung mit den Gründen der ergangenen bundesverfassungsgerichtlichen Entscheidung zum notwendigen Inhalt der Beschwerdebegründung (vgl.\nBVerfGE 102, 147 <164>). Nicht ausreichend ist - wie vorliegend - die bloße Behauptung, der Entscheidungsinhalt sei durch neuere Judikate möglicherweise überholt.\n\n  Das Bundesverfassungsgericht hat die seit 1966 im Kern unverändert gebliebene        3\nBefugnis der Revisionsgerichte, nach Aufhebung eines tatrichterlichen Urteils das\nStrafverfahren statt an das Ausgangsgericht an ein anderes gleichgeordnetes Tatgericht zurück zu verweisen, als verfassungskonform angesehen (vgl. BVerfGE 20,\n336 ff.). An der Praxis der Revisionsgerichte, ihre Zuweisungsentscheidung in der\n\n\n\n                                         1/3\n\nRegel nicht zu begründen, hat es dabei keinen Anstoß genommen (vgl. BVerfGE,\na.a.O. <343>). Für unbedenklich hat das Bundesverfassungsgericht mit Blick auf\nArt. 101 Abs. 1 Satz 2 GG die Zuweisungsbefugnis der Revisionsgerichte deshalb erachtet, weil sie ein Mittel sei, durch Auswahl des geeigneten Tatgerichts die Rechtsauffassung der Rechtsmittelinstanz durchzusetzen (vgl. BVerfGE, a.a.O. <345 f.>).\nMit dieser Argumentation setzt sich die Verfassungsbeschwerde nicht auseinander.\n\n  Der Rüge, die Zuweisungsentscheidung des Bundesgerichtshofs sei willkürlich gewesen, steht der aus § 90 Abs. 2 BVerfGG folgende Grundsatz der Subsidiarität des\nverfassungsgerichtlichen Verfahrens entgegen. Dieser fordert vom Beschwerdeführer, bereits im fachgerichtlichen Verfahren alles ihm Mögliche zu tun, damit eine\nGrundrechtsverletzung durch die zur Entscheidung berufenen Gerichte unterbleibt\n(vgl. BVerfGE 81, 97 <102 f.>; 107, 395 <414>).\n\n  Der Beschwerdeführer war seit Beginn des Revisionsverfahrens mit dem Antrag der       5\nStaatsanwaltschaft konfrontiert, im Falle einer Urteilsaufhebung das Strafverfahren\nnicht an das Landgericht Memmingen, sondern an ein anderes Landgericht zurückzuverweisen. Dieser Antrag wurde vom Sitzungsvertreter der Bundesanwaltschaft in\nder Revisionshauptverhandlung wiederholt. Angesichts dessen lag es nicht fern,\ndass der Bundesgerichtshof den Anträgen folgen könnte. Gleichwohl ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer spätestens in der Revisionshauptverhandlung versucht hätte, den von den Staatsanwaltschaften angebrachten Anträgen durch rechtliche Ausführungen argumentativ zu begegnen.\n\n Soweit in dem Vorbringen des Beschwerdeführers zur fehlenden Begründung der            6\nZuweisungsentscheidung des Bundesgerichtshofs zugleich die Rüge liegen sollte,\nArt. 103 Abs. 1 GG sei verletzt, stünde dieser Rüge ebenfalls der Grundsatz der Subsidiarität entgegen. Dem Beschwerdevorbringen ist nicht zu entnehmen, dass der\nBeschwerdeführer das Verfahren nach § 356 a StPO betrieben hätte.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                   7\n\n              Hassemer                Di Fabio               Landau\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n14. Februar 2006 - 2 BvR 109/06\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 14. Februar 2006 - 2 BvR 109/06 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20060214_2bvr010906.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060214.2bvr010906\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-02-14/2-bvr-109-06","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 356a","ref_norm":"356a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-02-14/2-bvr-109-06","retrieved":"2026-07-10 10:54:39.381423+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2006-02-14/2-bvr-109-06","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2006-02-14","dockets":["2 BvR 109/06"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060214.2bvr010906","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060214.2bvr010906"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 14.02.2006 – 2 BvR 109/06","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-02-14/2-bvr-109-06","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/101","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"101","label":"Art 101 GG","mentions":1},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":1},{"id":"StPO/356a","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"356a","label":"§ 356a StPO","mentions":1},{"id":"BVerfGG/23","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"23","label":"§ 23 BVerfGG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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