{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060119.1bvr190405","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2006-01-19","aktenzeichen":"1 BvR 1904/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1904/05 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder Frau W. ,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte G..., -\ngegen die überlange Verfahrensdauer im Verfahren 2 U 16/01 des Hanseatischen\n      Oberlandesgerichts Hamburg\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Präsidenten Papier\n                                 und die Richter Steiner,\n                                 Gaier\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 19. Januar 2006 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDer Beschwerdeführerin wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 500 € (in Worten: fünfhundert Euro) auferlegt.\n\n                                     Gründe:\n  1. Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil die        1\nAnnahmevoraussetzungen des § 93 a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Die Verfassungsbeschwerde genügt nicht dem Begründungserfordernis der § 23 Abs. 1 Satz 2,\n§ 92 BVerfGG, denn die allein gerügte Verletzung des durch Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 GG garantierten wirkungsvollen gerichtlichen Rechtsschutzes\nist nicht substantiiert dargelegt.\n\n Die Behauptung der Beschwerdeführerin, die Sache berge keine Schwierigkeiten          2\nrechtlicher oder tatsächlicher Art, lässt sich mangels Vorlage des erstinstanzlichen\nUrteils, der Berufungsbegründung oder der weiteren Schriftsätze in der Berufungsinstanz in keiner Weise nachvollziehen. Ob das Oberlandesgericht zum Beispiel Hinweise gegeben oder Fristen zu Stellungnahmen gesetzt hat, ist den Ausführungen in\nder Verfassungsbeschwerde nicht zu entnehmen. Inwiefern die Beschwerdeführerin\nselbst – über die einmalige Bitte hinaus, dem Verfahren Fortgang zu geben - auf eine\nVerfahrensbeschleunigung hingewirkt hat, bleibt im Dunkeln.\n\n 2. Die Verfassungsbeschwerde ist rechtsmissbräuchlich im Sinn von § 34 Abs. 2         3\nBVerfGG. Nach dieser Vorschrift kann das Bundesverfassungsgericht eine Gebühr\nvon bis zu 2.600 € auferlegen, wenn die Einlegung der Verfassungsbeschwerde ei-\n\n\n                                           1/3\n\nnen Missbrauch darstellt.\n\n  Ein solcher liegt unter anderem dann vor, wenn in der Verfassungsbeschwerde zumindest leichtfertig unrichtige Angaben gemacht werden, die zudem noch Ermittlungen des Gerichts auslösen (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 11. September 2001 – 1 BvR 305/01 – NJW 2002, S. 955), oder ein\nBeschwerdeführer versucht, dem Bundesverfassungsgericht die Kenntnis eines offensichtlich bedeutsamen Teils des Ausgangsverfahrens vorzuenthalten. Denn das\nzeigt, dass das mit der Einlegung der Verfassungsbeschwerde verfolgte Ziel nicht die\nverfassungsgemäße Sicherung von Grundrechten war, sondern die Durchsetzung\nder Interessen des Beschwerdeführers unabhängig von der tatsächlichen Sachlage\n(vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 16. August 1994\n- 2 BvR 983/94 u.a. - NJW 1995, S. 385).\n\n So liegt der Fall hier. Die Beschwerdeführerin hat die Vergleichsverhandlungen zwischen den Parteien und das dadurch bedingte \"Ruhen\" des Verfahrens sowie das\nParallelverfahren vor dem Oberlandesgericht und die dort erfolgte mündliche Verhandlung – in der es auch um das hiesige Ausgangsverfahren ging – verschwiegen.\nDurch das Verschweigen dieser wesentlichen Umstände wollte sie den Eindruck einer Verfahrensverzögerung durch das Ausgangsgericht erwecken. Sie hat dadurch\nein Tätigwerden des Bundesverfassungsgerichts – nämlich eine Sachstandsanfrage\nbeim Oberlandesgericht – erreicht und die Arbeitskapazität des Bundesverfassungsgerichts in unvertretbarer Weise in Anspruch genommen.\n\n Der Höhe nach erscheinen 500 € als ebenso erforderlich wie ausreichend, um einem derartigen Missbrauch entgegen zu wirken.\n\n Von einer weiteren Begründung der Entscheidung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3        7\nBVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                  8\n\n                Papier                Steiner                Gaier\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n19. Januar 2006 - 1 BvR 1904/05\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 19. Januar 2006 - 1 BvR 1904/05 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20060119_1bvr190405.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060119.1bvr190405\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-01-19/1-bvr-1904-05","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 20","ref_norm":"20","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-01-19/1-bvr-1904-05","retrieved":"2026-07-10 10:54:34.799490+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2006-01-19/1-bvr-1904-05","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2006-01-19","dockets":["1 BvR 1904/05"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060119.1bvr190405","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2006:rk20060119.1bvr190405"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 19.01.2006 – 1 BvR 1904/05","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2006-01-19/1-bvr-1904-05","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDer Beschwerdeführerin wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 500 € (in Worten: fünfhundert Euro) auferlegt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/20","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"20","label":"Art 20 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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