{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20051215_2bvr130703","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2005:rk20051215.2bvr130703","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2005-12-15","aktenzeichen":"2 BvR 1307/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1307/03 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn A...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Jochen Hofmann-Hoeppel,\n                    Allerseeweg 18, 97204 Höchberg -\ngegen die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs vom 24. Juni\n      2003 - Vf. 32-VI-02 -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                  die Richter Di Fabio\n                                  und Landau\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 15. Dezember 2005 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                          I.\n Der Beschwerdeführer rügt, der Bayerische Verfassungsgerichtshof habe über seine Verfassungsbeschwerde in falscher Besetzung entschieden und hierdurch\nArt. 101 Abs. 1 Satz 2 GG verletzt. Gemäß Art. 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 i.V.m. Art. 2\nNr. 6 des Gesetzes über den Bayerischen Verfassungsgerichtshof (im Folgenden:\nVfGHG) entscheidet der Verfassungsgerichtshof über Verfassungsbeschwerden\ndurch den Präsidenten, drei berufsrichterliche und fünf weitere Mitglieder. Der VI.\nSpruchgruppe, die auch über die Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers\nentschieden hat, gehörte neben den drei berufsrichterlichen Mitgliedern K., H. und D.\nals weiteres Mitglied der Präsident des VG Würzburg von G. an.\n\n  Aus den Vorschriften des Verfassungsgerichtshofgesetzes, die zwischen berufsrichterlichen und weiteren Mitgliedern differenzieren, leitet der Beschwerdeführer her,\nletztere dürften keine Berufsrichter sein.\n\n                                          II.\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen. Ihr kommt              3\nweder grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu noch ist ihre Annahme zur\nDurchsetzung der als verletzt gerügten Rechte des Beschwerdeführers angezeigt.\nSie ist offensichtlich unbegründet.\n\n\n\n                                          1/4\n\n 1. \"Gesetzlicher Richter\" i.S.d. Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG sind sowohl der jeweilige     4\nSpruchkörper wie auch jeder an der Entscheidung mitwirkende einzelne Richter (vgl.\nBVerfGE 40, 356 <361>; 65, 152 <154>). Die Vorschrift bietet jedoch nur Schutz gegen Willkür, nicht gegen jede fehlerhafte Anwendung einer Prozessordnung (vgl.\nBVerfGE 101, 331 <359 f.>; stRspr).\n\n 2. Die Wahl des Richters von G. zum weiteren Mitglied des Verfassungsgerichtshofs wird von den Vorschriften des Verfassungsgerichtshofgesetzes gedeckt. Dafür,\ndass mit der Unterscheidung zwischen berufsrichterlichen und weiteren Mitgliedern\nder Ausschluss von Berufsrichtern bezweckt ist, bestehen keine Anhaltspunkte.\n\n a) Diese Differenzierung war bereits in § 70 der Bayerischen Verfassung von 1919         6\nenthalten. Sie beruhte darauf, dass die richterlichen Mitglieder von den Präsidenten\ndes Verwaltungsgerichtshofs und des Obersten Landesgerichts auf die Dauer ihres\nHauptamts ernannt, die weiteren Mitglieder hingegen vom Landtag für die Dauer der\nLegislaturperiode gewählt wurden. Sie erfolgte damit nicht wegen Unterschieden in\nder Qualifikation oder Herkunft, sondern diente der Kompetenzabgrenzung für die\nBerufung.\n\n  Nach Art. 68 der Verfassung des Freistaates Bayern werden sowohl die berufsrichterlichen als auch die weiteren Mitglieder des Verfassungsgerichtshofs vom Landtag\ngewählt. Die berufsrichterlichen Mitglieder können jedoch gemäß Art. 6 VfGHG auch\nvom Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs und der Staatsregierung, die weiteren\nMitglieder hingegen nur vom Landtag vorgeschlagen werden. Die beiden Gruppen\nunterscheiden sich weiter dadurch, dass gemäß Art. 4 VfGHG die berufsrichterlichen\nMitglieder auf acht Jahre, die weiteren Mitglieder und ihre Vertreter hingegen nur für\ndie Dauer der Legislaturperiode und nach den Grundsätzen des Verhältniswahlrechts\ngewählt werden. Mit der Aufspaltung soll dem Gebot der verfassungsgerichtlichen\nKontinuität Rechnung getragen und das (partei-)politische Kräfteverhältnis des jeweiligen Landtags berücksichtigt werden.\n\n  b) Die Wahl eines Berufsrichters zu einem weiteren Mitglied des Verfassungsgerichtshofs ist mit den vorstehenden Grundsätzen vereinbar. Daraus, dass nach Art. 5\nVfGHG auch die weiteren Mitglieder die Befähigung zum Richteramt haben oder Professor an einer juristischen Fakultät sein sollen, folgt, dass Voraussetzung auch ihrer\nWahl ihre juristische Qualifikation ist (vgl. Schweiger, in: Nawiasky, Die Verfassung\ndes Freistaats Bayern, Art. 68 Rn. 4c). Gründe, einen Berufsrichter hiervon auszuschließen, sind nicht ersichtlich, zumal der Grund für seine Ernennung als weiteres\nMitglied nicht seine berufsrichterliche Stellung, sondern sein (auch) politischer Sachverstand ist (vgl. Knöpfle, Die Verfassung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs,\nS. 51 f.).\n\n Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass das Gesetz Inkompatibilitäten in Art. 5        9\nAbs. 2 VfGHG ausdrücklich benennt. Dies begründet die Vermutung, dass weitere\nUnvereinbarkeitsregelungen, so sie gewollt wären, ebenso eindeutig zum Ausdruck\ngebracht worden wären. Einer eindeutigen Regelung hätte es auch im Hinblick dar-\n\n\n                                          2/4\n\nauf bedurft, dass Art. 5 Abs. 1 Satz 3 VfGHG die Wahl von Hochschullehrern ausdrücklich zulässt, obwohl auch diese gemäß Art. 11 Bayerisches Richtergesetz zu\nRichtern auf Lebenszeit an einem bayerischen Gericht ernannt werden können.\n\n                                        III.\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                             10\n\n             Hassemer               Di Fabio             Landau\n\n\n\n\n                                         3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n15. Dezember 2005 - 2 BvR 1307/03\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 15. Dezember 2005 - 2 BvR 1307/03 - Rn. (1 - 10), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20051215_2bvr130703.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2005:rk20051215.2bvr130703\n\n\n\n\n                                     4/4\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2005/12/rk20051215_2bvr130703.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2005-12-15/2-bvr-1307-03","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":2},{"jurabk":"VfGHG","ref":"Art 5","ref_norm":"5","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"VfGHG","ref":"Art 4","ref_norm":"4","n":1},{"jurabk":"VfGHG","ref":"Art 6","ref_norm":"6","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2005/12/rk20051215_2bvr130703.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2005/12/rk20051215_2bvr130703.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. 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