{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20041209_2bvr231404","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20041209.2bvr231404","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2004-12-09","aktenzeichen":"2 BvR 2314/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 2314/04 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn B...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Hans-Heinrich Schweppe und Koll.,\n                   Sternstraße 40, 67063 Ludwigshafen -\ngegen a) den Beschluss des Landgerichts Mainz vom 8. November 2004 - 1 Qs\n         212/04 -,\n\n       b) den Beschluss des Amtsgerichts Worms vom 29. September 2004 - 2\n          BRs 61/04 -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                  die Richterin Osterloh\n                                  und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 9. Dezember 2004 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil ein Annahmegrund nach § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegt. Die Verfassungsbeschwerde\nhat keine Aussicht auf Erfolg.\n\n  Die angegriffenen Entscheidungen verletzen keine Grundrechte des Beschwerdeführers. Sie verstoßen insbesondere nicht gegen die Unschuldsvermutung.\n\n 1. Die im Rechtsstaatsprinzip wurzelnde, Verfassungsrang beanspruchende Unschuldsvermutung (vgl. auch Art. 6 Abs. 2 EMRK) enthält - wie auch das Recht des\nBeschuldigten auf ein faires, rechtsstaatliches Verfahren - keine in allen Einzelheiten\nbestimmten Ge- und Verbote; ihre Auswirkungen auf das Verfahrensrecht bedürfen\nvielmehr der Konkretisierung je nach den sachlichen Gegebenheiten. Dies ist grundsätzlich Sache des Gesetzgebers (vgl. BVerfGE 74, 358 <372>; Beschlüsse der\n2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 6. Dezember\n1989 – 2 BvR 1741/89 -, NStZ 1991, S. 30 <31>, und vom 21. April 1993 – 2 BvR\n1706/92 -, NJW 1994, S. 377). Allerdings spricht vieles dafür, dass mit Blick auf die\nUnschuldsvermutung von Verfassungs wegen der Widerruf der Strafaussetzung zur\nBewährung nach § 56f Abs. 1 Nr. 1 StGB wegen einer neuen Straftat regelmäßig vor-\n\n\n                                          1/3\n\naussetzt, dass der Täter wegen dieser neuen Straftat verurteilt worden ist (vgl.\nEGMR, Urteil vom 3. Oktober 2002, NJW 2004, S. 43 ff.).\n\n  2. Diese Frage bedarf hier jedoch keiner Entscheidung. Der Widerruf der Strafaussetzung wegen einer neuen Tat des Betroffenen ist jedenfalls auch ohne deren Aburteilung zulässig und widerstreitet insoweit nicht der Unschuldsvermutung, wenn der\nBetroffene - wie der Beschwerdeführer entsprechend den nicht angegriffenen Feststellungen des Landgerichts Mainz - die neue Straftat glaubhaft gestanden hat (vgl.\nOLG Köln, NStZ 2004, S. 685 f.; OLG Düsseldorf, NJW 2004, S. 790; OLG Nürnberg,\nNZV 2004, S. 540). Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat in seinem Urteil ausdrücklich hervorgehoben, dass der entschiedene Einzelfall keine Entsprechung zu einem vorangegangenen Fall aufweise, in dem der Widerruf der Strafaussetzung auf das Schuldgeständnis des Betroffenen zurückzuführen gewesen sei\n(vgl. EGMR, NJW 2004, S. 43 <45>).\n\n  3. Ein Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit kann nicht festgestellt    5\nwerden. Zwar stehen Anlasstaten geringen Gewichts einer günstigen Prognose nicht\nstets entgegen (vgl. Tröndle/Fischer, StGB, 52. Aufl., § 56f Rn. 8a m.w.N.). Von Verfassungs wegen ist aber nichts dagegen zu erinnern, dass die Fachgerichte bei ihren\nEntscheidungen die Einschlägigkeit des Rückfalls in die Delinquenz sowie die besonders hohe Rückfallgeschwindigkeit berücksichtigt haben. Der Beschwerdeführer beging die Anlasstat wenige Tage, nachdem er zu der nunmehr widerrufenen Bewährungsstrafe verurteilt worden war.\n\n Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).            6\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                   7\n\n              Hassemer                Osterloh             Mellinghoff\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n9. Dezember 2004 - 2 BvR 2314/04\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 9. Dezember 2004 - 2 BvR 2314/04 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20041209_2bvr231404.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20041209.2bvr231404\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-12-09/2-bvr-2314-04","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 56f","ref_norm":"56f","n":1},{"jurabk":"EMRK","ref":"Art 6","ref_norm":"6","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-12-09/2-bvr-2314-04","retrieved":"2026-07-10 10:53:24.212732+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2004-12-09/2-bvr-2314-04","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2004-12-09","dockets":["2 BvR 2314/04"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20041209.2bvr231404","ids":{"doknr":"BVERFG-rk20041209_2bvr231404","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20041209.2bvr231404"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 09.12.2004 – 2 BvR 2314/04","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-12-09/2-bvr-2314-04","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"StGB/56f","law":"StGB","abbreviation":"StGB","ref":"56f","label":"§ 56f StGB","mentions":1},{"id":"EMRK/6","law":"EMRK","abbreviation":"EMRK","ref":"6","label":"Art 6 EMRK","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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