{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040329.1bvr049204","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2004-03-29","aktenzeichen":"1 BvR 492/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 492/04 -\n\n                               In dem Verfahren\n                                     über\n                         die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn G...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Frank Sieger und Koll.,\n                   Duisburger Straße 272, 45478 Mülheim an der Ruhr -\n1. unmittelbar gegen\n\na) den Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 15. Januar 2004\n   - 24 ZB 03.2116 -,\n\nb) das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts Würzburg vom 25. Juli 2003 -\n   W 5 K 02.1465 -,\n\nc) den Widerspruchsbescheid des Landratsamtes Kitzingen vom 5. November\n   2002 - 35-131/10.7 -,\n\nd) den Bescheid der Verwaltungsgemeinschaft Volkach vom 10. Juli 2002 - Dokument 2 -,\n\n2. mittelbar gegen\nArt. 37 des bayerischen Gesetzes über das Landesstrafrecht und das Verordnungsrecht auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Landesstraf- und\nVerordnungsgesetz - LStVG) in der Fassung der Gesetzes vom 10. Juni 1992\n(GVBl S. 152) und § 1 der Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität\nund Gefährlichkeit in der Fassung der Verordnung vom 4. September 2002 (GVBl S.\n513)\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungs- gerichts durch\n                                die Richterin Jaeger\n                                und die Richter Hömig,\n                                Bryde\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 29. März 2004 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n 1. Die Verfassungsbeschwerde betrifft mittelbar die Verfassungsmäßigkeit von     1\nArt. 37 des bayerischen Gesetzes über das Landesstrafrecht und das Verordnungsrecht auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Fassung des\n\n\n                                       1/4\n\nGesetzes vom 10. Juni 1992 (GVBl S. 152) und vor allem des § 1 Abs. 1 der Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit in der Fassung\nder Verordnung vom 4. September 2002 (GVBl S. 513; im Folgenden: Kampfhundeverordnung), wonach, wer - wie der Beschwerdeführer - einen Hund der Rasse\nAmerican Staffordshire Terrier halten will, der Erlaubnis bedarf. Der Antrag des Beschwerdeführers, ihm eine solche Erlaubnis zu erteilen, blieb im Ausgangsverfahren\nohne Erfolg. Der Beschwerdeführer sieht darin einen Verstoß gegen Art. 3 Abs. 1\nGG, weil in § 1 Abs. 1 Kampfhundeverordnung Hunde wie insbesondere der Deutsche Schäferhund nicht aufgenommen worden seien. Die angegriffenen Gerichtsentscheidungen verletzten außerdem Art. 101 Abs. 1 Satz 2 und Art. 103 Abs. 1 GG.\n\n 2. Die Annahmevoraussetzungen des § 93 a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor.             2\n\n a) Der rechtzeitig eingegangenen Verfassungsbeschwerde kommt grundsätzliche           3\nverfassungsrechtliche Bedeutung nicht zu. Die für ihre Beurteilung maßgeblichen\nverfassungsrechtlichen Fragen sind vom Bundesverfassungsgericht schon entschieden (vgl. BVerfGE 79, 51 <62>; 82, 159 <194>; Urteil vom 16. März 2004 - 1 BvR\n1778/01 -).\n\n b) Die Annahme der Verfassungsbeschwerde ist auch nicht zur Durchsetzung der          4\nvom Beschwerdeführer als verletzt gerügten Verfassungsrechte angezeigt. Denn die\nVerfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg (vgl. BVerfGE 90, 22 <25 f.>).\n\n  aa) Die Rüge eines Verstoßes gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3        5\nAbs. 1 GG beschränkt sich auf den Vortrag, die Gleichheitsverletzung liege darin,\ndass die Gefährlichkeitsvermutung in § 1 Abs. 1 Kampfhundeverordnung zwar für\nHunde der vom Beschwerdeführer gehaltenen Rasse gelte, nicht aber für Hunde wie\ninsbesondere den Deutschen Schäferhund, der in den Beißstatistiken vorn liege und\nschwerste Verletzungen hinterlasse. Dieses Vorbringen führt nicht zur Verfassungswidrigkeit der genannten Regelung. Wie sich im Einzelnen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 16. März 2004 - 1 BvR 1778/01 - zum (Bundes-)Gesetz\nzur Bekämpfung gefährlicher Hunde vom 12. April 2001 (BGBl I S. 530) ergibt, ist es\nmit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar, wenn zur Bestimmung der Gefährlichkeit eines Hundes der Rasse American Staffordshire Terrier an die Zugehörigkeit zu dieser Rasse\nangeknüpft wird. Es gibt hinreichend sichere Anhaltspunkte dafür, dass solche Hunde für Leib und Leben von Menschen in besonderer Weise gefährlich sind. Auch die\nAnnahme, dass bei Hunden anderer Rassen wie dem Deutschen Schäferhund eine\ngeringere Gefährlichkeit gegeben ist, ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden\n(vgl. Urteil, Umdruck S. 47).\n\n  Wie der Bundesgesetzgeber (vgl. dazu das genannte Urteil, Umdruck, S. 44, 48 f.)     6\nist allerdings auch der Landesverordnungsgeber verpflichtet, das Beißverhalten von\nHunden zu beobachten und gegebenenfalls neu zu bewerten. Sollte sich dabei ergeben, dass Hunde anderer Rassen im Verhältnis zu ihrer Population vergleichbar häufig auffällig sind wie Hunde der vom Beschwerdeführer gehaltenen und unter § 1 Abs.\n1 Kampfhundeverordnung fallenden Rasse, könnte diese Vorschrift in ihrer gegen-\n\n\n                                         2/4\n\nwärtigen Fassung nicht länger aufrechterhalten werden. Sie wäre vielmehr den neuen Erkenntnissen anzupassen.\n\n bb) Auch für einen Verstoß gegen die grundrechtsgleichen Verfahrensrechte des      7\nArt. 101 Abs. 1 Satz 2 und des Art. 103 Abs. 1 GG lassen sich dem Beschwerdevorbringen Anhaltspunkte nicht entnehmen. Von einer Begründung wird insoweit gemäß\n§ 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar (§ 93 d Abs. 1 Satz 2 BVerfGG).                8\n\n               Jaeger                Hömig                 Bryde\n\n\n\n\n                                       3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n29. März 2004 - 1 BvR 492/04\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n                29. März 2004 - 1 BvR 492/04 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20040329_1bvr049204.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040329.1bvr049204\n\n\n\n\n                                        4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-03-29/1-bvr-492-04","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":2}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-03-29/1-bvr-492-04","retrieved":"2026-07-10 10:52:35.540325+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2004-03-29/1-bvr-492-04","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2004-03-29","dockets":["1 BvR 492/04"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040329.1bvr049204","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040329.1bvr049204"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 29.03.2004 – 1 BvR 492/04","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-03-29/1-bvr-492-04","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":2},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":2},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":2}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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