{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040315.2bvr153003","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2004-03-15","aktenzeichen":"2 BvR 1530/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1530/03 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn T...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Christoph Kunz,\n                    Friedrich-Schneider-Straße 71, 06844 Dessau -\ngegen a) den Beschluss des Oberlandesgerichts Naumburg vom 25. Juli 2003 - 1\n         Ws 358/03 -,\n\n       b) den Beschluss des Landgerichts Dessau vom 20. Juni 2003 - 5 StVK\n          275/03 -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                  die Richterin Osterloh\n                                  und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 15. März 2004 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil ein             1\nAnnahmegrund nach § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegt. Sie hat keine Aussicht auf\nErfolg.\n\n Ob im Einzelfall die weitere Vollstreckung einer rechtskräftig ausgesprochenen Freiheitsstrafe nach § 57 Abs. 1 StGB zur Bewährung auszusetzen ist, ist zunächst eine\nFrage der Auslegung und Anwendung des Strafgesetzbuches und des Strafvollstreckungsrechts. Das Bundesverfassungsgericht prüft diese Entscheidung nicht in jeder\nHinsicht nach, sondern nur daraufhin, ob das Strafvollstreckungsgericht in objektiv\nunvertretbarer Weise vorgegangen ist oder die verfassungsrechtliche Bedeutung und\nTragweite eines Grundrechts, hier insbesondere des durch Art. 2 Abs. 2 Satz 2,\nArt. 104 Abs. 2 GG verbürgten Freiheitsrechts, verkannt hat (vgl. BVerfGE 18, 85\n<92 f., 96>; 72, 105 <113 ff.>). Die aus dem Freiheitsrecht abzuleitenden Anforderungen an die richterliche Aufklärungspflicht richten sich insbesondere an die Prognoseentscheidung. Für ihre tatsächlichen Grundlagen gilt das Gebot bestmöglicher Sachaufklärung (BVerfGE 70, 297 <309 ff.>).\n\n\n\n\n                                         1/3\n\n  Danach sind die angegriffenen Entscheidungen nicht zu beanstanden. Die Vorstrafen des Beschwerdeführers, seine in der Anlasstat zu Tage getretene Gefährlichkeit\nund das jedenfalls nicht durchgängig beanstandungsfreie Vollzugsverhalten sind vertretbare Gründe, die Strafrestaussetzung zu versagen. Das Vollzugsverhalten ist\nvom Landgericht zwar nicht weiter aufgeklärt worden. Eine erhebliche Verletzung des\nGebots bestmöglicher Sachaufklärung liegt darin aber nicht, zumal es sich beim Vollzugsverhalten nicht um den tragenden Entscheidungsgrund handelte.\n\n  Soweit die Fachgerichte die ausländerrechtliche Situation des Beschwerdeführers      4\nnicht zum Gegenstand ihrer Entscheidung gemacht haben, liegt hierin kein Begründungsmangel, der auf eine Verkennung der Bedeutung des Freiheitsgrundrechts\nschließen lässt. Der ausländerrechtliche Status war kein Umstand, der zugunsten\ndes Beschwerdeführers hätte berücksichtigt werden müssen. Die Frage, ob ein Ausländer nach der Strafrestaussetzung sich weiterhin legal im Bundesgebiet aufhalten\ndarf, kann für die Aussetzungsentscheidung nach § 57 StGB von Bedeutung sein.\nInsbesondere Vollzugslockerungen dürfen wegen eines anhängigen Ausweisungsverfahrens nicht pauschal wegen Flucht- oder Missbrauchsgefahr versagt werden\n(vgl. OLG Frankfurt, ZfStrVO 1991, S. 372, NStZ 1983, S. 93, ZfStrVO 1983, S. 249;\nOLG Celle, ZfStrVO 1984, S. 251). Hierauf waren die angegriffenen Entscheidungen\nnicht gestützt. Der Beschwerdeführer hat darüber hinaus nicht vorgetragen, dass die\nStrafhaft in rechtsstaatlich unzulässiger Weise zur Abschiebehaft umfunktioniert und\nder Strafvollzug zum bloßen \"Verwahrvollzug\" werde.\n\n Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).           5\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                  6\n\n              Hassemer               Osterloh             Mellinghoff\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n15. März 2004 - 2 BvR 1530/03\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n                15. März 2004 - 2 BvR 1530/03 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20040315_2bvr153003.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040315.2bvr153003\n\n\n\n\n                                        3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-03-15/2-bvr-1530-03","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 57","ref_norm":"57","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 104","ref_norm":"104","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-03-15/2-bvr-1530-03","retrieved":"2026-07-10 10:52:32.327366+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2004-03-15/2-bvr-1530-03","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2004-03-15","dockets":["2 BvR 1530/03"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040315.2bvr153003","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040315.2bvr153003"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 15.03.2004 – 2 BvR 1530/03","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-03-15/2-bvr-1530-03","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"StGB/57","law":"StGB","abbreviation":"StGB","ref":"57","label":"§ 57 StGB","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/104","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"104","label":"Art 104 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-07-10T10:52:32.327366+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}