{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040114.2bvr002704","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2004-01-14","aktenzeichen":"2 BvR 27/04","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 27/04 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn T...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Peter Lükermann,\n                    Seelhorststraße 24, 30175 Hannover -\ngegen a) den Beschluss des Landgerichts Itzehoe vom 5. Dezember 2003 - 9 Qs\n         205/03 II -,\n\n       b) die Beschlüsse des Amtsgerichts Itzehoe vom 16. Oktober 2003 und\n          vom 18. September 2003 - 64 Gs 1174/03 -\n\nund    Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                 die Richterin Osterloh\n                                 und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 14. Januar 2004 einstimmig beschlossen:\n\nDer Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.\n\n                                     Gründe:\n Eine einstweilige Anordnung darf dann nicht ergehen, wenn sich das in der Hauptsache zu verfolgende Begehren als unzulässig oder offensichtlich unbegründet erweisen würde (BVerfGE 103, 41 <42>).\n\n 1. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung betrifft die im Rahmen der    2\nDurchsuchung sichergestellten Gegenstände. Insoweit ist das Hauptsachebegehren\nderzeit unzulässig. Der Beschwerdeführer hat den Rechtsweg gemäß § 90 Abs. 2\nSatz 1 BVerfGG noch nicht erschöpft.\n\n Ebenso wie die Durchsuchung stellt eine Beschlagnahme einen Eingriff in den          3\ngrundrechtlich geschützten Bereich des Betroffenen dar. Ordnet ein Richter - etwa\ngleichzeitig mit dem Erlass eines Durchsuchungsbeschlusses (vgl. Nack, in: Karlsruher Kommentar, 5. Aufl., § 98 Rn. 2) - die Beschlagnahme von Gegenständen an,\nbevor diese von den Strafverfolgungsbehörden in amtlichen Gewahrsam genommen\nworden sind, so muss er die Gegenstände so genau bezeichnen, dass keine Zweifel\ndarüber bestehen, ob sie von der Beschlagnahmeanordnung erfasst sind. Denn an-\n\n\n                                        1/3\n\nderenfalls würde die Entscheidung, welche Gegenstände unter die richterliche Beschlagnahmeanordnung fallen, nicht dem Richter obliegen, sondern den Strafverfolgungsbehörden (vgl. Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 3. September 1991 – 2 BvR 279/90 -, NJW 1992, S. 551\n<552>). Entspricht der amtsgerichtliche Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschluss - wie auch im vorliegenden Verfahren fachgerichtlich festgestellt - diesen Erfordernissen nicht, dann liegt - entsprechend dem Beschluss des Landgerichts Itzehoe vom 5. Dezember 2003 - noch keine wirksame Beschlagnahmeanordnung vor.\nDie allgemein gehaltene Beschlagnahmeanordnung hat in diesem Fall nur die Bedeutung einer Richtlinie für die Durchsuchung (vgl. Beschluss der 3. Kammer des\nZweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 9. November 2001 – 2 BvR\n436/01 -, NStZ 2002, S. 212 <213>; Nack, in: Karlsruher Kommentar, 5. Aufl., § 98\nRn. 2; Meyer-Goßner, 46. Aufl., § 105 Rn. 7). Der Beschwerdeführer hätte insoweit\nvor Anrufung des Bundesverfassungsgerichts zunächst eine fachgerichtliche Entscheidung gemäß § 98 Abs. 2 Satz 2 StPO über die Bestätigung der Beschlagnahme\nkonkreter Beweismittel herbeiführen müssen. Auch soweit hinsichtlich sichergestellter Daten deren Beweiserheblichkeit erst im Rahmen einer Durchsicht gemäß § 110\nStPO festgestellt werden kann, muss der Beschwerdeführer zunächst die Fachgerichte mit der Angelegenheit befassen (zur Zulässigkeit eines Antrags entsprechend\n§ 98 Abs. 2 Satz 2 StPO vgl. Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 30. Januar 2002 – 2 BvR 2248/00 -, NStZ 2002, S. 377\n<378>).\n\n  2. Soweit die Sicherstellung von Beweismitteln betroffen ist, werden die Fachgerichte im weiteren Fortgang des Verfahrens zu beachten haben, dass hierfür unter anderem ein auf konkreten Tatsachen beruhender Anfangsverdacht einer Straftat vorausgesetzt ist. Auf der Grundlage des Vorbringens des Beschwerdeführers in der\nVerfassungsbeschwerde wird nicht ohne weiteres erkennbar, welche verfolgbare\nStraftat vom Beschwerdeführer durch welches Verhalten begangen worden sein soll.\nIm Übrigen wird von Bedeutung sein, dass insbesondere durch die Sicherstellung\ndes Datenbestandes der Rechtsanwaltskanzlei des Beschwerdeführers rechtlich besonders geschützte Daten erfasst wurden und neben dem Beschwerdeführer eine\nVielzahl Nichtbeschuldigter von dem Eingriff betroffen sind. Ein derart schwerwiegender Eingriff bedarf jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit einer\nbesonderen verfassungsrechtlichen Rechtfertigung.\n\n Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).             5\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    6\n\n              Hassemer                Osterloh              Mellinghoff\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n14. Januar 2004 - 2 BvR 27/04\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 14. Januar 2004 - 2 BvR 27/04 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20040114_2bvr002704.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040114.2bvr002704\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-01-14/2-bvr-27-04","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 98","ref_norm":"98","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 110","ref_norm":"110","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-01-14/2-bvr-27-04","retrieved":"2026-07-10 10:52:15.978789+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2004-01-14/2-bvr-27-04","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2004-01-14","dockets":["2 BvR 27/04"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040114.2bvr002704","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2004:rk20040114.2bvr002704"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 14.01.2004 – 2 BvR 27/04","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2004-01-14/2-bvr-27-04","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"StPO/98","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"98","label":"§ 98 StPO","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"StPO/110","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"110","label":"§ 110 StPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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