{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030929.1bvr167703","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2003-09-29","aktenzeichen":"1 BvR 1677/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1677/03 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder Frau K...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Hans-Heinrich Schweppe und Koll.,\n                   Sternstraße 40, 67063 Ludwigshafen -\ngegen den Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken vom 16.\n      Juli 2003 - 5 U 9/03 -\n\nhat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Präsidenten Papier,\n                                 die Richterin Haas\n                                 und den Richter Hoffmann-Riem\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 29. September 2003 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Voraussetzungen für eine Annahme der Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung liegen nicht vor (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>).\n\n Die Verfassungsbeschwerde hat keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.                 2\n\n  Der angegriffene Beschluss, mit dem der Antrag der Beschwerdeführerin auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ohne nähere Begründung zurückgewiesen wurde, verstößt nicht gegen Art. 3 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 GG.\n\n  Grundsätzlich bedürfen mit ordentlichen Rechtsbehelfen nicht mehr angreifbare Gerichtsentscheidungen von Verfassungs wegen keiner Begründung (vgl. BVerfGE 50,\n287 <289 f.>). Art. 3 Abs. 1 GG verlangt mit Rücksicht auf die verfassungsrechtliche\nGebundenheit des Richters an Recht und Gesetz (Art. 20 Abs. 3 GG) aber die Begründung auch einer letztinstanzlichen Entscheidung dann und insoweit, als von dem\neindeutigen Wortlaut einer Rechtsnorm abgewichen werden soll und der Grund hierfür sich nicht hinreichend aus den dem Betroffenen bekannten Gründen oder für ihn\nohne weiteres erkennbaren Besonderheiten des Falles bestimmen lässt. Auch wenn\nein Gericht von der Auslegung einer Norm des einfachen Rechts abweicht, die die\nhöchstrichterliche Rechtsprechung ihr bislang gegeben hat, führt dies zur Annahme\neines Verfassungsverstoßes, wenn sich eine Rechtfertigung hierfür weder aus den\nEntscheidungsgründen noch aus den übrigen Umständen des Falles entnehmen\n\n\n                                         1/3\n\nlässt (vgl. BVerfGE 71, 122 <136>; 81, 97 <106>; Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 8. Dezember 1992 - 1 BvR 326/89 -, NJW 1994, S. 574; Beschluss\nder 1. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Februar 1993 - 2 BvR 1959/92 -, NJW\n1993, S. 1909; Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 19. Juli 1995 - 1\nBvR 1506/93 -, NJW 1995, S. 2911).\n\n  Nach diesen Grundsätzen kann nicht festgestellt werden, dass das Oberlandesgericht seine Prozesskostenhilfeentscheidung, die in zulässiger Weise nicht weiter angreifbar ist (vgl. Reichold in: Thomas/Putzo, ZPO, Kommentar 25. Aufl. 2003, § 127,\nRn. 2), von Verfassungs wegen hätte begründen müssen. Die Verfassungsbeschwerde zeigt dies auch nicht auf. Die Beschwerdeführerin macht lediglich geltend,\ndass die Erfolgsaussichten einer Berufung auch anders hätten beurteilt werden können. Insoweit hat das Bundesverfassungsgericht nicht zu überprüfen, ob die von einem Gericht unter mehreren verfassungsgemäßen Auslegungsalternativen gewählte\ndie vorzugswürdige ist (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des ersten Senats\nvom 7. Mai 1997 - 1 BvR 296/97 -, NJW 1997, S. 2745). Dass das Oberlandesgericht\nin der oben beschriebenen Art eine Auslegung der Vorschriften über die Prozesskostenhilfe gewählt hätte, die dem eindeutigen Wortlaut einer Vorschrift oder höchstrichterlicher Rechtsprechung widerspricht oder sonst willkürlich wäre, behauptet die Beschwerdeführerin nicht. Hierfür ist auch nichts ersichtlich.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    6\n\n                 Papier                 Haas             Hoffmann-Riem\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom\n29. September 2003 - 1 BvR 1677/03\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 29. September 2003 - 1 BvR 1677/03 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20030929_1bvr167703.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030929.1bvr167703\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-09-29/1-bvr-1677-03","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 20","ref_norm":"20","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-09-29/1-bvr-1677-03","retrieved":"2026-07-10 10:51:49.795738+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2003-09-29/1-bvr-1677-03","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2003-09-29","dockets":["1 BvR 1677/03"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030929.1bvr167703","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030929.1bvr167703"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 29.09.2003 – 1 BvR 1677/03","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-09-29/1-bvr-1677-03","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/20","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"20","label":"Art 20 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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