{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030312.1bvr089401","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2003-03-12","aktenzeichen":"1 BvR 894/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 894/01 -\n\n\n\n\n                             Im Namen des Volkes\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn B...\n\n1. unmittelbar gegen\n\na) den Beschluss des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 10. April 2001 -\n   5 B 373/00 -,\n\nb) das Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden vom 18. Januar 2000 - 13 K 81/98 -\n\n2. mittelbar gegen\n§ 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 i.d.F. des 18. BAföGÄndG vom 17. Juli 1996 (BGBl I\nS. 1006)\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                den Präsidenten Papier,\n                                den Richter Steiner\n                                und die Richterin Hohmann-Dennhardt\n\nam 12. März 2003 einstimmig beschlossen:\n\nDas Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden vom 18. Januar 2000 - 13 K 81/98 -\nverletzt den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 12 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 20 Absatz 3 des Grundgesetzes.\nEs wird aufgehoben.\nDie Sache wird an das Verwaltungsgericht Dresden zurückverwiesen.\nDer Beschluss des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 10. April 2001 - 5 B\n373/00 - wird damit gegenstandslos.\nDer Freistaat Sachsen hat dem Beschwerdeführer die im Verfassungsbeschwerde-Verfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten.\n\n\n\n\n                                        1/4\n\n                                     Gründe:\n Gegenstand der Verfassungsbeschwerde ist die Gewährung von Ausbildungsförderung nach dem Bundesgesetz über individuelle Förderung der Ausbildung (Bundesausbildungsförderungsgesetz - BAföG) in Form eines Bankdarlehens.\n\n                                         I.\n  Der Beschwerdeführer studierte von 1992 bis 1998 Rechtswissenschaft. Von 1994            2\nbis 1997 war er in verschiedenen Gremien und Organen der Universität tätig. Er erhielt zunächst Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz\nje zur Hälfte als Zuschuss und als unverzinsliches Darlehen. Für den Bewilligungszeitraum von April 1997 bis März 1998 wurde ihm gemäß § 17 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 in\nVerbindung mit § 15 Abs. 3 Nr. 3 BAföG in der Fassung des Achtzehnten Gesetzes\nzur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (18. BAföGÄndG) vom\n17. Juli 1996 (BGBl I S. 1006) Ausbildungsförderung in Form eines verzinslichen\nBankdarlehens gewährt. Im Verwaltungsrechtsweg hat der Beschwerdeführer ohne\nErfolg versucht, Ausbildungsförderung auch weiterhin je zur Hälfte als Zuschuss und\nals unverzinsliches Darlehen zu erhalten. Er dürfe nicht wegen seiner Tätigkeit in\nGremien und Organen, die sich auf die Dauer seines Studiums ausgewirkt habe, benachteiligt werden. Mit der Verfassungsbeschwerde macht er eine Verletzung seiner\nGrundrechte aus Art. 12 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 1 GG sowie des Grundsatzes des Vertrauensschutzes geltend.\n\n                                         II.\n 1. Die Kammer nimmt die Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung an, weil dies              3\nzur Durchsetzung von Grundrechten des Beschwerdeführers angezeigt ist (§ 93 a\nAbs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Die Voraussetzungen für eine stattgebende Kammerentscheidung nach § 93 c BVerfGG sind gegeben. Die maßgeblichen verfassungsrechtlichen Fragen hat das Bundesverfassungsgericht bereits entschieden. In der\nRechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum grundgesetzlichen Vertrauensschutz ist hinreichend geklärt, inwieweit Studierende, die nach § 15 Abs. 3 Nr. 3\nBAföG dem Grunde nach Anspruch auf Ausbildungsförderung über die Förderungshöchstdauer hinaus hatten, darauf vertrauen durften, von der durch das\n18. BAföGÄndG vorgenommenen Umstellung der Förderungsart auf Bankdarlehen\nverschont zu bleiben (vgl. insbesondere Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats\nvom 6. April 2000, FamRZ 2000, S. 947).\n\n 2. Das mit der Verfassungsbeschwerde angegriffene Urteil des Verwaltungsgerichts          4\nDresden vom 18. Januar 2000 verletzt den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht\naus Art. 12 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 3 GG. Das Verwaltungsgericht hat\nes versäumt, Art. 6 Abs. 2 Satz 1 des 18. BAföGÄndG entsprechend den im Kammerbeschluss vom 6. April 2000 dargestellten Grundsätzen verfassungskonform\nauszulegen. Anders als in dem Fall, der dem Beschluss der 1. Kammer des Ersten\nSenats vom 17. Juni 2002 (FamRZ 2002, S. 1463) zugrunde gelegen hat, kann sich\n\n\n\n                                         2/4\n\nhier der Beschwerdeführer auf gesteigerten Vertrauensschutz berufen. Dieser beruht\ninsbesondere auf dem Verbot der Benachteiligung wegen Gremientätigkeit (§ 37\nAbs. 3 des Hochschulrahmengesetzes; § 66 Abs. 3 des Sächsischen Hochschulgesetzes).\n\n                                        III.\n Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist aufzuheben, ohne dass es noch auf die zusätzlich erhobenen Grundrechtsrügen ankommt. Die Sache ist an das Verwaltungsgericht zurückzuverweisen (vgl. § 93 c Abs. 2 i.V.m. § 95 Abs. 2 BVerfGG), das die\nerforderlichen tatsächlichen Feststellungen zu treffen hat, insbesondere zu der Frage, inwieweit die Gremientätigkeit des Beschwerdeführers für die Überschreitung der\nFörderungshöchstdauer verantwortlich ist.\n\n Der Beschluss des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 10. April 2001 ist          6\ndamit gegenstandslos.\n\n Die Entscheidung über die Auslagenerstattung beruht auf § 34 a Abs. 2 und 3           7\nBVerfGG.\n\n                                                           Hohmann-Papier                Steiner\n                                                           Dennhardt\n\n\n\n\n                                         3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n12. März 2003 - 1 BvR 894/01\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n                12. März 2003 - 1 BvR 894/01 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20030312_1bvr089401.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030312.1bvr089401\n\n\n\n\n                                        4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-03-12/1-bvr-894-01","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 20","ref_norm":"20","n":2},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 15","ref_norm":"15","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93c","ref_norm":"93c","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 95","ref_norm":"95","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-03-12/1-bvr-894-01","retrieved":"2026-07-10 10:51:20.009090+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2003-03-12/1-bvr-894-01","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2003-03-12","dockets":["1 BvR 894/01"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030312.1bvr089401","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030312.1bvr089401"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 12.03.2003 – 1 BvR 894/01","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-03-12/1-bvr-894-01","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Das Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden vom 18. 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