{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030226.2bvr015003","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2003-02-26","aktenzeichen":"2 BvR 150/03","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 150/03 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn H ...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Dr. Hartmut Hiddemann und Koll.,\n                   Maria-Theresia-Straße 2, 79102 Freiburg i.Br. -\ngegen a) den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 11. Dezember 2002 - 5 StR\n         212/02 -,\n\n       b) das Urteil des Landgerichts Kleve vom 26. November 2001 - 9 KLs 6 Js\n          636/99 (7/01) -\n\nund    Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Vizepräsidenten Hassemer,\n                                 die Richterin Osterloh\n                                 und den Richter Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 26. Februar 2003 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDamit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil sie          1\nkeine Aussicht auf Erfolg hat. Sie ist unbegründet.\n\n 1. Dies gilt zunächst für die Rüge des Beschwerdeführers, seine Verurteilung entbehre einer wirksamen Rechtsgrundlage.\n\n  Das Bundesverfassungsgericht hat bereits mehrfach entschieden, dass § 370 Abs.     3\n1 Nr. 1 AO dem verfassungsrechtlichen Bestimmtheitsgebot des Art. 103 Abs. 2 GG\nund des Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG gerecht wird (vgl. BVerfGE 37, 201 <206 ff.> zu\n§ 392 Abs. 1 AO a.F.; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 21. März 1989 - 2 BvR 162/89 u.a.-, Juris; Beschluss der 2.\nKammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Oktober 1990\n- 2 BvR 385/87 -, NJW 1992, S. 35 f.; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats\ndes Bundesverfassungsgerichts vom 23. Juni 1994 - 2 BvR 1084/94 -, NJW 1995, S.\n\n\n\n                                         1/3\n\n1883). Die Vorschrift bestimmt die Strafbarkeit desjenigen, der den Finanzbehörden\nüber steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht\nund dadurch Steuern verkürzt. Ob eine solche Steuerverkürzung vorliegt, richtet sich\nnach den Vorschriften des materiellen Steuerrechts. Insoweit handelt es sich bei\n§ 370 AO um ein Blankettgesetz. Blankettgesetze genügen dem in Art. 103 Abs. 2\nGG verankerten Bestimmtheitsgrundsatz nur dann, wenn sich die möglichen Fälle\nder Strafbarkeit schon auf Grund eines Gesetzes, auf das Bezug genommen wird,\nvoraussehen lassen. Nach Art. 104 Abs. 1 Satz 1 GG hat der Gesetzgeber beim Erlass einer Strafvorschrift, die Freiheitsstrafe androht, mit hinreichender Deutlichkeit\nselbst zu bestimmen, was strafbar sein soll, und Art und Maß der Freiheitsstrafe im\nförmlichen Gesetz festzulegen. Die Voraussetzungen der Strafbarkeit sowie Art und\nMaß der Strafe müssen entweder im Blankettstrafgesetz oder in einer anderen gesetzlichen Vorschrift, auf die das Blankettstrafgesetz Bezug nimmt, hinreichend deutlich umschrieben werden (vgl. BVerfGE 75, 329 <342>).\n\n  Diesen Anforderungen genügen die im vorliegenden Fall anzuwendenden steuerrechtlichen Vorschriften. Die Steuerpflicht sowie die Grundlagen der Besteuerung,\ninsbesondere die Ermittlung der zu versteuernden Umsätze, ergeben sich unmittelbar aus dem Umsatzsteuergesetz. Gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG in der zur Tatzeit\ngeltenden Fassung unterliegen Lieferungen und Leistungen, die ein Unternehmer im\nInland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, der Umsatzsteuer.\nDurch § 370 Abs. 1 Nr. 1 AO i.V.m. § 1 Abs. 1 Nr. 2 UStG sind die Fälle einer strafbaren Umsatzsteuer-Verkürzung in einer hinreichend deutlichen und damit den Anforderungen der Art. 103 Abs. 2 und 104 Abs. 1 Satz 1 GG genügenden Weise umschrieben.\n\n  2. Auch der weitere Einwand des Beschwerdeführers, das Landgericht habe die objektiven und subjektiven Tatbestandsvoraussetzungen einer Steuerverkürzung willkürlich bejaht, ist unbegründet.\n\n Das Landgericht hat die vom Beschwerdeführer in seiner für den Zeitraum von Januar bis August 1998 abgegebenen Umsatzsteuererklärung fehlerhaft als innergemeinschaftliche Lieferungen deklarierten Inlandsumsätze im Einzelnen aufgelistet\nund nachvollziehbar dargelegt, dass und weshalb es sich dabei nicht um innergemeinschaftliche Ausfuhren gemäß § 6a Abs. 1 UStG handelte. Auch seine Überzeugung, dass der Beschwerdeführer die Steuerverkürzung vorsätzlich beging, hat das\nLandgericht auf der Grundlage der erhobenen Beweise eingehend begründet. Dabei\nhat sich das Landgericht jeweils auf sachliche Argumente gestützt, die nicht darauf\nschließen lassen, es könne den Beschwerdeführer aus sachfremden Erwägungen\nverurteilt haben.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     7\n\n              Hassemer                 Osterloh              Mellinghoff\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n26. Februar 2003 - 2 BvR 150/03\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 26. Februar 2003 - 2 BvR 150/03 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20030226_2bvr015003.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030226.2bvr015003\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-02-26/2-bvr-150-03","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 104","ref_norm":"104","n":2},{"jurabk":"UStG 1980","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":2},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 370","ref_norm":"370","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"UStG 1980","ref":"§ 6a","ref_norm":"6a","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-02-26/2-bvr-150-03","retrieved":"2026-07-10 10:51:15.974371+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2003-02-26/2-bvr-150-03","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2003-02-26","dockets":["2 BvR 150/03"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030226.2bvr015003","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2003:rk20030226.2bvr015003"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 26.02.2003 – 2 BvR 150/03","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2003-02-26/2-bvr-150-03","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDamit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":2},{"id":"GG/104","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"104","label":"Art 104 GG","mentions":2},{"id":"UStG 1980/1","law":"UStG 1980","abbreviation":"UStG 1980","ref":"1","label":"§ 1 UStG 1980","mentions":2},{"id":"AO 1977/370","law":"AO 1977","abbreviation":"AO 1977","ref":"370","label":"§ 370 AO 1977","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"UStG 1980/6a","law":"UStG 1980","abbreviation":"UStG 1980","ref":"6a","label":"§ 6a UStG 1980","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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