{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20021218.1bvr211896","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2002-12-18","aktenzeichen":"1 BvR 2118/96","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 2118/96 -\n- 1 BVR 2119/96 -\n\n                               In dem Verfahren\n                                     über\n                         die Verfassungsbeschwerden\nder M... Handelsgesellschaft mbH & Co. OHG,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Prof. Dr. Karl Egbert Wenzel und Partner,\n                   Königstraße 1 A, 70173 Stuttgart -\n1. gegen a) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 2. Mai 1996 - I ZR 108/94 -,\n\n         b) das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 1. März 1994 - 4 U 161/\n            93 -,\n\n         c) das Urteil des Landgerichts Bielefeld vom 28. Mai 1993 - 17 O 54/93 -\n\nund    Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand\n\n- 1 BVR 2118/96 -,\n\n2. gegen a) das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 2. Mai 1996 - I ZR 152/94 -,\n\n         b) das Urteil des Oberlandesgerichts Köln vom 8. Juli 1994 - 6 U 248/93 -\n            ,\n\n         c) das Urteil des Landgerichts Köln vom 16. September 1993 - 81 O 97/\n            93 - und Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand\n\n- 1 BVR 2119/96 -\n\nhat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                den Präsidenten Papier\n                                und die Richter Steiner,\n                                Hoffmann-Riem\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 18. Dezember 2002 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfahren werden verbunden.\nDie Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerden betreffen die Zulässigkeit einer Werbung mit Preisvergleichen.\n\n\n                                        1/4\n\n                                          I.\n Die Beschwerdeführerin betreibt Verbrauchermärkte. Sie wurde in den Ausgangsverfahren verurteilt, die Werbung mit einem Preistest zu unterlassen. Das besondere\nMerkmal der Werbeanzeige bestand in einer grafischen Darstellung, mit der sichtbar\ngemacht wurde, in welchem Umfang die Preise anonym aufgeführter Konkurrenten\nprozentual höher waren als diejenigen der Beschwerdeführerin. Der Bundesgerichtshof stützte die Unterlassungsgebote mit insoweit gleich lautender Begründung auf\n§ 1 UWG (zu 1 BvR 2119/96 vgl. NJW 1996, S. 3153 f.).\n\n Mit der Verfassungsbeschwerde wird eine Verletzung der Grundrechte aus Art. 5            3\nAbs. 1 Satz 1, Art. 12 Abs. 1 Satz 1 und Art. 3 Abs. 1 GG gerügt.\n\n                                          II.\n Die Verfassungsbeschwerden werden unbeschadet der Wiedereinsetzungsanträge               4\nnicht zur Entscheidung angenommen. Sie haben keine grundsätzliche Bedeutung im\nSinne des § 93 a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG, weil das Bundesverfassungsgericht\ndie vorliegend maßgeblichen verfassungsrechtlichen Fragen bereits geklärt hat (vgl.\nBVerfGE 102, 347 <360 ff.>). Auch ist die Annahme nicht nach § 93 a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG angezeigt.\n\n  Eine Verfassungsbeschwerde ist zur Durchsetzung der als verletzt bezeichneten           5\nVerfassungsrechte anzunehmen, wenn die geltend gemachte Verletzung von Grundrechten oder grundrechtsgleichen Rechten besonderes Gewicht hat oder den Beschwerdeführer in existentieller Weise betrifft (vgl. BVerfGE 90, 22 <25>). Letzteres\nist ersichtlich nicht der Fall. Die Verfassungsbeschwerde ist aber auch nicht wegen\ndes besonderen Gewichts eines Verfassungsverstoßes anzunehmen. Besonders gewichtig ist eine Grundrechtsverletzung, die auf eine generelle Vernachlässigung von\nGrundrechten hindeutet oder auf einer groben Verkennung des durch ein Grundrecht\ngewährten Schutzes beziehungsweise einem geradezu leichtfertigen Umgang mit\ngrundrechtlich geschützten Positionen beruht (vgl. BVerfGE 90, 22 <25>).\n\n  Zwar geht die vom Bundesgerichtshof in den angegriffenen Revisionsurteilen gegebene Begründung nicht in jeder Hinsicht auf die Anforderungen ein, die bei der Anwendung des § 1 UWG auf Meinungsäußerungen zu beachten sind (vgl. BVerfGE\n102, 347 <360 ff.> sowie 1. Kammer des Ersten Senats, NJW 2001, S. 3403\n<3404 f.>; NJW 2002, S. 1187 <1188 f.>; Beschluss vom 7. November 2002\n- 1 BvR 580/02 - Juris-Nr. KVRE311370201). Der Bundesgerichtshof hat sich insbesondere nicht ausdrücklich damit auseinander gesetzt, dass die streitigen Preisvergleiche in den Schutzbereich des Art. 5 Abs. 1 GG fallen. Allerdings hat er einzelfallbezogene Erwägungen zur Gefährdung des Schutzguts von § 1 UWG angestellt, die\neine Beschränkung der Meinungsfreiheit rechtfertigen können. Wesentliche Gesichtspunkte sind nach den Revisionsurteilen die fehlende Nachvollziehbarkeit der\nPreisvergleiche für den Leser, die Gefahr des Missbrauchs, die Vorspiegelung einer\nrepräsentativen Marktübersicht sowie das Offenbleiben der Auswahlkriterien. Eine\n\n\n\n                                          2/4\n\ngenerelle Vernachlässigung der Meinungsfreiheit oder eine grobe Verkennung des\ndurch das Grundrecht gewährten Schutzes lässt sich daher nicht feststellen.\n\n Die Annahme der Verfassungsbeschwerde ist auch nicht zur Durchsetzung des          7\nGrundrechts aus Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG angezeigt. Die vom Bundesgerichtshof angestellten Erwägungen sind grundsätzlich auch zur Beschränkung der Berufsfreiheit\ngeeignet.\n\n Von einer weiteren Begründung wird abgesehen, § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG.        8\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                               9\n\n               Papier                Steiner          Hoffmann-Riem\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom\n18. Dezember 2002 - 1 BvR 2118/96\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 18. Dezember 2002 - 1 BvR 2118/96 - Rn. (1 - 9), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20021218_1bvr211896.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20021218.1bvr211896\n\n\n\n\n                                     4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-12-18/1-bvr-2118-96","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 5","ref_norm":"5","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 12","ref_norm":"12","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-12-18/1-bvr-2118-96","retrieved":"2026-07-10 10:50:58.910088+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2002-12-18/1-bvr-2118-96","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2002-12-18","dockets":["1 BvR 2118/96"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20021218.1bvr211896","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20021218.1bvr211896"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 18.12.2002 – 1 BvR 2118/96","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-12-18/1-bvr-2118-96","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfahren werden verbunden.\nDie Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":1},{"id":"GG/5","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"5","label":"Art 5 GG","mentions":1},{"id":"GG/12","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"12","label":"Art 12 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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