{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20020328_1bvr022902","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20020328.1bvr022902","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2002-03-28","aktenzeichen":"1 BvR 229/02","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 229/02 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\nder C... GmbH\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Dr. Wolfgang Philipp und\n                   Koll., Kolpingstraße 18, 68165 Mannheim -\ngegen den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 14. Januar 2002 - II ZR 91/00 -\n\nhier:   Antrag auf Erstattung der notwendigen Auslagen\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Vizepräsidenten Papier\n                                  und die Richterinnen Haas,\n                                  Hohmann-Dennhardt\n\ngemäß § 93 d Abs. 2 Satz 1 BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11.\nAugust 1993 (BGBl I S. 1473) am 28. März 2002 einstimmig beschlossen:\n\nDer Antrag der Beschwerdeführerin auf Erstattung der notwendigen Auslagen für\ndie Durchführung des Verfassungsbeschwerde-Verfahrens wird abgelehnt.\n\n                                      Gründe:\n\n                                         I.\n Die Beschwerdeführerin hatte im Verfassungsbeschwerde-Verfahren gerügt, der            1\nBundesgerichtshof habe gegen Art. 103 Abs. 1 GG verstossen, weil er den vom\nOberlandesgericht festgesetzten Streitwert ohne vorherige Anhörung erhöht habe.\nIm Hinblick auf die sachliche Bescheidung ihrer zeitgleich mit der Verfassungsbeschwerde erhobenen Gegenvorstellung gegen den Streitwertbeschluss des Bundesgerichtshofs hat die Beschwerdeführerin das Verfassungsbeschwerde-Verfahren für\nerledigt erklärt; sie beantragt, ihr die notwendigen Auslagen zu erstatten.\n\n                                         II.\n  Aufgrund der Erledigungserklärung ist über die Verfassungsbeschwerde nicht mehr       2\nzu entscheiden. Es entspricht nicht der Billigkeit im Sinne des § 34 a Abs. 3 BVerfGG\n(vgl. BVerfGE 85, 109 <114 ff.>), der Beschwerdeführerin die ihr im\nVerfassungsbeschwerde-Verfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu erstatten, weil die Verfassungsbeschwerde gegen den Grundsatz der Subsidiarität (§ 90\nAbs. 2 Satz 1 BVerfGG) verstieß und daher unzulässig war (vgl. BVerfG, Kammerbeschlüsse vom 23. Juni 1994 - 2 BvR 117/94, vom 31. Oktober 1995 - 2 BvR 1182/95\n\n\n                                         1/3\n\nund vom 2. Juli 1998 - 2 BvR 989/98).\n\n  Der Grundsatz der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde verlangt von einem            3\nBeschwerdeführer, Gegenvorstellung gegen eine unanfechtbare gerichtliche Entscheidung zu erheben, um eine Korrektur der geltend gemachten Verletzung des\nrechtlichen Gehörs zu erwirken, sofern diese Möglichkeit der Selbstkorrektur nicht\nvon vornherein verschlossen ist (vgl. BVerfGE 63, 77 <78 f.>; 73, 322 <326 f.>).\nNach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs wird die innerhalb der Frist des\n§ 25 Abs. 2 Satz 3 GKG erhobene Gegenvorstellung gegen eine von ihm erlassene\nStreitwertfestsetzung grundsätzlich sachlich beschieden (Beschluss vom 30. Juni\n1977 - VIII ZR 111/76 -, MDR 1977, S. 925; vom 12. Februar 1986 - IV a ZR 138/83 -,\nMDR 1986, S. 654; vom 8. Februar 2000 - VI ZR 283/99 -, NJW 2000, S. 1343; vom\n31. August 2000 - XII ZR 103/98 -). Danach war die Beschwerdeführerin gehalten,\nmit der Einlegung der Verfassungsbeschwerde zuzuwarten, bis der Bundesgerichtshof über ihre Gegenvorstellung entscheidet. Ein solches Zuwarten war ihr zumutbar.\nWie dargelegt, war eine Heilung des von ihr gerügten Gehörsverstoßes durch eine\nsachliche Bescheidung der Gegenvorstellung keineswegs ausgeschlossen. Zu Unrecht geht die Beschwerdeführerin davon aus, sie habe die Verfassungsbeschwerde\nvorsorglich zur Wahrung der Frist für den Fall einlegen müssen, dass der Bundesgerichtshof nicht sachlich über ihre Gegenvorstellung entscheide. Denn selbst wenn der\nBundesgerichtshof entgegen seiner bisherigen Rechtsprechung die Gegenvorstellung für unstatthaft gehalten hätte, hätte die Frist erst mit Zugang dieses Beschlusses\nzu laufen begonnen. Bis zu diesem Beschluss jedenfalls wäre die Statthaftigkeit der\nGegenvorstellung aufgrund der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs\nnicht einmal zweifelhaft gewesen. Im Blick auf den Grundsatz der Subsidiarität (§ 90\nAbs. 2 BVerfGG) muss der Beschwerdeführer von einem Rechtsbehelf grundsätzlich\nselbst dann Gebrauch machen, wenn dessen Statthaftigkeit zweifelhaft ist (vgl.\nBVerfGE 91, 93 <106>).\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     4\n\n                                                             Hohmann-Papier                  Haas\n                                                             Dennhardt\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n28. März 2002 - 1 BvR 229/02\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n                28. März 2002 - 1 BvR 229/02 - Rn. (1 - 4), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20020328_1bvr022902.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20020328.1bvr022902\n\n\n\n\n                                        3/3\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/03/rk20020328_1bvr022902.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-03-28/1-bvr-229-02","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 34a","ref_norm":"34a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 25","ref_norm":"25","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/03/rk20020328_1bvr022902.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/03/rk20020328_1bvr022902.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Bereitgestellt über den Corpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (CE-BVerfG) von Seán Fobbe, https://doi.org/10.5281/zenodo.16932395, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0)."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-03-28/1-bvr-229-02","upstream":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/03/rk20020328_1bvr022902.html","retrieved":"2026-07-10 10:49:40.744924+00:00"}}