{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20020130.2bvr101800","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2002-01-30","aktenzeichen":"2 BvR 1018/00","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1018/00 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder Frau Z...\n\ngegen a) den Beschluss des Oberlandesgerichts Dresden vom 27. April 2000 - 2\n         Ws 152/00 -,\n\n       b) den Beschluss des Landgerichts Leipzig vom 14. Februar 2000 - II StVK\n          274/99 St-TG -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 die Richterin Präsidentin Limbach\n                                 und die Richter Hassemer,\n                                 Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 30. Januar 2002 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde war nicht zur Entscheidung anzunehmen, da ein Annahmegrund gemäß § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegt. Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg (BVerfGE 90, 22 <25 f.>). Die Verfassungsbeschwerde ist, soweit eine Verletzung von Art. 14 Abs. 1 GG durch Eingriff in den\neingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb gerügt wird, angesichts der hierzu\nergangenen Rechtsprechung (vgl. BVerfGE 51, 193 <221 f.>; 84, 212 <232>) nicht\nsubstantiiert begründet (§§ 23 Abs. 1 Satz 2, 92 BVerfGG) und mithin unzulässig.\n\n Darüber hinaus ist sie unbegründet, da eine Verletzung der Rechte der Beschwerdeführerin aus Art. 12 Abs. 1 GG nicht festgestellt werden kann. Nach den Grundsätzen der verfassungsgerichtlichen Überprüfbarkeit fachgerichtlicher Entscheidungen\n(BVerfGE 18, 85 <92 f.>; 95, 96 <127 f.>) sind die Auslegung und Anwendung des\neinfachen Rechts der Nachprüfung durch das Bundesverfassungsgericht weitgehend\nentzogen. Gerichtliche Entscheidungen können - abgesehen von Verstößen gegen\ndas Willkürverbot - nur darauf überprüft werden, ob sie Auslegungsfehler enthalten,\ndie auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung von der Bedeutung des betroffenen Grundrechts beruhen. Das ist der Fall, wenn die von den Fachgerichten vorgenommene Auslegung der Norm die Tragweite des Grundrechts nicht hinreichend berücksichtigt oder im Ergebnis zu einer unverhältnismäßigen Beschränkung der\n\n\n                                        1/3\n\ngrundrechtlichen Freiheit führt (vgl. BVerfGE 85, 248 <257 f.>). Es kann nicht festgestellt werden, dass das Oberlandesgericht bei der Anwendung und Auslegung von\n§ 185 StVollzG Rechte der Beschwerdeführerin aus Art. 12 Abs. 1 GG nicht hinreichend berücksichtigt oder unverhältnismäßig beschränkt hat.\n\n  Nach dem am 1. Dezember 1998 in Kraft getretenen § 185 StVollzG steht dem Betroffenen und damit dem Gefangenen selbst nach Maßgabe des § 19 Bundesdatenschutzgesetz ein Auskunfts- und Akteneinsichtsrecht in die Akten der Vollzugsbehörde, insbesondere in die Gefangenenpersonalakte zu. Diese Neuregelung trägt dem\nRecht auf informationelle Selbstbestimmung (vgl. dazu BVerfGE 65, 1 <43>) des Gefangenen im Strafvollzug Rechnung. Dieses unabdingbare Recht kann durch einen\nVerteidiger ausgeübt werden (vgl. Schwind/Böhm, StVollzG, 3. Aufl., 1999, § 185,\nRn. 12).\n\n Nach § 147 Abs. 1 StPO steht im gerichtlichen Verfahren dem Verteidiger ein eigenes Recht zu, die Akten einzusehen. Er nimmt dabei ein Recht des Beschuldigten\nwahr, soweit diesem selbst kein eigenes Akteneinsichtsrecht im Strafverfahren zusteht (vgl. BVerfGE 53, 207 <214>). § 147 StPO ist eine Konkretisierung des Anspruchs des Beschuldigten auf rechtliches Gehör (BVerfGE 18, 399 <405>; 62, 338\n<343>). Wird dem Gefangenen gegenüber der Vollzugsbehörde ein eigenes Auskunfts- und Einsichtsrecht gesetzlich eingeräumt, so begegnet es keinen verfassungsrechtlichen Bedenken, der Spezialregelung des § 185 StVollzG gegenüber\n§ 147 StPO i.V.m. § 120 StVollzG Vorrang einzuräumen und die Geltendmachung\ndes Rechts des Gefangenen als Ausübung durch den Verteidiger anzusehen. Gegenüber dem Einsichtsrecht des Gefangenen sind die eigenen Rechte des Verteidigers nicht spezieller (vgl. Seebode, Einsicht in Personalakten des Strafgefangenen,\nNJW 1997, S. 1754, 1757).\n\n Von einer weiter gehenden Begründung wird abgesehen (§ 93d Abs. 1 Satz 3              5\nBVerfGG).\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                  6\n\n               Limbach              Hassemer              Mellinghoff\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n30. Januar 2002 - 2 BvR 1018/00\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Januar 2002 - 2 BvR 1018/00 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20020130_2bvr101800.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20020130.2bvr101800\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-01-30/2-bvr-1018-00","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 147","ref_norm":"147","n":3},{"jurabk":"StVollzG","ref":"§ 185","ref_norm":"185","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 12","ref_norm":"12","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 14","ref_norm":"14","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1},{"jurabk":"StVollzG","ref":"§ 120","ref_norm":"120","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-01-30/2-bvr-1018-00","retrieved":"2026-07-10 10:48:58.303905+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2002-01-30/2-bvr-1018-00","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2002-01-30","dockets":["2 BvR 1018/00"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20020130.2bvr101800","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2002:rk20020130.2bvr101800"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 30.01.2002 – 2 BvR 1018/00","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2002-01-30/2-bvr-1018-00","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"StPO/147","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"147","label":"§ 147 StPO","mentions":3},{"id":"StVollzG/185","law":"StVollzG","abbreviation":"StVollzG","ref":"185","label":"§ 185 StVollzG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"GG/12","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"12","label":"Art 12 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/14","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"14","label":"Art 14 GG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/23","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"23","label":"§ 23 BVerfGG","mentions":1},{"id":"StVollzG/120","law":"StVollzG","abbreviation":"StVollzG","ref":"120","label":"§ 120 StVollzG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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