{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011129.2bvr148601","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2001-11-29","aktenzeichen":"2 BvR 1486/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n  - 2 BVR 1486/01 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes türkischen Staatsangehörigen K...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Rainer M. Hofmann,\n                    Alsenstraße 17, 52068 Aachen -\ngegen den Beschluss des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen vom 20. Juli 2001 - 17 B 1116/00 -\n\nund    Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung\n\nhat die 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  den Richter Sommer,\n                                  die Richterin Osterloh\n                                  und den Richter Di Fabio\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 29. November 2001 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDamit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.\n\n                                      Gründe:\n Der Verfassungsbeschwerde kommt weder grundsätzliche verfassungsrechtliche              1\nBedeutung zu, noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG\ngenannten Rechte angezeigt (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Die Verfassungsbeschwerde\nhat keine hinreichende Aussicht auf Erfolg (vgl. BVerfGE 90, 22 <25 f.>).\n\n  Die Außerachtlassung einer Verpflichtung zur Vorlage an ein anderes Gericht kann       2\neinen Entzug des gesetzlichen Richters darstellen, wobei auch der Europäische Gerichtshof gesetzlicher Richter im Sinne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ist (vgl.\nBVerfGE 73, 339 <366 ff.>; 82, 159 <192>). Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG schützt jedoch\nnicht vor jeder fehlerhaften Anwendung oder irrtümlichen Nichtbeachtung einer Verfahrensnorm. Die Grenze zur Verfassungswidrigkeit ist erst überschritten, wenn die\nPflicht zur Vorlage an ein anderes Gericht willkürlich verletzt wird (vgl. BVerfGE 42,\n237 <241>; 76, 93 <96>; 87, 282 <284 f.>). Ein Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2\nGG setzt daher voraus, dass das Oberverwaltungsgericht zur Vorlage an den Europäischen Gerichtshof verpflichtet gewesen ist und die Nichtbeachtung dieser Verpflichtung auf Willkür beruht (vgl. BVerfGE 73, 339 <366>). Im Falle des Beschwer-\n\n\n                                          1/3\n\ndeführers fehlt es bereits an der hinreichenden Darlegung einer Vorlagepflicht, weil\ndie Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts im Rahmen eines einstweiligen\nRechtsschutzverfahrens erging. Im Hinblick auf den summarischen Charakter des\nEilverfahrens und die Möglichkeit einer Klärung der gemeinschaftsrechtlichen Fragen\nim Hauptsacheverfahren entspricht es jedenfalls überwiegender Auffassung, dass\nin Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes zwar die Möglichkeit eines Vorabentscheidungsersuchens nach Art. 234 Abs. 2 EG-Vertrag, aber keine Vorlageverpflichtung im Sinne des Art. 234 Abs. 3 EG-Vertrag besteht (vgl. nur Dauses, Das\nVorabentscheidungsverfahren nach Art. 177 EG-Vertrag, 2. Auflage 1995, S. 92 und\n112 f; Krück in: von der Groeben/Thiesing/Ehlermann, Handbuch des Europäischen\nRechts, Art. 177 EG-Vertrag, Rn. 70, jeweils m.w.N.). Bei Zugrundelegung dieser\nAuffassung kommt ein Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG von vornherein nicht\nin Betracht (so schon BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n29. November 1991 - 2 BvR 1042/91 -, InfAuslR 1992, S. 81 <82>; inzident auch\nBVerfGE 82, 159 <195 f.>, das auf das letztinstanzliche Hauptsachegericht abstellt;\noffen gelassen in BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 10. Mai\n2001 - 1 BvR 481 und 518/01 -, DVBl 2001, S. 1139 <1140>). Jedenfalls aber ist vor\ndiesem Hintergrund eine willkürliche Außerachtlassung einer bestehenden Vorlagepflicht nicht ersichtlich. Ob die vom Beschwerdeführer für entscheidungserheblich erachteten Gegenauffassungen zu Fragen des Gemeinschaftsrechts den im angegriffenen Beschluss vertretenen Rechtsstandpunkten eindeutig vorzuziehen wären (vgl.\nBVerfGE 82, 159 <195 f.>), kann mithin offen bleiben.\n\n Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches           3\nGehör (Art. 103 Abs. 1 GG) rügt, hat er dies bislang noch nicht im Wege eines Abänderungsantrages nach § 80 Abs. 7 VwGO geltend gemacht. Dies wäre unter dem\nGesichtspunkt der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde geboten gewesen (vgl.\nBVerfGE 70, 180 <187 ff.>; 92, 245 <256 ff.>).\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                   5\n\n               Sommer                 Osterloh              Di Fabio\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom\n29. November 2001 - 2 BvR 1486/01\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 29. November 2001 - 2 BvR 1486/01 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20011129_2bvr148601.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011129.2bvr148601\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-11-29/2-bvr-1486-01","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":4},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 80","ref_norm":"80","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-11-29/2-bvr-1486-01","retrieved":"2026-07-10 10:48:40.828625+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2001-11-29/2-bvr-1486-01","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2001-11-29","dockets":["2 BvR 1486/01"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011129.2bvr148601","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011129.2bvr148601"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 29.11.2001 – 2 BvR 1486/01","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-11-29/2-bvr-1486-01","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nDamit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/101","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"101","label":"Art 101 GG","mentions":4},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":1},{"id":"VwGO/80","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"80","label":"§ 80 VwGO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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