{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011111.2bvr115101","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2001-11-11","aktenzeichen":"2 BvR 1151/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1151/01 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn K...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Ulrich Busch,\n                    Sohlstättenstraße 121, 40880 Ratingen-Tiefenbroich -\ngegen den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 22. Mai 2001 - 3 StR 462/00 -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  die Richterin Präsidentin Limbach\n                                  und die Richter Hassemer,\n                                  Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 11. November 2001 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil sie             1\nkeine Aussicht auf Erfolg hat.\n\n  1. Die Auffassung des Bundesgerichtshofs, das Sitzungsprotokoll bilde eine Einheit,   2\nso dass die gemäß §§ 272 Nrn. 2 und 4, 273 Abs. 1 StPO vorgeschriebene Angabe\nbestimmter Verfahrensbeteiligter bei Unterbrechung und Fortsetzung der Verhandlung an einem anderen Tag nicht wiederholt werden müsse, sondern bis zu einem\nabweichenden Protokollvermerk fortgelte, beruht auf dem Wortlaut des § 271 Abs. 1\nStPO. Danach ist \"über die Hauptverhandlung... ein Protokoll\" aufzunehmen, also\nnicht etwa für jeden Sitzungstag eine gesonderte Niederschrift zu erstellen. Die vom\nBundesgerichtshof aus der Einheitlichkeit des Hauptverhandlungsprotokolls gezogene Schlussfolgerung, das Schweigen des Protokolls begründe selbst dann keinen\nBeweis für die Abwesenheit einer dieser Personen, wenn (unnötigerweise) die Anwesenheit anderer Verfahrensbeteiligter ausdrücklich erneut vermerkt oder - wie im\nAusgangsverfahren - in Niederschriften zu anderen Fortsetzungsterminen alle Verfahrensbeteiligten vollständig aufgeführt würden, ist zwar nicht zwingend. Ob eine\nsolche Protokollauslegung einfach-rechtlich \"bedenklich\" ist (wie Engelhardt, in:\nKarlsruher Kommentar, StPO, 4. Auflage, § 274 Rn. 7 meint), kann dahinstehen.\nDenn jedenfalls sind die vorstehende wie auch die daran anknüpfende weitere Argumentation des Bundesgerichtshofs, der Protokollinhalt sei in den geschilderten Fällen\n\n\n\n                                         1/3\n\nunklar, wenn die Person des an einem Terminstag nicht erneut genannten notwendigen Verfahrensbeteiligten mehrfach gewechselt habe, sachbezogen und nachvollziehbar. Dafür, dass sie auf sachfremden Erwägungen beruhen, etwa auf eine bloße\nArbeitserleichterung abzielen könnten, ist nichts ersichtlich. Dagegen spricht bereits,\ndass der Bundesgerichtshof den Revisionsführer, der auf Grund der vorstehenden\nProtokollauslegung einen Verfahrensverstoß im Sinne des § 338 Nr. 5 StPO nicht\ngemäß § 274 Satz 1 StPO nachweisen kann, nicht beweislos stellt, sondern ihm die\ngegenüber § 274 StPO weiter gehenden Beweismöglichkeiten des Freibeweises eröffnet.\n\n  2. Soweit sich der Beschwerdeführer auch gegen die Durchführung eines solchen           3\nFreibeweisverfahrens durch den Bundesgerichtshof wendet, verkennt er, dass er insoweit nicht beschwert ist. Denn ohne die Zulassung des Freibeweises wäre - mangels Beweiskraft des Protokolls - der von ihm geltend gemachte Verfahrensfehler\n(fehlende Anwesenheit eines Dolmetschers) nicht nachweisbar gewesen. Damit hätte die Revision des Beschwerdeführers keinen Erfolg haben können, weil er die Beweislast für das Vorliegen der seine Revisionsrüge begründenden Tatsachen trug\n(der Grundsatz \"in dubio pro reo\" gilt insoweit nicht, vgl. Beschluss des Vorprüfungsausschusses des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 16. Februar\n1982 - 2 BvR 178/82 -). Durch die Zulassung des Freibeweisverfahrens hat der Bundesgerichtshof die Beweisposition des Beschwerdeführers also nicht beeinträchtigt,\nsondern verbessert. Damit hat er zugleich dem Gebot eines effektiven Rechtsschutzes im Rechtsmittelverfahren (vgl. dazu BVerfGE 78, 88 <98 ff.>) Rechnung getragen.\n\n Von einer weiter gehenden Begründung der Entscheidung wird gemäß § 93d Abs. 1            4\nSatz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     5\n\n               Limbach                Hassemer               Mellinghoff\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n11. November 2001 - 2 BvR 1151/01\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 11. November 2001 - 2 BvR 1151/01 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20011111_2bvr115101.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011111.2bvr115101\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-11-11/2-bvr-1151-01","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 274","ref_norm":"274","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 338","ref_norm":"338","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 271","ref_norm":"271","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-11-11/2-bvr-1151-01","retrieved":"2026-07-10 10:48:36.061609+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2001-11-11/2-bvr-1151-01","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2001-11-11","dockets":["2 BvR 1151/01"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011111.2bvr115101","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20011111.2bvr115101"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 11.11.2001 – 2 BvR 1151/01","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-11-11/2-bvr-1151-01","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"StPO/274","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"274","label":"§ 274 StPO","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"StPO/338","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"338","label":"§ 338 StPO","mentions":1},{"id":"StPO/271","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"271","label":"§ 271 StPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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