{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010720.1bvr052901","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2001-07-20","aktenzeichen":"1 BvR 529/01","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 529/01 -\n- 1 BVR 530/01 -\n- 1 BVR 531/01 -\n\n                               In den Verfahren\n                                     über\n                         die Verfassungsbeschwerden\n1. des Herrn S...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Bernd Meisterernst und Koll.,\n                   Geiststraße 2, 48151 Münster -\ngegen die Verordnung zur Durchführung der Zusatzabgabenregelung (Zusatzabgabenverordnung) vom 12. Januar 2000 (BGBl I S. 27), insbesondere § 12\n      Abs. 3 Satz 1\n\n- 1 BVR 529/01 -,\n\n2. des Herrn W...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Bernd Meisterernst und Koll.,\n                   Geiststraße 2, 48151 Münster -\ngegen die Verordnung zur Durchführung der Zusatzabgabenregelung (Zusatzabgabenverordnung) vom 12. Januar 2000 (BGBl I S. 27), insbesondere § 12\n      Abs. 3 Satz 1\n\n- 1 BVR 530/01 -,\n\n3. des Herrn D...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Bernd Meisterernst und Koll.,\n                   Geiststraße 2, 48151 Münster -\ngegen die Verordnung zur Durchführung der Zusatzabgabenregelung (Zusatzabgabenverordnung) vom 12. Januar 2000 (BGBl I S. 27), insbesondere § 12\n      Abs. 3 Satz 1\n\n- 1 BVR 531/01 -\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                die Richterin Jaeger\n                                und die Richter Hömig,\n                                Bryde\n\nam 20. Juli 2001 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n\n\n                                        1/4\n\n                                      Gründe:\n 1. Die Beschwerdeführer wenden sich unmittelbar gegen das Recht des Pächters           1\nzur Übernahme von \"Milchquoten\" nach § 12 Abs. 3 Satz 1 der Verordnung zur\nDurchführung der Zusatzabgabenregelung (Zusatzabgabenverordnung; im Folgenden: ZAVO) vom 12. Januar 2000 (BGBl I S. 27).\n\n 2. Die Verfassungsbeschwerden sind nicht zur Entscheidung anzunehmen. Die                  2\nVoraussetzungen des § 93 a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Denn die Verfassungsbeschwerden sind unzulässig, weil sie gegen den Grundsatz der Subsidiarität\nder Verfassungsbeschwerde verstoßen.\n\n  a) Auch eine unmittelbare Grundrechtsbetroffenheit begründet nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht stets die Zulässigkeit der gegen eine\nRechtsnorm gerichteten Verfassungsbeschwerde (vgl. BVerfGE 68, 319 <325 f.>;\n71, 305 <335 ff.>; 78, 350 <355>). Die Unzulässigkeit einer solchen Verfassungsbeschwerde kann sich daraus ergeben, dass der Beschwerdeführer, obwohl gegen die\nNorm selbst kein fachgerichtlicher Rechtsweg eröffnet ist, in zumutbarer Weise einen\nwirkungsvollen Rechtsschutz zunächst durch Anrufung der Fachgerichte erlangen\nkann (vgl. BVerfGE 74, 69 <74>). Nach § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht zwar auch vor Erschöpfung des Rechtswegs entscheiden,\nwenn die Verfassungsbeschwerde von allgemeiner Bedeutung ist oder wenn dem\nBeschwerdeführer ein schwerer und unabwendbarer Nachteil entstünde, falls er zunächst auf den Rechtsweg verwiesen würde. Können jedoch bereits die Fachgerichte\nbei Normen, die nicht dem Verwerfungsmonopol des Bundesverfassungsgerichts unterliegen, einer Grundrechtsverletzung abhelfen, besteht kein Anlass zu seiner sofortigen Inanspruchnahme (vgl. BVerfGE 68, 319 <325 f.>; vgl. auch BVerfGE 71, 305\n<336>). Überdies sind Ausnahmen von der Vorschrift des § 90 Abs. 2 Satz 1\nBVerfGG eng zu begrenzen, weil die darin zum Ausdruck kommende Subsidiarität\nder Verfassungsbeschwerde ein Wesensmerkmal dieses außerordentlichen Rechtsbehelfs ist und der besonderen Funktion des Bundesverfassungsgerichts in dem umfassenden Rechtsschutzsystem des Grundgesetzes entspricht (vgl. BVerfGE 22, 349\n<355>; vgl. auch BVerfGE 79, 1 <23 f.>).\n\n  b) Danach kommt hier keine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ohne                4\nfachgerichtliche Vorklärung in Betracht. Der Beschwerdeführer zu 1) hat im Mai 2000\ndie Rückübertragung der streitigen Anlieferungs-Referenzmenge auf sich gemäß\n§ 17 Abs. 1 Nr. 1 in Verbindung mit § 12 Abs. 2 ZAVO beantragt. Auch die Beschwerdeführer zu 2) und 3) könnten - entsprechend ihrem materiellen Begehren - einen solchen Rückgewährsantrag stellen. Außerdem haben die Beschwerdeführer zu 1) und\n2) Widerspruch gegen die Bescheinigung der Übernahme der Referenzmengen\ndurch die Pächter erhoben. Hinsichtlich des Streits über eine Bescheinigung nach\n§ 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZAVO wird nach allgemeiner Meinung der Rechtsweg zu den\nVerwaltungsgerichten (§ 40 Abs. 1 Satz 1 VwGO) eröffnet (vgl. BVerwGE 81, 49; 84,\n140; BVerwG, RdL 1993, S. 298; BVerwG, Agrarrecht 1994, S. 138; BVerwGE 87,\n94).\n\n\n                                         2/4\n\n Soweit die Beschwerdeführer einen Verstoß gegen das Zitiergebot des Art. 80 Abs.          5\n1 Satz 3 GG und einen Verstoß gegen das aus dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs.\n3 GG) abzuleitende grundsätzliche Verbot der Rückwirkung belastender Gesetze sowie eine Verletzung von Art. 14 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1 sowie Art. 2 Abs. 1 GG durch\ndie Zusatzabgabenverordnung rügen, besteht nach der ständigen Rechtsprechung\ndes Bundesverfassungsgerichts kein Verwerfungsmonopol des Bundesverfassungsgerichts (vgl. nur BVerfGE 71, 305 <337> m.w.N.). Über derartige Rügen gegen eine\nRechtsverordnung des Bundes können die Fachgerichte selbst entscheiden und den\nBeschwerdeführern Grundrechtsschutz gewähren.\n\n  c) Dafür, dass den Beschwerdeführern im Fall der vorherigen Anrufung der Fachgerichte ein schwerer und unabwendbarer Nachteil entstünde, der später nicht mehr\nkorrigiert werden könnte, ist nichts ersichtlich. Die Fachgerichte sind in der Lage, etwaige grundrechtswidrige Normwirkungen der Zusatzabgabenverordnung alsbald -\ngegebenenfalls zunächst im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes - von den Betroffenen abzuwenden und diese so vor möglicherweise drohenden schweren Nachteilen zu bewahren (vgl. BVerfGE 71, 305 <349>). Die \"allgemeine Bedeutung\" auftretender Fragen im Sinne des § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG ist stets nur ein Moment\nder Abwägung für und wider die sofortige Sachentscheidung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. BVerfGE 71, 305 <349> m.w.N.). Im Hinblick auf die grundsätzliche Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde gegenüber fachgerichtlichem Rechtsschutz fällt diese Abwägung auch gegenüber der \"allgemein bedeutsamen\" Frage\nder verfassungsrechtlichen Zulässigkeit des Übernahmerechts des Pächters nach\n§ 12 Abs. 3 ZAVO zu Lasten der Beschwerdeführer aus.\n\n 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar (§ 93 d Abs. 1 Satz 2 BVerfGG).                       8\n\n                Jaeger                  Hömig                   Bryde\n\n\n\n\n                                           3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n20. Juli 2001 - 1 BvR 529/01\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 20. Juli 2001\n                - 1 BvR 529/01 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20010720_1bvr052901.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010720.1bvr052901\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-07-20/1-bvr-529-01","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 20","ref_norm":"20","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 40","ref_norm":"40","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-07-20/1-bvr-529-01","retrieved":"2026-07-10 10:48:06.128289+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2001-07-20/1-bvr-529-01","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2001-07-20","dockets":["1 BvR 529/01"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010720.1bvr052901","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010720.1bvr052901"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 20.07.2001 – 1 BvR 529/01","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-07-20/1-bvr-529-01","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                        1/4","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/2","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"2","label":"Art 2 GG","mentions":1},{"id":"GG/20","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"20","label":"Art 20 GG","mentions":1},{"id":"VwGO/40","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"40","label":"§ 40 VwGO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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