{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk20010214_2bvr046093","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010214.2bvr046093","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2001-02-14","aktenzeichen":"2 BvR 460/93","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 460/93 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn P...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Dr. Geert Wolfgang Seelig und Koll.,\n                   Große Theaterstraße 42, 20354 Hamburg -\n1. unmittelbar gegen\n\na) das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 26. November 1992 - IV R 109/90 -,\n\nb) das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 15. Juni 1990 - VII 54/87 -,\n\n2. mittelbar gegen\n§ 18 Abs. 1 EStG in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. September 1990\n(BGBl I S. 1898 EStG 1990)\n\nhat die 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                den Richter Sommer,\n                                die Richterin Osterloh\n                                und den Richter Di Fabio\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 14. Februar 2001 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n\n                                        I.\n  Die Verfassungsbeschwerde betrifft im Rahmen eines Verfahrens wegen gesonderter Gewinnfeststellung für die Jahre 1978, 1979, 1981 sowie wegen der Heranziehung zur Gewerbesteuer für die Jahre 1978 bis 1982 und 1984 die Frage, ob der als\nDispacheur tätige Beschwerdeführer Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt hat oder\nob die Tätigkeit als freiberuflich zu qualifizieren ist.\n\n                                        II.\n Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche         2\nBedeutung zu und ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1\nBVerfGG genannten Rechte angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Sie hat\nkeine hinreichende Aussicht auf Erfolg (vgl. BVerfGE 90, 22 <24 ff.>).\n\n\n\n                                        1/4\n\n  1. Soweit der Beschwerdeführer grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedenken          3\ngegen die Erhebung der Gewerbesteuer geltend macht, ist auf die Entscheidung des\nBundesverfassungsgerichts vom 25. Oktober 1977, BVerfGE 46, 224 (233 ff., 239 f.),\nzu verweisen. Dort hat das Gericht in den tragenden Gründen die Verfassungsmäßigkeit der gewerbesteuerlichen Belastung bestimmter selbständiger Tätigkeiten mit\nBindungswirkung (§ 31 BVerfGG) festgestellt und diese Feststellungen nicht auf die\ndort betroffenen früheren Streitjahre beschränkt. Gründe dafür, dass für die hier betroffenen, dem Zeitpunkt jenes Beschlusses des Ersten Senats unmittelbar folgenden\nStreitjahre abweichend zu entscheiden sein könnte, lässt die Verfassungsbeschwerde nicht erkennen.\n\n  2. Die vom Finanzgericht Hamburg und vom Bundesfinanzhof in den angegriffenen         4\nEntscheidungen vorgenommene Bewertung der Tätigkeit des Beschwerdeführers\nlässt einen Verfassungsverstoß nicht erkennen. Sie bewegt sich im Rahmen der den\nFachgerichten obliegenden tatsächlichen und rechtlichen Würdigung. Anhaltspunkte\nfür das Vorliegen sachfremder Erwägungen und damit einer willkürlichen Rechtsanwendung sind weder dargelegt noch ersichtlich. Der Bundesfinanzhof hat insbesondere die Anforderungen an eine wissenschaftliche Tätigkeit nicht überspannt. Soweit\nder Bundesfinanzhof zu dem Ergebnis gelangt ist, dass die Anmerkungen in den vom\nBeschwerdeführer       aufgemachten     Dispachen      vornehmlich      schifffahrtskaufmännische Kenntnisse dokumentieren, ist diese Würdigung einer ins Einzelne\ngehenden verfassungsrechtlichen Überprüfung nicht zugänglich. Jedenfalls ist nicht\noffensichtlich, dass diese Bewertung dem Tätigkeitsprofil des Beschwerdeführers\nnicht gerecht geworden ist, vielmehr entspricht die fachgerichtliche Gesamtwürdigung der Aufgabenstellung eines Dispacheurs verbreiteter Ansicht (vgl. Prüßmann/\nRabe, Seehandelsrecht, 2. Aufl., § 728 HGB Anm. B; Herber, Seehandelsrecht, § 35\nIII; OLG Hamburg, Beschluss vom 17. Februar 1994 - 6 U 124/93, VersR 1996, S.\n393, S. 395).\n\n  Ferner ist es von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden, dass der Bundesfinanzhof die vom Beschwerdeführer vertretene Auffassung, er sei öffentlichrechtliches Organ der Rechtspflege und übe damit zwangsläufig eine freiberufliche\nTätigkeit aus, nicht geteilt hat. Die Ansicht des Beschwerdeführers findet auch sonst\nin der Literatur und Rechtsprechung keine uneingeschränkte Zustimmung (vgl. etwa\nUrteil des Bundesgerichtshofs vom 23. September 1996 - II ZR 157/95, WM 1997, S.\n228; Sieg in: VersR 1996, S. 684).\n\n  Auch der Vorwurf einer Willkürentscheidung aufgrund mangelnder Sachaufklärung         6\ngreift nicht durch. Der Bundesfinanzhof hat sich in seiner Entscheidung mit der Verfahrensrüge der mangelnden Sachaufklärung wegen Übergehens entscheidungserheblicher Beweisanträge ausführlich auseinandergesetzt. Der Beschwerdeführer legt\nnicht dar, inwieweit die Verneinung eines Verfahrensmangels dem materiellen Gehalt\ndes Art. 3 Abs. 1 GG nicht gerecht geworden ist.\n\n Im Übrigen wird von einer Begründung gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abge-           7\n\n\n\n                                         2/4\n\nsehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                     8\n\n              Sommer                Osterloh   Di Fabio\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom\n14. Februar 2001 - 2 BvR 460/93\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 14. Februar 2001 - 2 BvR 460/93 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20010214_2bvr046093.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010214.2bvr046093\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-02-14/2-bvr-460-93","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 31","ref_norm":"31","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"EStG","ref":"§ 18","ref_norm":"18","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-02-14/2-bvr-460-93","retrieved":"2026-07-10 10:47:19.736766+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2001-02-14/2-bvr-460-93","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2001-02-14","dockets":["2 BvR 460/93"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010214.2bvr046093","ids":{"doknr":"BVERFG-rk20010214_2bvr046093","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010214.2bvr046093"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 14.02.2001 – 2 BvR 460/93","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-02-14/2-bvr-460-93","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/31","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"31","label":"§ 31 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"EStG/18","law":"EStG","abbreviation":"EStG","ref":"18","label":"§ 18 EStG","mentions":1},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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