{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010208.2bvr026699","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2001-02-08","aktenzeichen":"2 BvR 266/99","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n  - 2 BVR 266/99 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder jugoslawischen Staatsangehörigen\n\n1. M ... ,\n\n2. M ... ,\n\n3. M ... ,\n\n4. M ... ,\n\n5. M ... ,\n\n   die Beschwerdeführer zu 3. bis 5. gesetzlich vertreten durch die Beschwerdeführer zu 1. und 2.,\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Ihlenburg,\n                    Ehretstraße 2, 69469 Weinheim -\ngegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel vom 7. Januar 1999 - 7 E 1928/\n      97.A(1) -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch die\nRichter\n                                 Sommer,\n                                 Broß,\n                                 Mellinghoff\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 8. Februar 2001 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n  Die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Die Verfassungsbeschwerde ist insgesamt unzulässig und ihre Annahme daher mangels\nhinreichender Aussicht auf Erfolg nicht zur Durchsetzung der als verletzt bezeichneten Verfassungsrechte angezeigt im Sinne von § 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG\n(vgl. BVerfGE 90, 22 <25 f.>).\n\n Das Verwaltungsgericht hat allerdings mit der Ablehnung der Terminsverlegung gegen den Anspruch der Beschwerdeführer auf Gewährung rechtlichen Gehörs versto-\n\n\n\n                                         1/3\n\nßen: Die Verhinderung des Prozessbevollmächtigten ist jedenfalls dann ein hinreichender Grund für die Aufhebung, Verlegung oder Vertagung eines Termins, wenn\nnicht mehr rechtzeitig für eine Vertretung gesorgt werden kann. Dies ist insbesondere bei unvorhergesehener plötzlicher Erkrankung des Prozessbevollmächtigten der\nFall (vgl. Kopp/Schenke, VwGO, 12. Aufl., § 102, Rn. 8 m.w.N.). Eine solche hatte\nder Prozessbevollmächtigte geltend gemacht und auch seine Bereitschaft bekundet,\nzur Glaubhaftmachung ein Attest vorzulegen, wenn das Gericht dies als notwendig\nerachte.\n\n  Der Zulässigkeit der Verfassungsbeschwede steht indessen der allgemeine Grundsatz der Subsidiarität (vgl. BVerfGE 22, 287 <290>; 70, 180 <187>) entgegen. Die\nBeschwerdeführer haben das Asylverfahren nicht angemessen betrieben; sie haben\nes unterlassen, ihre Volkszugehörigkeit, von der sie nunmehr die Verfolgungsfurcht\nherleiten, beim Bundesamt und im gerichtlichen Verfahren selbst vorzutragen (vgl.\nzur Darlegungslast im Verfahren vor dem Bundesamt § 25 Abs. 1 AsylVfG, zur Pflicht\nzur Klagebegründung § 74 Abs. 2 Satz 1 AsylVfG). Die Erfüllung dieser Darlegungspflicht ist unvertretbar. Auch die anwaltliche Vertretung enthebt nicht von der Pflicht\nzur persönlichen Äußerung (vgl. Marx, AsylVfG, 4. Aufl., § 25, Rn. 13). Der mit der\nVerfassungsbeschwerde gerügte Mangel des angegriffenen Urteils beruht in erster\nLinie darauf, dass die Beschwerdeführer ihre Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Roma zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht haben. Insbesondere ist nicht ersichtlich,\ndass sie die Bescheinigung des Roma-Bürgervereins Zenica vom 29. Oktober 1998\nund den Bericht der Fact-Finding-Mission zur Situation der Roma in Bosnien-Herzegowina vom 20. Juni 1996 im behördlichen oder gerichtlichen Verfahren vorgelegt hätten. Weshalb der Prozessbevollmächtigte, der in der Lage war, den Terminsverlegungsantrag zu faxen, dem Gericht nicht auch diese Unterlagen hätte\nübermitteln können, erschließt sich nicht. Unverständlich ist auch, weshalb nicht die\nBeschwerdeführer persönlich den Termin zur mündlichen Verhandlung wahrgenommen und auf ihre Volkszugehörigkeit hingewiesen haben. Dass sie dafür anwaltlichen\nBeistands bedurft hätten, ist nicht ersichtlich.\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     5\n\n               Sommer                   Broß                 Mellinghoff\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n8. Februar 2001 - 2 BvR 266/99\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 8. Februar 2001 - 2 BvR 266/99 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20010208_2bvr026699.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010208.2bvr026699\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-02-08/2-bvr-266-99","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 25","ref_norm":"25","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 74","ref_norm":"74","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-02-08/2-bvr-266-99","retrieved":"2026-07-10 10:47:17.420008+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2001-02-08/2-bvr-266-99","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2001-02-08","dockets":["2 BvR 266/99"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010208.2bvr026699","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010208.2bvr026699"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 08.02.2001 – 2 BvR 266/99","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-02-08/2-bvr-266-99","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"AsylVfG 1992/25","law":"AsylVfG 1992","abbreviation":"AsylVfG 1992","ref":"25","label":"§ 25 AsylVfG 1992","mentions":1},{"id":"AsylVfG 1992/74","law":"AsylVfG 1992","abbreviation":"AsylVfG 1992","ref":"74","label":"§ 74 AsylVfG 1992","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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