{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010108.1bvr217000","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2001-01-08","aktenzeichen":"1 BvR 2170/00","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 2170/00 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\nder J... Bau GmbH & Co. KG,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Hans-Joachim Kühnel und Koll.,\n                   Rudolf-Walther-Straße 1, Gründau -\ngegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 20. Oktober\n      2000 - 14 W 112/00 -\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                den Richter Kühling,\n                                die Richterin Jaeger\n                                und den Richter Hömig\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 8. Januar 2001 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n\n                                        I.\n Die Verfassungsbeschwerde richtet sich gegen einen oberlandesgerichtlichen Beschluss, durch den der vom Oberlandesgericht als sofortige Beschwerde angesehene Rechtsbehelf der Beschwerdeführerin gegen eine Kostenfestsetzung des Rechtspflegers als unzulässig verworfen wurde, weil der Streitwert unter 100 DM lag. Die\nBeschwerdeführerin rügt eine Verletzung von Art. 19 Abs. 4 GG.\n\n                                        II.\n Die Annahmevoraussetzungen des § 93 a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Der          2\nVerfassungsbeschwerde kommt grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung\nnicht zu, weil die für ihre\n\n  Beurteilung maßgebliche verfassungsrechtliche Frage durch das Bundesverfassungsgericht bereits entschieden ist (vgl. BVerfGE 101, 397 <407>). Die Annahme\nder Verfassungsbeschwerde ist auch nicht zur Durchsetzung von Verfassungsrechten der Beschwerdeführerin angezeigt.\n\n Allerdings ist die angegriffene Entscheidung verfassungsrechtlich bedenklich. Das   4\nOberlandesgericht hat angenommen, dass der Beschwerdeführerin der Weg der Er-\n\n\n                                        1/4\n\ninnerung gegen den Kostenfestsetzungsbeschluss des Rechtspflegers nach § 11\nAbs. 2 RPflG versperrt sei, weil nach § 11 Abs. 1 RPflG in Verbindung mit § 104\nAbs. 3 ZPO die sofortige Beschwerde zulässig sei. Dabei hat es jedoch unberücksichtigt gelassen, dass nach § 567 Abs. 2 Satz 2 ZPO die Zulässigkeit der sofortigen Beschwerde in Fällen der vorliegenden Art einen Wert des Beschwerdegegenstandes von über 100 DM voraussetzt. Da dieser Betrag bei einem Beschwerdewert\nvon gut 87 DM im Fall der Beschwerdeführerin nicht erreicht war, hat die Auffassung des Oberlandesgerichts zur Folge, dass der Beschwerdeführerin im Ergebnis\njede Möglichkeit einer richterlichen Überprüfung der Entscheidung des Rechtspflegers verwehrt wurde. Das steht mit Art. 19 Abs. 4 GG nicht im Einklang (vgl. BVerfGE\n101, 397 <407>).\n\n  Dieses Ergebnis beruht nicht auf der vom Oberlandesgericht angewandten gesetzlichen Regelung, sondern allein auf deren Auslegung durch das genannte Gericht. Soweit ersichtlich, entspricht es allgemeiner Auffassung, dass dann, wenn der Beschwerdewert des § 567 Abs. 2 Satz 2 ZPO in einer Entscheidung des\nRechtspflegers nicht erreicht wird und deshalb ein Rechtsmittel nach den allgemeinen verfahrensrechtlichen Vorschriften nicht im Sinne des § 11 Abs. 1 RPflG zulässig\nist, dem Beschwerten die Möglichkeit der Erinnerung nach § 11 Abs. 2 RPflG zur Verfügung steht, über die nach Maßgabe der Sätze 3 und 4 dieser Vorschrift das Gericht\ndes Rechtspflegers entscheidet, wenn dieser ihr nicht abhilft (vgl. Rellermeyer, Rpfleger 1998, S. 309 <310>; Hansens, Rpfleger 1999, S. 105 f.; Herbst, in: Bassenge/\nHerbst, FGG/RPflG, 8. Aufl. 1999, § 11 RPflG Rn. 12, 22, 27; Hartmann, in: Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 59. Aufl. 2001, § 104 Rn. 92; Herget, in:\nZöller, ZPO, 22. Aufl. 2001, § 104 Rn. 9 ff., insbes. Rn. 15, 21 Stichwort \"Beschwer\"\na.E.; vgl. auch BayObLG, AnwBl 1999, S. 354 f.; OLG München, Rpfleger 1999, S.\n16 <17>). Das trägt Art. 19 Abs. 4 GG hinreichend Rechnung und berücksichtigt\nauch, dass der Gesetzgeber bei der Änderung des Rechtspflegergesetzes durch das\nGesetz vom 6. August 1998 (BGBl I S. 2030) den Rechtsbehelf der Erinnerung für die\nFälle, in denen Entscheidungen des Rechtspflegers nach den allgemeinen Regeln\ndes Verfahrensrechts nicht anfechtbar sind, gerade aus verfassungsrechtlichen\nGründen beibehalten hat (vgl. BTDrucks 13/10244, S. 7).\n\n  Das Oberlandesgericht hat diese Zusammenhänge bei Anwendung des neu geschaffenen Rechts offenbar versehentlich verkannt. Eine Grundrechtsverletzung von\nbesonderem Gewicht (vgl. dazu und zum Folgenden BVerfGE 90, 22 <25>) kann darin nicht gesehen werden. Anhaltspunkte dafür, dass einer der Beispielsfälle gegeben\nsein könnte, in denen die Verletzung von Grundrechten oder grundrechtsgleichen\nRechten nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts besonderes Gewicht hat, sind nicht ersichtlich. Schließlich liegt auf der Hand, dass eine Annahme\nder Verfassungsbeschwerde auch nicht wegen existentieller Bedeutung der geltend\ngemachten Verfassungsverletzung angezeigt ist. Bei einem Beschwerdewert von gut\n87 DM kann von einer solchen Bedeutung nicht ausgegangen werden.\n\n\n\n\n                                          2/4\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar (§ 93 d Abs. 1 Satz 2 BVerfGG).             8\n\n              Kühling               Jaeger                Hömig\n\n\n\n\n                                       3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 8. Januar 2001 - 1 BvR 2170/00\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 8. Januar 2001 - 1 BvR 2170/00 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20010108_1bvr217000.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010108.1bvr217000\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-01-08/1-bvr-2170-00","cited_norms":[{"jurabk":"RPflG 1969","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":5},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 567","ref_norm":"567","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 104","ref_norm":"104","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-01-08/1-bvr-2170-00","retrieved":"2026-07-10 10:47:07.659447+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2001-01-08/1-bvr-2170-00","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2001-01-08","dockets":["1 BvR 2170/00"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010108.1bvr217000","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2001:rk20010108.1bvr217000"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 08.01.2001 – 1 BvR 2170/00","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2001-01-08/1-bvr-2170-00","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"RPflG 1969/11","law":"RPflG 1969","abbreviation":"RPflG 1969","ref":"11","label":"§ 11 RPflG 1969","mentions":5},{"id":"GG/19","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"19","label":"Art 19 GG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":2},{"id":"ZPO/567","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"567","label":"§ 567 ZPO","mentions":2},{"id":"ZPO/104","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"104","label":"§ 104 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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