{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001116.2bvr168498","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2000-11-16","aktenzeichen":"2 BvR 1684/98","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1684/98 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\n1. des Herrn A... ,\n2. der Frau A... ,\n3. des minderjährigen Kindes A... ,\n4. des minderjährigen Kindes A...,\ndie Beschwerdeführer zu 3. und 4. gesetzlich vertreten durch die Beschwerdeführer\nzu 1. und 2.\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Helmut Bäcker und Kollegen,\n                   Klingerstraße 24, Frankfurt am Main -\ngegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden vom 19. August 1998 - 9 E\n      30737/98.A (1) -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                  die Richter Sommer,\n                                  Broß\n                                  und die Richterin Osterloh\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 16. November 2000 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche             1\nBedeutung zu, und ihre Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1\nBVerfGG genannten Rechte angezeigt (§ 93a Abs. 2 BVerfGG).\n\n  Allerdings genügt die Klageabweisung als offensichtlich unbegründet nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Begründung einer solchen qualifizierten\nKlageabweisung.\n\n Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts setzt die Abweisung einer Asylklage als offensichtlich unbegründet mit der Folge des Ausschlusses weiterer\ngerichtlicher Nachprüfung (vgl. § 78 Abs. 1 AsylVfG) voraus, dass im maßgeblichen\nZeitpunkt der Entscheidung des Verwaltungsgerichts (vgl. § 77 Abs. 1 AsylVfG) an\nder Richtigkeit der tatsächlichen Feststellungen des Gerichts vernünftigerweise keine\nZweifel bestehen können und sich bei einem solchen Sachverhalt nach allgemein anerkannter Rechtsauffassung (nach dem Stand von Rechtsprechung und Lehre) die\n\n\n                                         1/4\n\nAbweisung der Klage geradezu aufdrängt. Aus den Entscheidungsgründen muss\nsich klar ergeben, weshalb das Gericht zu einem Urteil nach § 78 Abs. 1 AsylVfG\nkommt, warum somit die Klage nicht nur als schlicht unbegründet, sondern als offensichtlich unbegründet abgewiesen worden ist (vgl. BVerfGE 65, 76 <95 f.>; 71, 276\n<293 f.>). Den sich für das Klageverfahren hieraus ergebenden Mindestanforderungen ist durch die Neuregelung des Asylgrundrechts sowie des Asylverfahrensrechts\nnicht die Grundlage entzogen worden (vgl. Beschlüsse der 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 25. April 1994 - 2 BvR 2002/93 -,\nNVwZ-Beilage Nr. 6/1994, S. 41, vom 9. August 1994 - 2 BvR 2576/93 -, nur in JU-RIS veröffentlicht, vom 5. Oktober 1994 - 2 BvR 2748/93 -, NVwZ-Beilage Nr. 1/1995,\nS. 1 und vom 7. November 1996 - 2 BvR 1318/95 -, NVwZ-Beilage Nr. 6/1997, S.\n42). Dieselben Anforderungen sind auch an eine gerichtliche Entscheidung über das\noffensichtliche Nichtvorliegen eines Abschiebungsverbots nach § 51 Abs. 1 AuslG zu\nstellen (stRspr, vgl. Beschlüsse der 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 3. September 1996 - 2 BvR 2353/95 -, BayVBl 1997, S. 15 f.\nund vom 7. November 1996 - 2 BvR 1318/95 -, NVwZ-Beilage 6/1997, S. 42 f.).\n\n  Gemessen an diesen Maßstäben wird die angegriffene Entscheidung nicht den verfassungsmäßigen Anforderungen gerecht, die im Fall der Abweisung der Klage als\noffensichtlich unbegründet an die Urteilsbegründung zu stellen sind. Die schlicht\ndurch Unterstreichung hervorgehobene Behauptung, die Klage sei offensichtlich unbegründet, genügt nicht den Anforderungen an ein Urteil nach § 78 Abs. 1 AsylVfG\n(BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 18. Februar 1993 - 2\nBvR 1869/92 -, InfAuslR 1993, S. 146 <149>). Es wird nicht einmal formelhaft dargelegt, welches - abstrakt gesehen - die für die Klageabweisung als offensichtlich unbegründet bestimmenden Maßstäbe sind. Ferner wird an keiner Stelle der Entscheidungsgründe auch nur ansatzweise erkennbar gemacht, warum die Klage\noffensichtlich unbegründet sein soll.\n\n  Dennoch müsste der Verfassungsbeschwerde der Erfolg versagt bleiben. Es ist            5\nnicht ersichtlich, dass die Beschwerdeführer im Fall einer Aufhebung der angegriffenen Entscheidung und Zurückverweisung an das Verwaltungsgericht im Ergebnis mit\neiner günstigeren Entscheidung rechnen könnten (vgl. BVerfGE 90, 22 <25 f.>; Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 4.\nMärz 1996 - 2 BvR 2409/95 u.a. -, AuAS 1996, S. 117 f.). Das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge hat in dem Bescheid vom 28. April 1997 unter\nVerwertung des Lageberichts des Auswärtigen Amtes vom 30. Januar 1997 die Gefahr landesweiter politischer Verfolgung gemischt-ethnischer Ehepaare in Bosnien-Herzegowina verneint. Die Beschwerdeführer haben diese Bewertung - soweit dies\nanhand der vorgelegten Unterlagen nachprüfbar ist - nicht substantiiert in Zweifel gezogen, insbesondere haben sie sich nicht auf andere Erkenntnismittel bezogen, die\nzu einer von den Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes abweichenden Lagebeurteilung gelangen. Aus den in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. VGH\nBaden-Württemberg, Beschluss vom 26. Januar 1998 - 13 S 2871/97 -, NVwZ-\n\n\n\n                                          2/4\n\nBeilage 5/1998, S. 48; OVG Bremen, Beschluss vom 29. Juni 1998 - 1 BB 163/98 -,\nnur in JURIS veröffentlicht; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22. Juli 1998\n- 16 B 1398/98 -, NWVBl 1999, S. 29 und VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 25.\nNovember 1999 - A 14 S 1688/98 -, VGHBW-Ls 2000, Beilage 2, B 5 <Volltext nur\nin JURIS veröffentlicht>) verwerteten Erkenntnismitteln ergeben sich gleichfalls keine\nAnhaltspunkte für eine politische Verfolgung gemischt-ethnischer Familien.\n\n Soweit ein Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG darin erblickt wird, dass das Urteil auf    6\ndie Problematik der gemischt-ethnischen Ehen überhaupt nicht eingehe, ist nichts\ndafür dargetan oder ersichtlich, dass die Entscheidung auf dem behaupteten Gehörsverstoß beruhen könnte (vgl. zu diesem Erfordernis BVerfGE 28, 17 <20>; 91, 1\n<25 f.>). Es fehlt an einer substantiierten Darlegung, dass sich aus diesem Umstand\nein Abschiebungsverbot nach § 51 Abs. 1 AuslG oder ein Abschiebungshindernis\nnach § 53 AuslG ergeben könnte.\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    8\n\n               Sommer                   Broß                 Osterloh\n\n\n\n\n                                          3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n16. November 2000 - 2 BvR 1684/98\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 16. November 2000 - 2 BvR 1684/98 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20001116_2bvr168498.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001116.2bvr168498\n\n\n\n\n                                     4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-11-16/2-bvr-1684-98","cited_norms":[{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 77","ref_norm":"77","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-11-16/2-bvr-1684-98","retrieved":"2026-07-10 10:46:57.125402+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2000-11-16/2-bvr-1684-98","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2000-11-16","dockets":["2 BvR 1684/98"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001116.2bvr168498","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001116.2bvr168498"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 16.11.2000 – 2 BvR 1684/98","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-11-16/2-bvr-1684-98","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"AsylVfG 1992/78","law":"AsylVfG 1992","abbreviation":"AsylVfG 1992","ref":"78","label":"§ 78 AsylVfG 1992","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":1},{"id":"AsylVfG 1992/77","law":"AsylVfG 1992","abbreviation":"AsylVfG 1992","ref":"77","label":"§ 77 AsylVfG 1992","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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