{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001024.1bvr131995","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"2000-10-24","aktenzeichen":"1 BvR 1319/95","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1319/95 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\n\n1.   der Frau,\n     zugleich als Rechtsnachfolgerin des verstorbenen ,\n\n2.   des Herrn,\n\n3.   der Frau,\n\n4.   des Herrn,\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Rolf Battenstein,\n                    Leostraße 21, Düsseldorf -\ngegen a) den Beschluss des Bundessozialgerichts vom 11. Mai 1995 – 2 BU 63/95\n         -,\n\n       b) den Beschluss des Hessischen Landessozialgerichts vom 17. Februar\n          1995 – L 3 U 443/94 -,\n\n       c) das Urteil des Sozialgerichts Kassel vom 1. März 1994 – S 3 U 1126/90 -\n          ,\n\n       d) die Bescheide der Norddeutschen Metall-Berufsgenossenschaft vom 28.\n          Mai 1990 in der Fassung der Widerspruchsbescheide vom 16. August\n          1990 – BK 1.38033.870 - und des Bescheids vom 19. Januar 1994 -\n\nhat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                 den Vizepräsidenten Papier,\n                                 und die Richter Steiner,\n                                 Hoffmann-Riem\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 24. Oktober 2000 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n\n                                         I.\n Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Entschädigung einer nach Asbestexposition   1\naufgetretenen Lungenkrebserkrankung des Versicherten im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Beschwerdeführerin zu 1. wendet sich als Sonder-\n\n\n                                         1/4\n\nrechtsnachfolgerin des Versicherten gegen die Versagung von Unfallrente. Gemeinsam mit den Beschwerdeführern zu 2. bis 4. verlangt sie Hinterbliebenenleistungen.\n\n 1. Der Versicherte ist am 30. Dezember 1987 an einem Bronchialkarzinom verstorben. Er war während der versicherten Tätigkeit zeitweise Asbeststaub ausgesetzt.\nDie Beklagte des Ausgangsverfahrens lehnte es ab, die Erkrankung des Versicherten\nals Berufskrankheit anzuerkennen und zu entschädigen. Widerspruch und Klage blieben ohne Erfolg. Ansprüche der Beschwerdeführer nach § 551 Abs. 1 und Abs. 2\nReichsversicherungsordnung (RVO) bestünden nicht, da der Verordnungsgeber die\nAnerkennung und Entschädigung von Lungenkrebs bei Einwirkung von Asbestfaserstaub am Arbeitsplatz als Berufskrankheit nach Nr. 4104, 3. Alternative, der Anlage\nzur Berufskrankheiten-Verordnung in der Fassung der Zweiten Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 18. Dezember 1992 (BGBl I S. 2343;\nim Folgenden: Berufskrankheiten-Verordnung 1992) für die Zeit vor dem 1. April\n1988 ausdrücklich ausgeschlossen habe.\n\n Die Beschwerdeführer rügen die Verletzung von Art. 3 Abs. 1, 20 und 103 Abs. 1        3\nGG.\n\n 2. Zur Verfassungsbeschwerde haben der Bundesminister für Arbeit- und Sozialordnung für die Bundesregierung, die Hessische Staatskanzlei für die Hessische\nLandesregierung, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Bundesvereinigung der\nDeutschen Arbeitgeberverbände Stellung genommen. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften beantwortete Fragen zur Entschädigungspraxis.\n\n                                         II.\n Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen. Annahmegründe im Sinne des § 93 a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor. Die Verfassungsbeschwerde hat nach den im beigefügten Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats\ndes Bundesverfassungsgerichts vom 9. Oktober 2000 (1 BvR 791/95) entwickelten\nGrundsätzen keine Aussicht auf Erfolg (1. und 2.). Auch eine Verletzung sonstiger\nGrundrechte der Beschwerdeführer ist nicht erkennbar (3.).\n\n 1. Der Verordnungsgeber hat in Art. 2 Abs. 2 Berufskrankheiten-Verordnung 1992        6\neinen Stichtag gewählt, der den dargestellten verfassungsrechtlichen Anforderungen\ngenügt. Es ist unter Berücksichtigung seines weiten Einschätzungsermessens nicht\nzu erkennen, dass der Stand der Wissenschaft zum Zusammenhang zwischen Asbestexposition und Lungenkrebserkrankungen bereits vor dem 1. April 1988 zur Anerkennung als Berufskrankheit hätte führen müssen (vgl. BRDrucks 773/92, S. 12 f.).\n\n  2. Es ist auch nicht erkennbar, dass der Versicherte im Zuge des von ihm beantragten Feststellungsverfahrens nach § 551 Abs. 2 RVO Grundrechtsverletzungen hat\nhinnehmen müssen. Insbesondere wurde das Feststellungsverfahren nicht in einer\nWeise vom Unfallversicherungsträger betrieben, die ihm willkürlich eine Entscheidung nach § 551 Abs. 2 RVO vor dem Inkrafttreten der Stichtagsregelung des Art. 2\n\n\n                                         2/4\n\nAbs. 2 Berufskrankheiten-Verordnung 1992 vorenthalten hätte. Das Widerspruchsverfahren war mit Bekanntgabe des Widerspruchsbescheids vom 28. Mai 1990 abgeschlossen. Dabei wurde ein Leistungsanspruch nicht im Hinblick auf eine künftige\nRückwirkungsregelung verneint. Nach Auffassung der Beklagten des Ausgangsverfahrens reichten die medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht aus,\nLungenkrebs bei Einwirkung einer bestimmten Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz als Berufskrankheit anzuerkennen.\n\n 3. Schließlich ist eine Verletzung von Art. 103 Abs. 1 GG nicht in der erforderlichen    8\nWeise dargelegt worden (§§ 23 Abs. 1 Satz 2, 92 BVerfGG). Dem Vorbringen lässt\nsich insbesondere nicht entnehmen, dass das Bundessozialgericht in der angegriffenen Entscheidung von seiner bisherigen Rechtsprechung(vgl. BSGE 21, 296 <298>;\n44, 90 <93>; 72, 303 <305>) abgewichen wäre.\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                    10\n\n                Papier                 Steiner           Hoffmann-Riem\n\n\n\n\n                                          3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom\n24. Oktober 2000 - 1 BvR 1319/95\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 24. Oktober 2000 - 1 BvR 1319/95 - Rn. (1 - 10), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20001024_1bvr131995.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001024.1bvr131995\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-10-24/1-bvr-1319-95","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-10-24/1-bvr-1319-95","retrieved":"2026-07-10 10:46:50.573561+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2000-10-24/1-bvr-1319-95","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"2000-10-24","dockets":["1 BvR 1319/95"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001024.1bvr131995","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20001024.1bvr131995"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 24.10.2000 – 1 BvR 1319/95","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-10-24/1-bvr-1319-95","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/23","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"23","label":"§ 23 BVerfGG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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