{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000918.2bvr141900","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2000-09-18","aktenzeichen":"2 BvR 1419/00","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1419/00 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn G...\n\n- Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. F. -\ngegen den Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 6. Juli 2000 - 5 StR 613/99 -\n\nhat die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch die\nRichterin\n                                 Präsidentin Limbach\n                                 und die Richter Hassemer,\n                                 Broß\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 18. September 2000 einstimmig\nbeschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nGegen den Beschwerdeführer wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.000 DM\n(in Worten: eintausend Deutsche Mark) verhängt.\n\n                                     Gründe:\n\n                                            I.\n Die Verfassungsbeschwerde richtet sich gegen die Verwerfung einer strafprozessualen Revision durch Beschluss des Bundesgerichtshofs.\n\n Der Beschwerdeführer, der zur Tatzeit Polizeibeamter war, ist vom Landgericht wegen Misshandlung festgenommener Ausländer auf der Polizeiwache in neun Fällen\nverurteilt worden. Der Generalbundesanwalt beantragte die Verwerfung seiner Revision als offensichtlich unbegründet nach § 349 Abs. 2 StPO. Der Bundesgerichtshof\nentschied antragsgemäß.\n\n Der Beschwerdeführer sieht sich in seinem Recht aus Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG        3\nverletzt, weil der erkennende Strafsenat des Bundesgerichtshofs zu einer Verfahrensfrage den Großen Senat für Strafsachen nicht angerufen hat.\n\n                                        II.\n Die Kammer nimmt die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an, weil ein       4\nAnnahmegrund im Sinne des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegt (vgl. BVerfGE 90,\n22 <24 ff.>). Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg, denn sie ist\n\n\n                                            1/4\n\nunzulässig, und sie wäre im Übrigen offensichtlich unbegründet.\n\n  1. Der Vortrag entspricht trotz anwaltlicher Vertretung des Beschwerdeführers nicht       5\nden Mindestanforderungen an eine substantiierte Begründung der Verfassungsbeschwerde gemäß §§ 23 Abs. 1 Satz 2, 92 BVerfGG. Der Beschwerdeführer hat bereits die im angegriffenen Beschluss ausdrücklich in Bezug genommene Antragsschrift des Generalbundesanwalts gemäß § 349 Abs. 2 StPO nicht mitgeteilt.\nDeshalb kann nicht geprüft werden, ob der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs, wie\nder Beschwerdeführer behauptet, objektiv willkürlich von einer Vorlage der Sache an\nden Großen Senat des Bundesgerichtshofs für Strafsachen gemäß § 132 Abs. 2\nGVG abgesehen und dadurch Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG verletzt hat. Der Beschwerdeführer geht zudem nicht darauf ein, dass der angegriffene Beschluss in Betracht\ngezogen hat, das Recht zur Rüge der Verletzung des § 229 StPO könne verwirkt\nsein, weil die mit der Revision beanstandete Unterbrechung der Hauptverhandlung\nauch auf Wunsch der Verteidigung erfolgt war; dies spricht jedenfalls gegen Willkür.\nSchließlich wird vom Beschwerdeführer nicht erörtert, dass auch unter Berücksichtigung der angeblich divergierenden Rechtsprechung des 4. Strafsenats des Bundesgerichtshofs das Beruhen des tatrichterlichen Urteils auf dem behaupteten Rechtsfehler ausgeschlossen werden konnte, weil dieser Rechtsfehler gegebenenfalls zu\nBeginn einer mehr als zweijährigen Hauptverhandlung erfolgt und bei der Urteilsfindung endgültig in den Hintergrund getreten war. Dabei handelte es sich um eine Frage des Einzelfalls, nicht um eine abweichende Beurteilung einer Rechtsfrage im Sinne von § 132 Abs. 2 GVG.\n\n 2. Die angegriffene Entscheidung ist nachvollziehbar begründet und schon deshalb           6\nnicht willkürlich im Sinne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (vgl. Beschlüsse der 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 16. August 1994 - 2\nBvR 647/93 -, NStZ 1995, S. 76, und vom 20. Februar 1995 - 2 BvR 1406/94 -, NJW\n1995, S. 2913 <2914>).\n\n                                           III.\n  Die Auferlegung einer Missbrauchsgebühr beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG. Die               7\nVerfassungsbeschwerde ist missbräuchlich eingelegt. Ein Missbrauch liegt unter anderem dann vor, wenn die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder\nunbegründet ist und ihre Einlegung von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss (vgl. Beschlüsse der 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 6. November 1995 - 2 BvR 1806/95 -, NJW 1996, S.\n1273 <1274>, vom 27. Februar 1997 - 2 BvR 191/97 -, vom 11. März 1997 - 2 BvR\n325/97 -, NStZ-RR 1997, S. 202 <203>, vom 6. Mai 1997 - 2 BvR 651/97 -, vom 19.\nMärz 1998 - 2 BvR 327/98 -, vom 27. März 1998 - 2 BvR 275/98 -, vom 15. März 1999\n- 2 BvR 375/99 -, jeweils veröffentlicht in Juris). Dies ist vorliegend der Fall. Der Beschwerdeführer benutzt das Bundesverfassungsgericht lediglich als weitere Rechtsmittelinstanz, ohne sich mit Fragen von verfassungsrechtlicher Relevanz näher zu\nbefassen (vgl. dazu auch Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats des Bundes-\n\n\n                                            2/4\n\nverfassungsgerichts vom 1. Dezember 1999 - 1 BvR 1559/99 -, veröffentlicht in Juris). Das Bundesverfassungsgericht muss nicht hinnehmen, dass es in der Erfüllung\nseiner Aufgaben, nämlich grundsätzliche Verfassungsfragen zu entscheiden, die für\ndas Staatsleben und die Allgemeinheit wichtig sind, und - wo nötig - die Grundrechte des Einzelnen durchzusetzen, durch substanzlose Verfassungsbeschwerden behindert wird. Eine Sorgfaltspflichtverletzung seines Bevollmächtigten muss sich der\nBeschwerdeführer zurechnen lassen (§ 93 Abs. 2 Satz 6 BVerfGG). Sollte die Einlegung der Verfassungsbeschwerde auf einer unzulänglichen anwaltlichen Beratung\nberuhen, bleibt dem Beschwerdeführer die Geltendmachung eines entsprechenden\nRegressanspruchs unbenommen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                 8\n\n\n              Limbach               Hassemer                 Broß\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom\n18. September 2000 - 2 BvR 1419/00\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 18. September 2000 - 2 BvR 1419/00 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20000918_2bvr141900.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000918.2bvr141900\n\n\n\n\n                                       4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-09-18/2-bvr-1419-00","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":2},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 132","ref_norm":"132","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93","ref_norm":"93","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 229","ref_norm":"229","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-09-18/2-bvr-1419-00","retrieved":"2026-07-10 10:46:18.689722+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2000-09-18/2-bvr-1419-00","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2000-09-18","dockets":["2 BvR 1419/00"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000918.2bvr141900","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000918.2bvr141900"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 18.09.2000 – 2 BvR 1419/00","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-09-18/2-bvr-1419-00","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\nGegen den Beschwerdeführer wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.000 DM\n(in Worten: eintausend Deutsche Mark) verhängt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"GG/101","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"101","label":"Art 101 GG","mentions":2},{"id":"GVG/132","law":"GVG","abbreviation":"GVG","ref":"132","label":"§ 132 GVG","mentions":2},{"id":"StPO/349","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"349","label":"§ 349 StPO","mentions":2},{"id":"BVerfGG/34","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"34","label":"§ 34 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93","label":"§ 93 BVerfGG","mentions":1},{"id":"StPO/229","law":"StPO","abbreviation":"StPO","ref":"229","label":"§ 229 StPO","mentions":1},{"id":"BVerfGG/23","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"23","label":"§ 23 BVerfGG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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