{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000302.2bvr150899","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2000-03-02","aktenzeichen":"2 BvR 1508/99","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 1508/99 -\n\n                               In dem Verfahren\n                                     über\n                         die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn Dr. G...\n\n1. unmittelbar gegen\n\na) den Beschluss des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts vom 14. Juli 1999\n   - 1 Bf 645/98 -,\n\nb) das Urteil des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 25. September 1998 - 20 VG\n   2765/98 -,\n\n2. mittelbar gegen\n\na) § 2 Abs. 1 RGG (Hamb.GVBl I 1986 S. 333),\n\nb) § 18 BetrAVG (BGBl I 1974 S. 3610) in der Fassung des Art. 33 Rentenreformgesetz 1992 (BGBl I 1989 S. 2261, 2381),\n\nc) § 66 BeamtVG (BGBl I 1987 S. 571)\n\nhat die 4. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch die\nRichterin\n                                Präsidentin Limbach\n                                und die Richter Jentsch,\n                                Di Fabio\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 2. März 2000 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                    Gründe:\n Der Beschwerdeführer, der nach 25 Dienstjahren auf eigenen Antrag vorzeitig aus    1\ndem Richterverhältnis entlassen wurde, wendet sich gegen die Versagung einer zusätzlichen, über die Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung hinausgehenden Altersversorgung.\n\n Die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG (vgl. BVerfGE 90, 22           2\n<25 f.>; 96, 245 <248>) liegen nicht vor, weil der Verfassungsbeschwerde weder\ngrundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zukommt noch ihre Annahme zur\nDurchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte angezeigt ist.\n\n\n                                       1/4\n\n 1. Die gesetzliche Versagung einer zusätzlichen Altersversorgung für antragsgemäß vorzeitig aus dem Dienst geschiedene Richter auf Lebenszeit durch § 8 Hmb-RiG i.V.m. § 39 HmbBG und den §§ 2 HmbRGG, 34 BBG ist mit Art. 33 Abs. 5 GG\nvereinbar.\n\n Das Beamtenverhältnis ebenso wie das Richterdienstverhältnis orientiert sich            4\ngrundsätzlich am Lebenszeitprinzip (vgl. BVerfGE 44, 249 <262>; 56, 146 <162>).\nDer Beamte ist seinem Dienstherrn, im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern, in anderer, besonderer Weise umfassend verpflichtet (vgl. BVerfGE 52, 303 <346>).\nGrundlage des Anspruchs auf Ruhegehalt und der entsprechenden Alimentationsverpflichtung des Dienstherrn (vgl. zuletzt: BVerfGE 99, 300 <314>) ist die mit der\nBerufung in das öffentliche Dienstverhältnis verbundene Pflicht des Beamten und\nRichters, seine ganze Persönlichkeit für den Dienstherrn einzusetzen und diesem -\ngrundsätzlich auf Lebenszeit - seine volle Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen (vgl.\nBVerfGE 21, 329 <345>; 71, 255 <268>). Wird das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis durch den Beamten oder Richter aufgekündigt, so entfällt regelmäßig die Notwendigkeit der darauf bezogenen Alimentation und Fürsorge. Diese Folgerung hat\nbereits das preußische Beamtenrecht gezogen (vgl. A. Brand, Das Beamtenrecht -\nDie Rechtsverhältnisse der preußischen Staats- und Kommunalbeamten, 3. Aufl.,\n1928, S. 78 ff.). Sie hat heute ihren Niederschlag in den Beamtengesetzen des Bundes und der Länder gefunden (vgl. z.B. § 34 BBG, § 39 HmbBG, Art. 45 BayBG). Es\nbleibt im Falle des freiwilligen Ausscheidens eines Beamten oder Richters aus dem\nDienst bei dem verfassungsrechtlich aus dem Sozialstaatsprinzip hergeleiteten Anspruch auf Gewährung einer Mindest-Altersversorgung durch den bisherigen Dienstherrn gemäß der tatsächlichen Beschäftigungsdauer. Diesen Anspruch hat der Gesetzgeber mit der Anordnung der Nachversicherung für ausgeschiedene Beamte in\n§ 8 SGB VI erfüllt.\n\n  2. Darüber hinaus kann auch keine sachlich ungerechtfertigte Ungleichbehandlung        5\nim Sinne von Art. 3 Abs. 1 GG zwischen vorzeitig aus dem Dienst geschiedenen Beamten oder Richtern einerseits und Angestellten des öffentlichen Dienstes andererseits festgestellt werden. Angestellte des öffentlichen Dienstes erhalten zwar - anders als Beamte oder Richter - bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Dienst eine\nbeschäftigungsdauerabhängige Zusatzversorgung. Die ungleiche Behandlung indes\nist gerechtfertigt, weil sich das gesetzlich geregelte Beamten- und Richterverhältnis\nvon dem durch privatrechtlichen Vertrag begründeten Angestelltenverhältnis grundlegend unterscheidet (vgl. BVerfGE 52, 303 <345>). Anders als der Beamte oder Richter kann der Angestellte grundsätzlich jederzeit entlassen werden. Er hat keinen Anspruch auf lebenslange Alimentation (BVerfGE 97, 35 <45>; 98, 365 <391>). Die\nFrage, ob eine zusätzliche Altersversorgung für auf ihren Antrag hin entlassene Beamte sinnvoll wäre, hat das Bundesverfassungsgericht nicht zu entscheiden. Eine\ngesetzliche Differenzierung verstößt jedenfalls in dem Sach- und Regelungsbereich\ndes Besoldungs- und Versorgungsrechts nicht schon dann gegen Art. 3 Abs. 1 GG,\nwenn der Gesetzgeber unter mehreren gerechten Lösungen im konkreten Falle nicht\n\n\n\n                                          2/4\n\ndie \"zweckmäßigste\", \"vernünftigste\" oder \"gerechteste\" gewählt hat, vielmehr nur\ndann, wenn sich ein sachgerechter Grund für eine gesetzliche Bestimmung nicht finden lässt (BVerfGE 4, 144 <155>; 76, 256 <330>; 81, 108 <117>; 84, 348 <359>).\nWeiter gehende Rügen in diesem Zusammenhang hat der Beschwerdeführer nicht\nerhoben.\n\n 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                7\n\n\n              Limbach               Jentsch               Di Fabio\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 4. Kammer des Zweiten Senats vom\n2. März 2000 - 2 BvR 1508/99\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 4. Kammer des Zweiten Senats vom\n                2. März 2000 - 2 BvR 1508/99 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20000302_2bvr150899.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000302.2bvr150899\n\n\n\n\n                                        4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-03-02/2-bvr-1508-99","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 33","ref_norm":"33","n":1},{"jurabk":"SGB 6","ref":"§ 8","ref_norm":"8","n":1},{"jurabk":"BeamtVG","ref":"§ 66","ref_norm":"66","n":1},{"jurabk":"BetrAVG","ref":"§ 18","ref_norm":"18","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-03-02/2-bvr-1508-99","retrieved":"2026-07-10 10:45:26.587318+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2000-03-02/2-bvr-1508-99","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2000-03-02","dockets":["2 BvR 1508/99"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000302.2bvr150899","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000302.2bvr150899"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 02.03.2000 – 2 BvR 1508/99","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-03-02/2-bvr-1508-99","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"GG/3","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"3","label":"Art 3 GG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/33","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"33","label":"Art 33 GG","mentions":1},{"id":"SGB 6/8","law":"SGB 6","abbreviation":"SGB 6","ref":"8","label":"§ 8 SGB 6","mentions":1},{"id":"BeamtVG/66","law":"BeamtVG","abbreviation":"BeamtVG","ref":"66","label":"§ 66 BeamtVG","mentions":1},{"id":"BetrAVG/18","law":"BetrAVG","abbreviation":"BetrAVG","ref":"18","label":"§ 18 BetrAVG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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