{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000210.2bvr231799","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"2000-02-10","aktenzeichen":"2 BvR 2317/99","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 2 BVR 2317/99 -\n\n                                  In dem Verfahren\n                                        über\n                            die Verfassungsbeschwerde\n1. der Frau\n2. des Herrn\n3. der Frau\nlit 1. bis 3. in ungeteilter Erbengemeinschaft,\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Dr. Wienand Meilicke und Koll.,\n                   Poppelsdorfer Allee 106, Bonn -\ngegen den Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 19. Oktober 1999 -\n      19 W 1/96 AktE\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                   Richter Sommer,\n                                   Broß\n                                   und die Richterin Osterloh\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 10. Februar 2000 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                       Gründe:\n Das Verfahren betrifft die Vorlagepflicht an den Bundesgerichtshof nach § 28 Abs. 2   1\nFGG zur Frage der Bemessung der Ausgleichszahlung nach § 304 AktG wegen der\nÄnderung des Körperschaftsteuersatzes für Ausschüttungen ab dem 1. Januar 1994\nund der damit zusammenhängenden Reduzierung der Körperschaftsteuergutschrift.\n\n  Die Verfassungsbeschwerde war nicht zur Entscheidung anzunehmen, da die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Weder kommt der Sache\ngrundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu, noch ist die Annahme zur\nDurchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte angezeigt. Die Verfassungsbeschwerde erweist sich bereits als unzulässig, ohne dass zu dieser Beurteilung die Klärung grundsätzlicher verfassungsrechtlicher Fragen erforderlich wäre:\n\n 1. Soweit die Beschwerdeführer einen Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG rügen, ist die Verfassungsbeschwerde schon deshalb unzulässig, weil nicht abschließend entschieden werden kann, ob den Beschwerdeführern tatsächlich der gesetzliche Richter entzogen wurde; der entsprechende Vortrag genügt den Anforderungen\n\n\n                                           1/4\n\nan die Darlegungslast nicht. Für einen Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG\nspricht zwar, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf bewusst von der Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Zweibrücken abweicht und insoweit nicht nur ein\nVerfahrensfehler (vgl. BVerfGE 29, 166 <172 f.>), sondern eine objektiv willkürliche\nMaßnahme vorliegen könnte (vgl. BVerfGE 13, 132 <143>; 76, 93 <96 ff.>; 87, 282\n<284 f.>). Jedoch kann aufgrund des Vortrags der Beschwerdeführer nicht geprüft\nund beurteilt werden, ob eine für die Feststellung von Willkür erforderliche Erheblichkeit der Abweichung gegeben ist (vgl. BVerfGE 31, 145 <171 f.>). So haben die\nBeschwerdeführer zwar durch Vorlage eines dem Oberlandesgericht Düsseldorf einge reichten Schriftsatzes vorgetragen, dass sie bei Zugrundelegung des von ihnen\nfür richtig gehaltenen Körperschaftsteuersatzes eine höhere Abfindung erhalten würden. Demgegenüber hat das Oberlandesgericht Düsseldorf ausgeführt, dass unabhängig vom jeweils anzuwendenden Körperschaftsteuersatz im vorliegenden Fall der\nAusgleichsanspruch der Beschwerdeführer unverändert bleibe, da allein die Ertragswertberechnung maßgebend sei und hier die Körperschaftsteuer auf die auszuschüttenden Erträge nicht ertragsmindernd abgezogen worden sei. Hiergegen haben die\nBeschwerdeführer zwar schriftsätzlich im Ausgangsverfahren eingewandt, dass das\nBewertungsgutachten anders verfahren sei, sie haben es jedoch unterlassen, dieses Gutachten ihrer Verfassungsbeschwerde beizufügen oder seinem wesentlichen\nInhalt nach mitzuteilen (§ 23 Abs. 1 Satz 2, 1. Halbsatz und § 92 BVerfGG; vgl.\nBVerfGE 78, 320 <329>; 81, 208 <214>; 88, 40 <45>; 93, 266 <288>).\n\n 2. Auch hinsichtlich der Grundrechtsrügen nach Art. 2 Abs. 1, Art. 3 und Art. 14 begegnet der Vortrag mangels hinreichender Darlegungen durchgreifenden Bedenken.\nDas Vorbringen erschöpft sich hier darin, dass durch die behauptete Verletzung von\nArt. 101 Abs. 1 Satz 2 GG auch gegen die anderen Grundrechte verstoßen worden\nsei.\n\n  Art. 2 Abs. 2, Art. 14 Abs. 1 GG geben zwar außenstehenden Aktionären einen Anspruch auf angemessenen Ausgleich im Sinne einer \"vollen Entschädigung\" (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 8. September 1999 - 1 BvR 301/89 -,\nZIP 1999, 1804 <1806>). Hier ist aber offen und wird vom Oberlandesgericht Düsseldorf und den Beschwerdeführern unterschiedlich bewertet, ob die Beschwerdeführer\neinen angemessenen Ausgleich erhalten haben, ohne dass nachvollzogen werden\nkann, inwieweit die Grenze zur Unangemessenheit (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 8. September 1999 - 1 BvR 301/89 -, ZIP 1999, 1804 <1806>;\nüberschritten ist. Hierzu fehlt es an jeglichem Vortrag.\n\n  3. Schließlich verbleibt den Beschwerdeführern - wie sie selbst erkennen - die Möglichkeit, ihr Rechtschutzziel im Wege einer Feststellungs- oder Leistungsklage zu erstreben (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 8. September 1999 1\nBvR 301/89 -, ZIP 1999, 1804 <1807>), so dass auch aus Gründen der Subsidiarität\nnach § 90 Abs. 2 BVerfGG durchgreifende Zweifel an der Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde bestehen.\n\n\n\n                                         2/4\n\nVon einer weiteren Begründung wird gemäß § 93d Abs. 1 BVerfGG abgesehen.   7\n\nDiese Entscheidung ist unanfechtbar.                                       8\n\n             Sommer                    Broß          Osterloh\n\n\n\n\n                                        3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n10. Februar 2000 - 2 BvR 2317/99\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 10. Februar 2000 - 2 BvR 2317/99 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk20000210_2bvr231799.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000210.2bvr231799\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-02-10/2-bvr-2317-99","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"AktG","ref":"§ 304","ref_norm":"304","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 14","ref_norm":"14","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-02-10/2-bvr-2317-99","retrieved":"2026-07-10 10:45:15.271503+00:00"},"card":{"id":"bverfg/2000-02-10/2-bvr-2317-99","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"2000-02-10","dockets":["2 BvR 2317/99"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000210.2bvr231799","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:2000:rk20000210.2bvr231799"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 10.02.2000 – 2 BvR 2317/99","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/2000-02-10/2-bvr-2317-99","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"GG/101","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"101","label":"Art 101 GG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"AktG/304","law":"AktG","abbreviation":"AktG","ref":"304","label":"§ 304 AktG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/14","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"14","label":"Art 14 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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