{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rs19990617.2bvr195395","court":"BVerfG","senate":"Zweiter Senat","decided":"1999-06-17","aktenzeichen":"2 BvR 1953/95","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 2 BVR 1953/95 -\n\n\n\n\n                              Im Namen des Volkes\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn Klaus B...,\n\n- Bevollmächtigter: Professor Dr. Dietrich Murswiek -\ngegen Artikel 25 des bayerischen Gesetzes über die Wahl\n      der Gemeinderäte, der Bürgermeister, der Kreistage\n      und der Ländräte (Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz)\n      vom 10. August 1994 (GVBl S. 747) in der Fassung des\n      Gesetzes zur Änderung des Gemeinde- und Landkreiswahlgesetzes vom\n      26. Juli 1995 (GVBl S. 371)\n\nhier:       Antrag auf Auslagenerstattung\n\nhat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat - unter Mitwirkung der Richterin\n                                 Präsidentin Limbach,\n                                 der Richter Kirchhof,\n                                 Sommer,\n                                 Jentsch,\n                                 Hassemer,\n                                 Broß\n                                 und der Richterin Osterloh\n\nam 17. Juni 1999 beschlossen:\n\nDer Antrag des Beschwerdeführers, dem Freistaat Bayern seine notwendigen Auslagen im Verfassungsbeschwerde-Verfahren aufzuerlegen, wird abgelehnt.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde des Beschwerdeführers ist durch Senatsbeschluß           1\nvom 16. Juli 1998 zurückgewiesen worden. Damit ist lediglich noch über den Antrag\ndes Beschwerdeführers, ihm seine notwendigen Auslagen zu erstatten, zu entscheiden.\n\n\n\n                                         1/4\n\n 1. Einem Beschwerdeführer sind im Verfassungsbeschwerde-Verfahren die notwendigen Auslagen gemäß § 34a Abs. 2 BVerfGG ganz oder teilweise zu erstatten,\nwenn sich die Verfassungsbeschwerde als begründet erweist. Dies ist vorliegend\nnicht der Fall. Das Bundesverfassungsgericht kann allerdings gemäß § 34a Abs. 3\nBVerfGG die volle oder teilweise Erstattung der Auslagen eines Beschwerdeführers\nauch dann anordnen, wenn die Verfassungsbeschwerde in der Sache keinen Erfolg\nhatte. Dies setzt aber besondere Billigkeitsgründe voraus (vgl.BVerfGE 74, 218\n<219>).\n\n Solche Gründe können gegeben sein, wenn die Verfassungsbeschwerde nur als              3\nFolge einer Änderung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts erfolglos\ngeblieben ist, nach der bisherigen Rechtsprechung jedoch Erfolg gehabt hätte (vgl.\nBVerfGE 42, 243 <251 f.>; 74, 218 <219>).\n\n Dabei ist allerdings zu bedenken, daß bei der Entscheidung über die Auslagenerstattung im Verfassungsbeschwerde-Verfahren gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG regelmäßig eine überschlägige Beurteilung der Sach- und Rechtslage nicht stattfindet. Eine solche kursorische Prüfung entspricht nicht der Aufgabe des\nBundesverfassungsgerichts, verfassungsrechtliche Zweifelsfragen mit bindender\nWirkung inter omnes zu klären. Sie erscheint auch im Hinblick auf die Kostenfreiheit\ndes Verfahrens, den fehlenden Anwaltszwang und das Fehlen eines bei Unterliegen\ndes Beschwerdeführers erstattungsberechtigten Gegners nicht als geboten\n(BVerfGE 33, 247 <264 f.>; stRspr).\n\n  Diese Bedenken greifen allerdings dann nicht ein, wenn die Erfolgsaussicht der Verfassungsbeschwerde im Rahmen der Entscheidung nach § 34a Abs. 3 BVerfGG unterstellt werden kann oder wenn die verfassungsrechtliche Lage - etwa durch eine\nEntscheidung des Bundesverfassungsgerichts in einem gleichliegenden Fall - bereits\ngeklärt ist (BVerfGE 85, 109 <115 f.>).\n\n 2. Ausgehend hiervon ist der Antrag des Beschwerdeführers auf Erstattung seiner        6\nnotwendigen Auslagen im Verfassungsbeschwerde-Verfahren abzulehnen.\n\n  Zwar hat das Bundesverfassungsgericht seine bisherige Rechtsprechung im vorliegenden Fall geändert. Für die Annahme, die Verfassungsbeschwerde hätte andernfalls Erfolg haben müssen, weil die verfassungsrechtliche Lage auch für den Gegenstand des vorliegenden Falles bereits geklärt ist, finden sich aber weder in der\nSenatsentscheidung vom 16. Juli 1998 noch sonst Anhaltspunkte.\n\n\n\n\n                                         2/4\n\n Sonstige Billigkeitsgründe, die eine Auslagenerstattung gemäß § 34a Abs. 3   8\nBVerfGG rechtfertigen könnten, sind nicht ersichtlich.\n\n\n           Limbach             Kirchhof            Sommer\n\n\n            Jentsch           Hassemer               Broß\n\n\n           Osterloh\n\n\n\n\n                                    3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 17. Juni 1999 -\n2 BvR 1953/95\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 17. Juni 1999 -\n                2 BvR 1953/95 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rs19990617_2bvr195395.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:1999:rs19990617.2bvr195395\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-06-17/2-bvr-1953-95","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 34a","ref_norm":"34a","n":4}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-06-17/2-bvr-1953-95","retrieved":"2026-07-10 10:44:08.005394+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1999-06-17/2-bvr-1953-95","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Zweiter Senat","date":"1999-06-17","dockets":["2 BvR 1953/95"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rs19990617.2bvr195395","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rs19990617.2bvr195395"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 17.06.1999 – 2 BvR 1953/95","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-06-17/2-bvr-1953-95","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Antrag des Beschwerdeführers, dem Freistaat Bayern seine notwendigen Auslagen im Verfassungsbeschwerde-Verfahren aufzuerlegen, wird abgelehnt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/34a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"34a","label":"§ 34a BVerfGG","mentions":4}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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