{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991229.1bvr067998","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"1999-12-29","aktenzeichen":"1 BvR 679/98","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 679/98 -\n\n                                In dem Verfahren\n                                      über\n                          die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn F...\n\ngegen das Urteil des Bundessozialgerichts vom 29. Januar 1998 - B 12 KR 35/95\n      R-\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch den\n                                 Richter Kühling,\n                                 die Richterin Jaeger\n                                 und den Richter Steiner\n\nam 29. Dezember 1999 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n 1. Der Beschwerdeführer beanstandet die Beitragsfestsetzung in der gesetzlichen       1\nSozialversicherung, weil Aufwendungen für versicherungsfremde Leistungen nicht\nvom Bund ausgeglichen, sondern auf die Beitragszahler abgewälzt würden.\n\n 2. Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die          2\nVoraussetzungen des § 93 a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen.\n\n a) Ihr kommt keine grundsätzliche verfassungsrechtliche Bedeutung zu. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach entschieden, dass in der Sozialversicherung\ndas Versicherungsprinzip entscheidend durch Gesichtspunkte modifiziert wird, die\nder Privatversicherung fremd sind. Denn die gesetzliche Rentenversicherung beruht\nwesentlich auf dem Gedanken der Solidarität ihrer Mitglieder sowie des sozialen Ausgleichs und enthält von jeher auch ein Stück sozialer Fürsorge (vgl. BVerfGE 76, 256\n<301>). So werden beispielsweise mehr als 4 Prozentpunkte aus dem Beitragssatz\nauf die vorwiegend fürsorgerisch motivierte Leistung der Hinterbliebenenrente verwandt, ohne dass dagegen verfassungsrechtliche Bedenken bestehen (vgl. BVerfGE\n97, 271 <285>). Rentenansprüche und Anwartschaften weisen zwar einen hohen\npersonalen Bezug auf. Zugleich stehen sie jedoch in einem ausgeprägt sozialen Zusammenhang. Deswegen verleiht Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG dem Gesetzgeber auch\ndie Befugnis, Rentenansprüche und Rentenanwartschaften zu beschränken, Leistungen zu kürzen und Ansprüche und Anwartschaften umzugestalten, sofern dies einem\nGemeinwohlzweck dient und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit genügt (vgl.\nBVerfGE 100, 1 <37 f.> m.w.N.).\n\n\n\n\n                                         1/3\n\n  b) Die Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der als verletzt bezeichneten Verfassungsrechte angezeigt. Zur historischen Entwicklung der Einnahmen der Rentenversicherungsträger kann insoweit auf das angegriffene Urteil des Bundessozialgerichts ebenso Bezug genommen werden wie hinsichtlich der kompetenzrechtlichen\nGrundlagen in Art. 74 Abs. 1 Nr. 12 GG sowie der Vorschriften über die Finanzverfassung in Art. 104 a ff. GG. Dem Vorbringen des Beschwerdeführers lassen sich durchgreifende verfassungsrechtliche Bedenken gegen die eingehenden Ausführungen im\nangegriffenen Urteil nicht entnehmen. Die politische Diskussion der letzten Jahre\nmacht zudem deutlich, dass der Gesetzgeber um ein ausgewogenes Finanzierungssystem der gesetzlichen Rentenversicherung bemüht ist und die Belastung der Beitragszahler in Grenzen zu halten sucht.\n\n 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                  6\n\n\n               Kühling               Jaeger                 Steiner\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n29. Dezember 1999 - 1 BvR 679/98\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 29. Dezember 1999 - 1 BvR 679/98 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19991229_1bvr067998.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991229.1bvr067998\n\n\n\n\n                                     3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-12-29/1-bvr-679-98","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 14","ref_norm":"14","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 74","ref_norm":"74","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 104a","ref_norm":"104a","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-12-29/1-bvr-679-98","retrieved":"2026-07-10 10:45:05.301487+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1999-12-29/1-bvr-679-98","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"1999-12-29","dockets":["1 BvR 679/98"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991229.1bvr067998","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991229.1bvr067998"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 29.12.1999 – 1 BvR 679/98","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-12-29/1-bvr-679-98","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/14","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"14","label":"Art 14 GG","mentions":1},{"id":"GG/74","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"74","label":"Art 74 GG","mentions":1},{"id":"GG/104a","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"104a","label":"Art 104a GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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