{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991201.1bvr128296","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"1999-12-01","aktenzeichen":"1 BvR 1282/96","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\n- 1 BVR 1282/96 -\n\n\n\n\n                                Im Namen des Volkes\n\n                                   In dem Verfahren\n                                         über\n                             die Verfassungsbeschwerde\nder Frau D...,\n\n- Bevollmächtigte:\nRechtsanwälte Dr. Karl-Heinz Christoph und Dr. Ingeborg Christoph,\nHeiligenberger Straße 18, Berlin -\n                                                                      I. unmittelbar\ngegen\n\n1.      den Beschluß des Bundessozialgerichts vom 16. Dezember 1997 - 4 BA 103/\n        96 -,\n\n2. a) das Urteil des Landessozialgerichts Berlin vom 15. April 1996 - L 16 An 81/94\n      -,\n\n     b) das Urteil des Sozialgerichts Berlin vom 16. Mai 1994 - S 6 An 2800/92 -,\n\n3. a) den Beschluß des Landessozialgerichts Berlin vom 17. Juni 1994 - L 12 An-SE 98/93 -,\n\n     b) den Beschluß des Sozialgerichts Berlin vom 25. Mai 1993 - S 7 An-E 2800/\n        92-93 -,\n\n4.      die diesen Verfahren zugrundeliegenden Bescheide der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte - 65 100624 D 008 BKZ 4571, 6223, 2020 und\n        2021 -\n\nII. mittelbar gegen\ndie den angegriffenen Entscheidungen zugrundeliegenden\nRechtsvorschriften\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\n                                    den Richter Kühling,\n                                    die Richterin Jaeger\n                                    und den Richter Steiner\n\n\n                                           1/5\n\ngemäß § 93 c und § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 1. Dezember 1999 einstimmig beschlossen:\n\n  1. Das Urteil des Landessozialgerichts Berlin vom 15. April 1996 - L 16 An 81/94\n     - und der Bescheid der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte vom 19.\n     Mai 1995 verletzen die Beschwerdeführerin in ihrem Grundrecht aus Artikel 3\n     Absatz 1 des Grundgesetzes. Das Urteil des Landessozialgerichts vom 15.\n     April 1996 wird aufgehoben, soweit in dem Bescheid vom 19. Mai 1995 die\n     Rente nach Maßgabe des § 307 b Absatz 1 des Sozialgesetzbuches Sechstes\n     Buch berechnet ist. Die Sache wird an das Landessozialgericht zurückverwiesen.\n     Der Beschluß des Bundessozialgerichts vom 16. Dezember 1997 - 4 BA 103/\n     96 - ist damit gegenstandslos.\n     Im übrigen wird die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen.\n  2. Das Land Berlin hat der Beschwerdeführerin die Hälfte ihrer notwendigen Auslagen zu erstatten.\n\n                                     Gründe:\n  Gegenstand der Verfassungsbeschwerde ist die Überführung von Ansprüchen und          1\nAnwartschaften aus Zusatzversorgungssystemen der Deutschen Demokratischen\nRepublik in die gesetzliche Rentenversicherung des wiedervereinigten Deutschlands. Sie betrifft vor allem das im Sozialgesetzbuch Sechstes Buch (SGB VI) geregelte Verfahren für die Berechnung solcher Renten, die aus Bestandsrenten mit Zusatzversorgung der Deutschen Demokratischen Republik abgeleitet werden.\n\n                                         I.\n  In der Sache greift die Beschwerdeführerin als Rechtsnachfolgerin des Versicherten   2\nHeinz Diehl (geboren: 10. Juni 1924, verstorben: 2. September 1998) die Höhe der\nRente an, die in Abänderung früherer Bescheide auf der Grundlage von § 307 b Abs.\n1 SGB VI mit Bescheid der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte vom 19. Mai\n1995 festgesetzt worden ist; er umfaßt auch den Anspruch auf Zusatzversorgung.\nDaneben werden die Bescheide angegriffen, die aufgrund der Übergangsbestimmungen des § 23 Abs. 1 des Gesetzes zur Angleichung der Bestandsrenten an das Nettorentenniveau der Bundesrepublik Deutschland und zu weiteren rentenrechtlichen\nRegelungen (Rentenangleichungsgesetz - RAnglG) vom 28. Juni 1990 (GBl I S.\n495), des § 6 der Ersten Verordnung zur Anpassung der Renten in dem in Artikel 3\ndes Einigungsvertrages genannten Gebiet (1. Rentenanpassungsverordnung - 1.\nRAV) vom 14. Dezember 1990 (BGBl I S. 2867), des § 8 der Zweiten Verordnung zur\nAnpassung der Renten und zu den maßgeblichen Rechengrößen in dem in Artikel 3\ndes Einigungsvertrages genannten Gebiet (2. Rentenanpassungsverordnung - 2.\nRAV) vom 19. Juni 1991 (BGBl I S. 1300) sowie des § 307 b Abs. 5 SGB VI für die\n\n\n                                         2/5\n\nÜbergangszeit ab 1. Juli 1990 bis zur Neuberechnung erlassen wurden.\n\n Die Verfassungsbeschwerde richtet sich unmittelbar gegen die hierzu ergangenen        3\nEntscheidungen der Verwaltung und der Sozialgerichtsbarkeit sowie mittelbar gegen\ndie diesen Entscheidungen zugrundeliegenden Rechtsvorschriften.\n\n                                         II.\n 1. Die Kammer nimmt die Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung an, weil dies          4\nzur Durchsetzung des Grundrechts der Beschwerdeführerin aus Art. 3 Abs. 1 GG angezeigt ist (§ 93 a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Die Voraussetzungen für eine stattgebende Entscheidung durch die Kammer (§ 93 c Abs. 1 Satz 1 BVerfGG) liegen vor.\nDie für die Beurteilung maßgebliche Frage der Vereinbarkeit von § 307 b Abs. 1 SGB\nVI mit dem allgemeinen Gleichheitssatz hat das Bundesverfassungsgericht bereits\nentschieden (Urteil vom 28. April 1999, 1 BvR 1926/96 und 1 BvR 485/97, Umdruck\nS. 33 ff., 47).\n\n  a) Nach dieser Entscheidung ist die Vorschrift des § 307 b Abs. 1 SGB VI, auf die    5\ndas mit der Verfassungsbeschwerde angegriffene Urteil des Landessozialgerichts\nund der Bescheid der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte vom 19. Mai 1995\ngestützt sind, mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar, soweit danach bei der Neuberechnung von Bestandsrenten aus Zeiten der Zugehörigkeit zu einem Zusatz- oder Sonderversorgungssystem der Deutschen Demokratischen Republik für die Ermittlung\nder persönlichen Entgeltpunkte (Ost) die während der gesamten Versicherungszeit\nbezogenen tatsächlichen Arbeitsentgelte oder Arbeitseinkommen zugrunde gelegt\nwerden, während für die sonstigen Bestandsrentner im Beitrittsgebiet nach § 307 a\nAbs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB VI ein 20-Jahres-Zeitraum maßgeblich ist. Die Entscheidung\ndes Landessozialgerichts und der Bescheid verletzen deshalb die Beschwerdeführerin in ihrem Grundrecht auf Gleichbehandlung, da nicht auszuschließen ist, daß das\nBerechnungsverfahren des § 307 b Abs. 1 SGB VI für ihn nachteilig ist.\n\n b) Das angegriffene Urteil des Landessozialgerichts ist aufzuheben und die Sache      6\nan das Landessozialgericht zurückzuverweisen (§ 95 Abs. 2 BVerfGG). Der zugleich\nangegriffene Beschluß des Bundessozialgerichts ist damit gegenstandslos (vgl.\nBVerfGE 69, 233 <248>).\n\n 2. Im übrigen wird die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, da sie keine grundsätzliche Bedeutung hat. Mit den Urteilen vom 28. April 1999\n(1 BvL 32/95 und 1 BvR 2105/95, Umdruck S. 74 ff.; 1 BvR 1926/96 und 1 BvR 485/\n97, Umdruck S. 32 ff., 35 ff., 39 ff.) hat das Bundesverfassungsgericht entschieden,\ndaß die Übergangsvorschriften des § 23 Abs. 1 RAnglG, des § 6 1. RAV, des § 8 2.\nRAV und des § 307 b Abs. 5 SGB VI mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Von einer\nweiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n                                        III.\n Die Verfassungsbeschwerde hat nur teilweise Erfolg. Deshalb ist es angemessen,        8\n\n\n                                         3/5\n\nwenn der Beschwerdeführerin nur die Hälfte ihrer notwendigen Auslagen erstattet\nwird (§ 34 a Abs. 2 BVerfGG).\n\n              Kühling               Jaeger               Steiner\n\n\n\n\n                                      4/5\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss des Ersten Senats vom 1. Dezember 1999 -\n1 BvR 1282/96\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 1. Dezember 1999 -\n                1 BvR 1282/96 - Rn. (1 - 8), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19991201_1bvr128296.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991201.1bvr128296\n\n\n\n\n                                     5/5\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-12-01/1-bvr-1282-96","cited_norms":[{"jurabk":"SGB 6","ref":"§ 307b","ref_norm":"307b","n":6},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 34a","ref_norm":"34a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93c","ref_norm":"93c","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 95","ref_norm":"95","n":1},{"jurabk":"SGB 6","ref":"§ 307a","ref_norm":"307a","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-12-01/1-bvr-1282-96","retrieved":"2026-07-10 10:44:50.936769+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1999-12-01/1-bvr-1282-96","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"1999-12-01","dockets":["1 BvR 1282/96"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991201.1bvr128296","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19991201.1bvr128296"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 01.12.1999 – 1 BvR 1282/96","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-12-01/1-bvr-1282-96","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"1. 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