{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19990617.1bvr150097","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"1999-06-17","aktenzeichen":"1 BvR 1500/97","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 1 BVR 1500/97 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\n  1. des Herrn Dr. K...,\n  2. der Frau Dr. B...,\n  3. des Herrn Dr. S...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Dr. Klaus Wasserburg\n                   und Partner,\n                   Adam-Karrillon-Straße 23, Mainz -\n   gegen a) das Urteil des Bundessozialgerichts\n            vom 29. Januar 1997 - 6 RKa 81/95 -,\n\n          b) das Urteil des Landessozialgerichts\n             Rheinland-Pfalz\n             vom 13. September 1995 - L 5 Ka 6/94 -,\n\n           c) das Urteil des Sozialgerichts Mainz\n              vom 8. Dezember 1993 - S 1 Ka 143/92 -,\n\n          d) die Bescheide der Kassenärztlichen Vereinigung\n             Rheinhessen vom 11. und 12. Mai 1992\n             in der Fassung des Widerspruchsbescheids\n             vom 16. Juli 1992 - Gr/Elf -\n\nhat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch den\n                                  Richter Kühling,\n                                  die Richterin Jaeger\n                                  und den Richter Steiner\n\nam 17. Juni 1999 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde betrifft den Überweisungsvorbehalt für bestimmte             1\nFachärzte - hier: Ärzte für Laboratoriumsmedizin - in der vertragsärztlichen Versorgung.\n\n  1. Die Beschwerdeführer sind zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassene Laboratoriumsmediziner. Sie begehren die Honorierung ihrer Leistungen auch in den Fällen, in denen sie ihre Leistungen nicht auf Überweisung eines anderen Vertragsarztes erbracht haben. Im Ausgangsverfahren hatten sie keinen Erfolg. In letzter Instanz\n\n\n                                         1/4\n\nentschied das Bundessozialgericht mit dem angegriffenen Urteil, daß das vertragsärztliche Abrechnungsverbot für Laborleistungen, die aufgrund einer unmittelbaren\nInanspruchnahme durch die Versicherten erbracht werden, formell und materiell mit\ndem Grundgesetz vereinbar sei. Es finde seinen Grund in den Vorschriften zur berufsrechtlichen Gliederung der ärztlichen Fachgebiete in Rheinland-Pfalz, die lediglich in das Vertragsarztrecht transformiert worden seien. Die Regelungen gewährleisteten eine zweckmäßige und optimale medizinische Versorgung; sie seien als\nverhältnismäßige Eingriffe in das Grundrecht der Berufsfreiheit hinzunehmen.\n\n 2. Mit ihrer Verfassungsbeschwerde rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung         3\nvon Art. 12 Abs. 1, Art. 20 Abs. 3 und Art. 103 GG. Zur Begründung beziehen sie sich\nweitgehend auf ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. Seewald, mit dem sich das Bundessozialgericht nicht oder jedenfalls nicht hinlänglich befaßt habe.\n\n 3. Die Voraussetzungen für die Annahme der Verfassungsbeschwerde nach § 93 a          4\nAbs. 2 BVerfGG liegen nicht vor, weil sie weder grundsätzliche verfassungsrechtliche\nFragen aufwirft noch hinreichende Aussicht auf Erfolg hat.\n\n  In der Beschränkung von Ärzten mit Gebietsbezeichnungen auf das in der konkreten Weiterbildungsordnung beschriebene Tätigkeitsfeld liegt auch dann keine Grundrechtsverletzung, wenn die berufsrechtlichen Beschränkungen auf das Vertragsarztrecht übertragen und dort so umgesetzt werden, daß in der gesetzlichen\nKrankenversicherung eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung der Patienten auf der Grundlage von §§ 70, 72 des Fünften Buches des Sozialgesetzbuches (SGB V) sichergestellt wird. Die Begrenzung der Facharzttätigkeit auf\ndas eigene Fach kann durch vernünftige Erwägungen des Gemeinwohls eine Einschränkung der freien Berufsausübung grundsätzlich rechtfertigen (vgl. BVerfGE 33,\n125 <167>). Soweit die Gerichte in den angegriffenen Entscheidungen gerade aus\nden Besonderheiten eines diagnostischen medizinischen Fachgebiets und der in der\nWeiterbildungsordnung verankerten Definition von Laboratoriumsmedizin als \"Beratung und Unterstützung der in der Vorsorge und in der Krankenbehandlung tätigen\nÄrzte bei der Erkennung von Krankheiten und ihren Ursachen...\" einen Überweisungsvorbehalt abgeleitet haben, ist dies von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden (vgl. auch den Beschluß nach § 93 a BVerfGG vom 29. Mai 1978 - 1 BvR 77/75 -,\nSozR 2200 § 368 n RVO Nr. 16). Nicht zu entscheiden ist, unter welchen verfassungsrechtlichen Anforderungen ein genereller Überweisungsvorbehalt für fachärztliche Leistungen außerhalb der auf Diagnostik spezialisierten Fachgebiete mit Art. 12\nAbs. 1 GG vereinbar ist, wenn damit die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung\ngesichert werden soll.\n\n Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.\n\n\n\n\n                                         2/4\n\nDiese Entscheidung ist unanfechtbar.                   7\n\n\n             Kühling               Jaeger    Steiner\n\n\n\n\n                                       3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom\n17. Juni 1999 - 1 BvR 1500/97\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 17. Juni 1999 - 1 BvR 1500/97 - Rn. (1 - 7), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19990617_1bvr150097.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19990617.1bvr150097\n\n\n\n\n                                      4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-06-17/1-bvr-1500-97","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 12","ref_norm":"12","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-06-17/1-bvr-1500-97","retrieved":"2026-07-10 10:44:06.701841+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1999-06-17/1-bvr-1500-97","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"1999-06-17","dockets":["1 BvR 1500/97"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19990617.1bvr150097","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19990617.1bvr150097"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 17.06.1999 – 1 BvR 1500/97","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-06-17/1-bvr-1500-97","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/12","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"12","label":"Art 12 GG","mentions":1},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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